Markus Jakob
27. Februar 2009
Via Layetana
recht augenfällig ist auch diese Auskernung an der Via Layetana, Ecke Condal (gleich neben der aus faschistischen Zeiten berüchtigten Jefatura de Policía)
26. Februar 2009
4 Torres – Madrids neue Skyline

Das ehemalige Trainingsgelände von Real Madrid wurde – vgl. dazu den letzten Beitrag – nach einem typisch spanischen Umwidmungsdeal für eine Neuüberbauung freigegeben, die volumetrisch die verschiedensten Möglichkeiten zugelassen hätte. Man entschied sich – von Ove Arup beraten, und zweifellos in der Absicht, Madrids himmelstürmende Ambitionen zu verdeutlichen – für vier je annähernd 250 Meter hohe Wolkenkratzer.
Ohne auf diese urbanistisch fragwürdige Entscheidung oder auf die nicht unbedingt erhebende Architektur der vier Bauten einzugehen, hier einige Bilder. Oben ein Blick von der Zufahrt zu Richard Rogers’ Terminal 4 des Flughafens Barajas auf die neue Stadtsilhouette. Aus ähnlichem Blickwinkel, schon stadtwärts unterwegs, eine Vorahnung der kolossalen Strukturen, mit denen nun auch dieser privilegierte airportnahe Standort zugekleckert wird: so mit der noch unvollendeten, aber schon in Betrieb genommenen »Ciudad Real Madrid«, die das einstige Trainingsgelände ersetzt, und der »Justizstadt«, an der u.a. Zaha Hadid mitwirkt.In der Verlängerung der Castellana, von der Plaza Castilla aus gesehen, beherrscht Norman Fosters Bau (links) das Bild, von Norden her gibt I.M. Peis bulliger Glasturm den Ton an (beide hier noch im Bau).


Strukturell und formal vielleicht am interessantesten – nur schon weil sie ihre Teilung in drei Kreissegmente verbirgt und stattdessen von allen Seiten wie ein halbiertes Oval erscheint – ist die Torre SyV der spanischen Architekten Rubio & Álvarez-Sala. Foster hingegen bleibt schon fast erbärmlich hinter seinen in Hongkong oder Frankfurt realisierten Hochbauten zurück.


Erstaunlich fad wirkt aus dieser Höhe betrachtet das sich so ungehemmt in die Meseta ausbreitende Madrid. Selbs die Flucht der Castellana (links zwischen den schiefen KIO-Türmen, einem unverzeihlichen Spätwerk von Philip Johnson) entbehrt aller Grandezza.
19. Februar 2009
Gläserner Kommunikations-Konvent

Rafael de la Hoz' geheimnisvolle Raumgeometrien für Telefónica in Madrid
Madrids rasante Entwicklung hat gerade im privilegierten Norden diffuse, von der Spekulation verunstaltete Stadträume hervorgebracht. In dieser in Autobahnschlingen erstickenden Peripherie liegt in sich gekehrt, eine gläserne Insel, der weitläufige neue Firmensitz des Kommunikationskonzerns Telefónica.
Laut der Rating-Agentur Standard & Poor's nimmt Madrid unter den Schaltzentren der Weltwirtschaft heute den sechsten Rang ein. Die geballte Finanzmacht hat auch im Stadtbild ihre Spuren hinterlassen, zumal Spaniens Wachstum stark
auf der boomenden, nun ihren absehbaren Einbruch erleidenden Bauwirtschaft basierte. Für die vier jüngst vollendeten, je knapp 250 Meter hohen Wolkenkratzer im Madrider Norden zeichnen so renommierte Firmen wie Norman Foster (rechts) und Pei Cobb Freed verantwortlich. In formaler Hinsicht interessanter ist der einzige von einem spanischen Architekten, Carlos Rubio, projektierte Turm; von routinierter Eleganz jener Cesar Pellis (unten links). Den Deal eingefädelt hatte der Bauunternehmer und einstige Präsident des Fussballvereins Real Madrid, Florentino Pérez.
Dem Klub trug er durch die Umwidmung und den Verkauf seines Trainingsgeländes über 500 Millionen Euro ein. Acht Jahre später gehören die «galaktischen» Fussballer Figo, Ronaldo, Zidane und Beckham, erste Aktivposten dieses Geschäfts, zum Alteisen, indes die vier stählernen Recken die Madrider Skyline noch auf lange Sicht dominieren werden. (Mehr dazu in Kürze.)
Ungewisser ist ihr kommerzieller Erfolg – Madrids Bedarf an Büroflächen ist gedeckt, und nur bei Rubios Bau wurde eine partielle Hotelnutzung vorgesehen. Für viele Unternehmen scheint Höhe als Statussymbol ausgedient zu haben, gelten am Bau ablesbare Hierarchien nicht mehr als repräsentativ. So plant BBVA, Spaniens zweitgrösste Bank, den Verkauf des 1971 von Saenz de Oiza entworfenen, bis heute elegantesten Madrider Hochhauses, um ihren Hauptsitz aus dem 107 Meter hohen Glasturm an der Castellana in die Peripherie zu verlegen – wie vor ihr schon der Banco Santander.
Spaniens expansionsfreudigstes Finanzinstitut liess sich vom US-Postmodernisten Kevin Roche 15 Kilometer vor der Stadt eine ganze Konzernsiedlung inklusive Golfplatz errichten. Inzwischen ist die Bank, die klugerweise kurz vor dem Platzen der Immobilienblase sämtliche Liegenschaften abgestosssen hat, hier zur Miete untergebracht.In die Breite statt in die Höhe strebt auch der in diesem Frühjahr bezogene Distrito C von Telefónica. Organisatorisch basieren beide Cluster auf einem ähnlichen Konzept, in architektonischer Hinsicht hingegen trennen sie Welten. Der einstige Staatsbetrieb, seit seiner Privatisierung zum Weltkonzern aufgestiegen, sah sich bei der Planung des neuen Firmensitzes durch das eigene bauliche Erbe herausgefordert.
Das von Ignacio de Cárdenas entworfene Edificio Telefónica, 1927 für kurze Zeit Europas höchster Bau, schliesst das erste Teilstück der Gran Vía triumphal ab, deren neobarocken Prunk es nicht verleugnet, jedoch der imposanten, an amerikanischen Vorbildern orientierten Struktur unterordnet.
Um sämtliche Madrider Abteilungen mit ihren 12'000 Mitarbeitern unter einem Dach zu vereinen, wählte Telefónica ein Grundstück in der Überbauung Las Tablas. Das längliche Rechteck, mit 18 Hektaren so gross wie der Tiananmen-Platz, wird von vier würfelförmigen Ecktürmen gefasst, die der Anlage aus der Ferne etwas Wehrhaftes verleihen – myteriöse Festung in diffuser Umgebung, fremdartig gerade durch die Klarheit ihrer Konturen. Dem hermetischen Anschein zutrotz erweist sich indessen ihre Durchlässigkeit als Grundmerkmal. Um die vier elfgeschossigen Turmbauten öffnen sich, durch ihre unterschiedliche Gliederung charakterisiert, ebensoviele Zugangsbereiche; und längsseits – stadtseitig – lädt ein fünfter, der Haupteingang, unter dem Direktionsgebäude hindurch ins Innere des Gevierts. Wie eine Pforte in eine andere Welt gibt diese präzis gerahmte Passage den Blick auf das nun erst seinen eigentlichen Reichtum entfaltende Ensemble frei.

Im weitläufigen Innenhof, Staffelung sich verschränkender Flächen, bildet der Teich in der Mitte den ruhenden Pol. Ebenso sind die elf drei- bis siebengeschossigen Baukörper, die die Parkanlage seitlich umschliessen, Elemente einer zugleich heterogenen und unitären Ordnung. So differenziert sie bestimmte funktionale Anforderungen erfüllen, so leicht fügen sie sich in die übergeordnete Geometrie: Fragmente eines in sich geschlossenen Ganzen, zusammengehalten durch die grosse architektonische Geste des das ganze Geviert umlaufenden Flugdachs – Widerspiel der Wasserfläche und nebenbei Europas grösste in ein Gebäude integrierte photovoltaische Anlage.

Dieses einen Kilometer lange schwebende Band bewirkt, indem es auch die zwischen den niedrigeren Bauten und den Ecktürmen sich öffnenden Plätze und versenkten Patios überkragt und diese durch monumentale Himmelfenster in Licht und Schatten taucht, erst die räumliche Verzauberung, die in der Verschränkung der Volumen vorgebildet ist. Wenn der Distrito C sich durch seine kastellartige Erscheinung von der unansehnlichen Umgebung abschottet, um dann desto lieblicher zum Verweilen in seinem Patio zu verlocken, so wird man auf der promenade architecturale zunehmend durch etwas anderes in Bann gezogen. Trotz seinen ganz andern Dimensionen, und obwohl durchwandelt von an ihren Handys hängenden Konzerndienern, wirkt er geheimnisvoll wie ein mittelalterliches Kloster.




Rafael de la Hoz – Sohn des gleichnamigen, aus Córdoba stammenden Architekten, dessen Renommee er nicht erst mit diesem Meisterstück gerecht wird – hat solch klösterliche Reminiszenzen bewusst gesucht. Die innere Organisation der 400 000 Quadratmeter Nutzfläche kann hier nur gestreift werden. Sie ist gleichfalls ökologischen Grundsätzen und der einem Kommunikationskonzern gebührenden Flexibilität und Transparenz verpflichet, zumal die meisten Mitarbeiter höchstens die Hälfte ihrer Zeit an ihren angestammten Arbeitsplätzen verbringen.


Es ist eine vollkommen gläserne Welt, in der sie sich bewegen. Denn mehr noch als das Flugdach verleiht das modulare, aus 4x2 Meter messenden Scheiben gebildete Fassadensystem der Anlage ihren einheitlichen Charakter. Der Baustoff Glas wird dabei in verschiedenen Beschaffenheiten verwendet. Die doppelte Haut kombiniert transparente mit eigens für dieses Projekt entwickelten serigrafierten – und daher von aussen opak erscheinenden – Elementen, während die obsessiv quer dazu auskragenden Brisesoleis fast immateriell wirken. Die Nuancen der Lichtbrechungen, die so im Lauf des Tages das Geviert umspielen, sind von höchstem ästhetischen Reiz.


Mit diesem von Glas und nichts als Glas umschlossenen Gartenhof hat Madrid einen seiner schönsten Aussenräume gewonnen. An Wochenenden wird er denn auch von den in dieser Hinsicht nicht verwöhnten Anwohnern aufgesucht, ist er doch im Gegensatz zum Banco-Santander-Komplex öffentlich zugänglich und mit der Metrostation «Ronda de la Comunicación» ans öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen. Kein Golfplatz hier, aber Cafeterias, Läden, ein Fitnesscenter und die in die Ecktürme geschnittenen Terrassen tragen zum urbanen Charakter bei, den die Umgebung schmerzlich vermissen lässt. Auch die ferne Silhouette der vier neuen Wolkenkratzer mutet, aus dem Schatten des Flugdachs betrachtet, eher als monströser Auswuchs einer Metropole an, vor deren Gefrässigkeit nur noch solche Klosteranlagen für Digitalmönche Schutz bieten.
17. Februar 2009
Kleine Vorschau aufs neue Pueblo Nuevo

Der 22@, wie die Stadtplaner den Technologiedistrikt nennen, in den das große alte Industrieviertel Pueblo Nuevo (katalanisch Poblenou) verwandelt werden soll, ist seit Jahren auch das interessanteste Spazierrevier: man braucht ihm nur einige Wochen fernzubleiben, schon sieht alles wieder anders aus.

Hier zunächst einige Bilder mit dem vonDominique Perrault entworfenen Hotel Habitat als Blickfang. Liegt es doch – an der Kreuzung Diagonal-Pere IV – genau im Zentrum des höchst komplexen Stadtumbaus. Direkt gegenüber schließt der Parc del Poblenou von Jean Nouvel an, der in der lokalen Presse vernichtende Kritiken geerntet hat. Warum, darüber vielleicht ein andermal mehr.
Nahebei sind reihenweise weitere bemerkenswerte Buildings bereits entstanden oder im Bau, namentlich auf dem Campus Audiovisual, auf dem die Universität Pompeu Fabra und Produktionsfirmen wie Mediapro (Spaniens TV-Bilderlieferant Nr. 1) die Kompetitivität des Medienstandorts Barcelona international und namentlich gegenüber Madrid aufrechtzuerhalten trachten.
Ein architektonisch glückliches Beispiel sind die Oficinas Indra von b720:

David Chipperfield ödet hingegen mit seinen obsessiven vertikalen Fensterzeilen eher an:

Carlos Ferrater hat unter anderem einen exquisiten Wohnbau (links) beigetragen. Daneben Nouvels junge Trauerweiden. Zuletzt nochmals ein Blick durch seinen Park auf Perraults Hotel und den zugehörigen, in der Flucht der Diagonale liegenden Bürotrakt.


30. Januar 2009
Barraquismo – ein verdrängtes Stück Stadtgeschichte

Das Museu d’Història de Barcelona verlängert die seit Monaten laufende Ausstellung »Barraquismo – La ciudad informal« bis am 26. April. In Shanties, Bidonvilles, Hüttenvierteln lebten im 20.Jahrhundert zeitweilig weit über 100'000 Barcelonesen. Im Somorrostro am Strand, in der Perona (so genannt, weil Eva Perón dem Elendsviertel einst einen Besuch abgestattet hatte) oder in hügeligen Gegenden wie dem Carmelo fanden Unzählige ihre erste barcelonesische Behausung. Die materialreiche Ausstellung zeigt eindrücklich, wie einfallsreich sich die mittellosen Einwanderer zu organisieren verstanden – untenstehend ein Plan der gemeinschaftlichen Einrichtungen auf dem einst fast vollständig von Hütten überzogenen Montjuïc –, bevor sie von der franquistischen Oberheit in die Plattenbauten verpflanzt wurden, die heute viele Randgebiete der Stadt kennzeichnen. Die Website zur Ausstellung bietet nähere Informationen.

Bibliothek und Patio von RCR (Aranda Pigem Vilalta)


Nach zwei Jahren Pause wären natürlich eine Unzahl neuer Bauten nachzutragen. Einer, der gut an den vorhergehenden Eintrag anschließt, ist die Quartierbibliothek von RCR Aranda Pigem Vilalta in der Nähe des Mercado de San Antonio, zumal auch hier der Patio eines Cerdá-Blocks in das Projekt einbezogen und öffentlich zugänglich gemacht wurde. Im übrigen ist es der erste Bau, den die bislang vor allem in der Garrotxa (einer vulkanischen Landschaft am Südfuss der Pyrenäen) tätigen Architekten in Barcelona realisieren konnten.
In der Fassadenfront der Calle Borrell hebt sich der Bau durch seine vertikalen, schwarz lackierten Stahllamellen ab, mehr noch aber durch die im selben Material schimmernde Passage, die sich auf den Innenhof öffnet. Schwarzstählern sind auch die Treppen, die Lesertribüne im obersten Geschoss und Teile des Mobiliars im Innern. Das in den Patio sich erstreckende Erdgeschoß nimmt ein Altenzentrum auf, die Bibliothek verteilt sich über vier durch raffiniert angeordnete Durchblicke miteinander kommunizierende Geschoße.



28. Januar 2009
Die Sammlung Francisco Godia


Die Casa Garriga Nogués ist ein Stadtpalais im Eixample, an der Calle Diputación nahe der Rambla de Catalunya, erbaut zwischen 1899 und 1905 vom damals in Barcelona äußerst produktiven Architekten Enric Sagnier. Als Blickfang im Entrée steht seit einigen Wochen ein roter Maserati 250 F: diesen Boliden pilotierte einst Francisco Godia, Spaniens erfolgreichster Formel-1-Fahrer vor Fernando Alonso. Zwar gewann Godia nie einen Grand Prix, beendete die Saison 1956 aber immerhin auf dem 7. Rang. An seiner Figur wird deutlich, dass Autorennen damals noch ein Gentlemansport war, wie es die hier präsentierten Wochenschaufilme vor Augen führen.
Francisco Godia (Barcelona, 1921-1990) war zugleich ein erfolgreicher Unternehmer und eifriger Kunstsammler, dessen Nachlass über 1500 Werke enthält und von seiner Tochter in eine Stiftung übergeführt wurde. Die Sammlung wird nun in der von Jordi Garcés, dem Architekten des Museu Picasso, umgebauten Casa Garriga Nogués ausgestellt. Sie hat verschiedene Schwerpunkte: erstrangige romanische Holzschnitzereien und eine Kolllektion von Keramiken, die die wichtigsten Manufakturen der iberischen Halbinsel repräsentieren; Gemälde der führenden Vertreter des katalanischen Modernisme, deren Werke in diesem Palais ideal zur Geltung kommen; und schließlich eine ganze Reihe Zeitgenossen des Sammlers – ein exzellenter früher Tàpies, Miró, aber auch Karel Appel, Magritte, Fontana, Chillida, Julio González, Barceló oder der hier abgebildete Joaquín Torres García.

Das Highlight des Besuchs ist die Terrasse im Innern des Cerdá-Blocks. Bei anderer Gelegenheit ist auf die von der Stadt seit Jahren vorangetriebene Öffnung dieser Patios zurückzukommen: hatte nicht schon Siegfried Giedion bemerkt, wo die Moderne sich unbeobachtet fühle, werde sie kühn? Die Terrasse gibt den Blick auf diese oft als verglaste Veranden ausgestalteten Hinterfassaden frei. Direkt gegenüber aber liegt die kuppelgekrönte Rückseite des »Coliseum«, eines der letzten großen Kinos Barcelonas. Hier hat die Künstlerin Cristina Iglesias für die Fundación eine begehbare Skulptur geschaffen, in deren Inoxverkleidung sich die Umgebung spiegelt, während das aus Resina und Bronze modellierte Innere sich mit der äußeren Bepflanzung zum Gartenlabyrinth verschränkt.

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