Markus Jakob

27. Februar 2006

L’H oder Welcome to BCN – ein Trailer

Die Autovía de Castelldefels (älteste Autobahn Spaniens!) durchquert das Delta des Llobregat und führt vom Flughafen schnurgerade in die Stadt. Irgend einmal nimmt sie den Namen Gran Vía an; trotzdem war es lange eine ziemlich schäbige Einfahrt, gesäumt von Schrotthändlern, Bordellen, den gnadenlosen Wohnscheiben von Bellvitge (die indessen gar nicht so schlecht funktionieren). Sie bilden übrigens eine der bevorzugten Kulissen des im vorhergehenden Posting erwähnten Films Perros callejeros. Nun haben sie einen neuen Nachbarn erhalten, das 30-geschossige Hotel Hesperia von Richard Rogers mit seiner eher albernen Kuppel, in der das Restaurant eines jener Starköche untergebracht ist, deren Namen heute zur Allgemeinbildung gehören (Santi Santamaría in diesem Fall):


Wir befinden uns hier noch auf dem Gemeindegebiet der Vorstadt L’Hospitalet (260’000 Einwohner und neuerdings mit dem eleganten Kürzel «L’H» paradierend). Das an der Grenze zwischen L’H und Barcelona liegende Teilstück der Gran Vía ist heute, sieht man von der weiträumigeren Transformation des Industrieviertels Pueblo Nuevo ab, die grösste Baustelle der Stadt. Auf etwa 2 Milliarden Euro soll sich die Bausumme belaufen, und darin noch nicht einmal inbegriffen sind die 28 Wohntürme, die um die künftige Plaza de Europa gruppiert werden.



Dieser Platz – Gestaltung: Albert & David Viaplana – bildet das Zentrum der 1,5 Kilometer langen, zurzeit im Bau befindlichen Überdeckung der Gran Vía. Jetzt schon breiten sich hier, anstelle der einstigen Autofriedhöfe, eine Shopping Mall und eine Ikea-Filiale aus. Sie werden von zahlreichen Hochbauten umgeben sein, Doxycycline Online wobei man in Barcelona keine Höhenrekorde anstrebt, sondern im wirtschaftlich vernünftigen Bereich von 80 bis 120 Metern bleibt.

114 Meter hoch werden die Zwillingstürme von Toyo Ito, die den Messeeingang an der Gran Vía flankieren: offensichtlich eine Weiterentwicklung seines Medienzentrums in Sendai. Ito hat den Wettbewerb für die gesamte Messeerweiterung gewonnen, eine 900- Millionen-Investition, dank der Barcelona weiterhin in der ersten Liga der Messeplätze mitzuspielen hofft. Zwischen den teils bereits gebauten Messehallen wird sich eine Ito’sche «Rambla» schlängeln. Der Bau der Metrolinie 9, mit 42,6 Kilometern die längste Europas, wird die Messe mit der Stadt und dem Flughafen verbinden.



Nicht genug damit, sind unweit der Messe zwei weitere grosse Geschäftszentren in Planung: die City Metropolitana von Jean Nouvel (zusammen mit Ribas & Ribas) und ein Office Park von Foreign Office Architects an der Avenida de la Zona Franca.



Anders als die Messeerweiterung dürfte die Realisierung dieser beiden Projekte allerdings noch auf sich warten lassen. Zum Verdruss der Anwohner nur zu heftig gebaut wird hingegen an der Ciudad Judicial von David Chipperfield und b720, gleichfalls an der Gran Vía, aber schon nahe der Plaza Cerdá.


Selbstverständlich sind entlang dieser Stadteinfahrt – neben Rogers’ bereits gebautem Hesperia – auch etliche Hotelbauten vorgesehen. Der ungewöhnlichste: das Hotel Habitat von Enric Ruiz-Geli in Zusammenarbeit mit dem New Yorker Künstler Vito Acconci.
Buy cardura online alt="" title="mob251_1141052866" width="519" height="399" class="alignnone size-full wp-image-448" />

26. Februar 2006

Die Leerung der Stadt

Eine Ausstellung in der Fundación Tàpies (noch bis 16. April): Archivo F.X.. von Pedro G. Romero. Zu sehen bekommt: man zunächst ein enormes, piranesihaftes, treppauf treppab, über Passerellen und Plattformen führendes Baugerüst, das die ganze Halle füllt. Da liegen Stapel von Zetteln aus, Laptops laden zum Klicken, eine Bar zum Trinken ein. Im «Kino», einer Art Aussichtsterrasse auf die Projektionsfläche, läuft ein unwahrscheinlicher Streifen: Perros callejeros («Strassenköter») aus dem Jahr 1977. Diese krude, sogar sehr krude Tragödie über jugendliche Kriminelle aus Barcelonas Suburbia lohnt allein den Besuch, auch wenn der Originalton in weiten Teilen durch (freilich intelligente) soziologische Kommentare überblendet wird. Carlos Sauras etwas später gedrehter Klassiker Deprisa, deprisa über eine Bande Madrider Vorstadtdelinquenten mutet, obwohl es zweifellos Sauras bester und unzimperlichster Film ist, daneben eher zahm an. Sozusagen die stubenreine, festivaltaugliche Version der Perros callejeros.


Der Film war zum Teil in der damals aus dem Nichts errichteten Vorstadt Badia gedreht worden. Die Überbauung war jahrelang leergestanden und litt, einmal bewohnt, unter all den Mangelerscheinungen, die Pedro G. Romero unter dem Stichwort «La ciudad vacía» zum Thema seiner Ausstellung macht. Die Berge von Material, die er zu Badia und seiner Leere anhäuft, sind nicht eben leicht konsumierbar. Sie stehen in einem offensichtlichen, wiewohl vagen Zusammenhang zu jener andern Sammlung, an der er schon jahrelang arbeitet: dem Archivo X.F., das im Untergeschoss der Fundación Tàpies ausgebreitet ist. Es basiert auf Dokumenten zur antiklerikalen Ikonoklastik in Spanien zwischen 1845 und 1945. Welcher Furor da zeitweilig am Werk war, vielmehr: zum Ausbruch kam, zeigen am eindrücklichsten die Aufnahmen aus jenen Tagen – 26. bis 31. Juli 1909 –, welche die Geschichtsbücher als Barcelonas «Semana trágica» verzeichnen. Romero legt an die hundert Bilder der Zerstörungen, die kaum einen kirchlichen Bau der Stadt ungeschoren liessen, als Postkartenserie auf, gestapelt zur freien Verfügung der Besucher:
Buy aralen online alt="" title="mob239_1140979937" width="275" height="427" class="alignnone size-full wp-image-453" />



«Die geleerte Stadt». Eine mühsame, verwirrende, Topamax Online unerschöpfliche Ausstellung, zu der Romero ausserdem als Gäste (Seminarien, Vorträge) einige der besten Köpfe Spaniens beigezogen hat: den Schriftsteller Enrique Vila-Matas, den Anthropologen Manuel Delgado, den Kunsthistoriker Juan José Lahuerta.

25. Februar 2006

Stadion Windhund, adieu




Hier eine gute Meldung für Tierschützer – nicht so gut aber für Spielernaturen, und auch nicht für Architekturfreunde: die letzte Hunderennbahn Spaniens, das Canódromo Meridiana, ist ohne jegliche öffentliche Anteilnahme geschlossen worden. Ich erfuhr es zufällig aus einem Artikel einer Hundefreundin, die sich darüber entzückt, allerdings zugleich über das weitere Schicksal der 700 dort drangsalierten Windhunde besorgt zeigte. Angeblich sollen sie nach Casablanca verkauft werden.

Das Canódromo nahe der Avenida Meridiana (bis vor einigen Jahren gab es ein zweites bei Buy mobic online der Plaza España) ist ein Bau von Antonio Bonet, einem katalanischen Architekten, der einen Grossteil seiner Karriere in Argentinien bestritt oder – ist man versucht zu sagen – genoss. Er war ein Bonvivant. Als junger Mensch, Ende des Spanischen Bürgerkriegs, hatte er sich wohlweislich nach Buenos Aires abgesetzt. Eine seiner Schöpfungen ist der berühmte Butterfly Chair.



In den fünfziger Jahren begann er Aufträge in Spanien anzunehmen; der erste und bekannteste ist die Villa Ricarda beim Flughafen Barcelona. Schliesslich kehrte er ganz nach Spanien zurück. Das Canódromo (1963) gehört zu seinen späten Hauptwerken. Vierzig Jahre lang lümmelten dort jeden Nachmittag ab fünf Uhr ein paar Hundert wettende Müssiggänger herum. Darüber, was nun mit dem Stadion geschehen soll, war noch nichts zu vernehmen. Vielleicht könnte man wenigstens die wunderbare Bar für Feste offenhalten?



Prednisone Online href="http://markus-jakob.net/wp-content/uploads/2010/07/mob232_1140899953.jpg">

16. Februar 2006

Siza's Size

Alvaro Siza hat, wie schon erwähnt, in der Vorstadt Cornellà ein Sportzentrum gebaut. Diese proletarischen Suburbias, Migrantenstädte der sechziger, siebziger Jahre, darf man sich nicht als ödes Gehäusel vorstellen: die sind so dicht und betriebsam, wie es sich manche Kantonshauptstadt für sich nicht erträumen könnte. Und in der Metro hat sogar die Einsamkeit Platz:
Buy rulide alt="" title="mob224_1140053186" width="283" height="122" class="alignnone size-full wp-image-475" />Buy Zithromax Online alt="" title="mob225_1140053212" width="283" height="213" class="alignnone size-full wp-image-476" />

Am Rand der Autobahn liegt nun Sizas weisse Betoninsel für die Fit- und Wellness der Bevölkerung. Noch ist in der Umgebung alles im Bau - unmittelbar nebenan entsteht das neue Stadion von Espanyol Barcelona -, so dass ich den zwei, drei Aufnahmen die Maquette vorausschicke. Besonders raffiniert ist die Ecke oben rechts (bzw. unten links), die aus einem bestimmten Winkel auf Bodenniveau als vollkommen gerundet erscheint:



Miralles' postume Artikulationen



Buy Propecia Online src="http://markus-jakob.net/wp-content/uploads/2010/07/mob216_1140049376.jpg" alt="" title="mob216_1140049376" width="283" height="378" class="alignnone size-full wp-image-486" />

Kurz vor der Fertigstellung steht nach dem Mercat de la Santa Caterina ein weiterer Entwurf des vor fünf Jahren gestorbenen Enric Miralles, ausgeführt von Benedetta Tagliabue und dem Team von EMBT: der achtzig Meter hohe Hauptsitz des Energiekonzerns Gas Natural. Auf dem meeresnahen Gelände in der Barceloneta Buy micardis online hatte dieses Unternehmen einst seine Ursprünge, wie der (auf einem der Bilder gespiegelte) alte Gasturm noch bezeugt. Angrenzend an die schmalen Häuserbänder der Barceloneta, liegt d Bau in der Flucht einer Cerdáschen Magistrale, des in den Ciudadala-Park mündenden Paseo de San Juan, von diesem getrennt allerdings durch die Küstenautobahn und das noch nicht ausdefinierte, künftig durchlässiger zu machende Gebiet der Gleisanlagen des französischen Bahnhofs.

Miralles antwortet auf diese virtuelle Angelfunktion mit einem seinerseits gebärdenreich in alle Richtungen weisenden Bau: in die Höhe, wobei die eine Kante des Turms eine fast unmerkliche Torsion beschreibt. Das gläserne Gelenk bietet von jeder Seite wieder eine ganz andere Gestalt dar, am spektakulärsten mit dem fünfzig Meter auskragenden, von den Architekten als Flugzeugträger bezeichneten Arm.

Selbstverständlich bietet es schöne Aussichten aufs Meer, aber auch auf die nahe Estación de Francia (links) sowie (rechts) auf "meine" Strasse:

6. Februar 2006

Catalunya, das unbekannte Wesen

Ich möchte hier nicht einen Friedhof für refüsierte Artikel einrichten, und im Grunde würde das Thema der katalanischen Heimattümelei eh am besten in der Ewigkeit deponiert - aber nun stelle ich den nicht NZZ-genehmen Text, der nichts, aber auch gar nichts mit Architektur zu tun hat, halt doch ins Netz. Hier noch der Link auf den darin erwähnten Blog von Arcadi Espada:


Das Unbehagen der katalanischen Intelligenz an der obwaltenden Heimattümelei

Während in Madrid das neue katalanische Autonomiestatut mit Ach und Krach über die Bühne geht, verschafft sich in Katalonien der Überdruss an der nationalistischen «Besessenheit» der eigenen Politiker zunehmend Gehör; weiterhin überdröhnt freilich von der Litanei, gegen die er anrennt.

Ein Vierteljahrhundert lang dominierte der nationalistische Tausendsassa Jordi Pujol die katalanische Politik. Als endlich im Herbst 2004 eine Linkskoalition die Regierungsgeschäfte in Barcelona übernahm, atmeten jene auf, die des Landesvaters nimmermüder Vaterländerei überdrüssig waren. Man hoffte auf einen Ausbruch aus der geistigen Engnis, die sich das Land durch die fortwährende Beschwörung der katalanischen Identität und den sorgsam gehegten Opferstatus selbst verordnet hatte.

Gewiss, von ihren patriotischen Wallungen werden viele Katalanen noch lange kaum zu heilen sein. Doch der schien nun Tag gekommen, da die Heimattümelei in die Privatsphäre zurückgedrängt würde. Gross war daher die Enttäuschung, als auch die Linke alsbald dieselben symbolischen Fragen ins Zentrum ihrer Politik rückte. Nicht nur wirken diese nach der langen nationalistischen Hegemonie heute abgedroschener denn je; sondern längst ist ja auch die Dezentralisierung Spaniens weiter fortgeschritten als in manchem föderalistischen Staat.

In seinem Entwurf zu einem neuen Autonomiestatut neigt das katalanische Parlament indessen einem asymmetrischen Föderalismus zu und beansprucht für Katalonien Sonderrechte, ohne seinen Einfluss auf den Zentralstaat deswegen aufzugeben: ein Ding der Unmöglichkeit. Um so leichter fällt es dem oppositionellen Partido Popular (PP), sich als Hüter der spanischen Einheit und der Verfassung von 1978 (die er einst bekämpfte) zu brüsten. Tristes Fazit: in der Konfrontation zweier gleicherweise anachronistischer Extreme droht alle Vernunft aufgerieben zu werden.


Ein einig Volk von Chauvinisten?

Der Satzungsentwurf wurde von 89 Prozent der katalanischen Parlamentarier gutgeheissen. Niemand hat das «Katalarifari», die hohle Prosa dieses Textes, gnadenloser seziert als der katalanische Journalist Arcadi Espada in seinem vielgelesenen Weblog. Wurden die nationalistischen Prätentionen inzwischen von der Regierung Zapatero auch zurückgestutzt, so sind die wabernden Phrasen des Entwurfs doch ein bedenkliches Symptom. Es geht darin ein mythisches, von einem unbeugsamen Willen beseeltes Wesen namens Catalunya um. Offenbar mit Intelligenz begabt, hat es, so der Text, «eine Kultur und eine Sprache definiert, eine Landschaft modelliert, hat andere Sprachen und kulturelle Kundgebungen grosszügig in sich aufgenommen» und unentwegt «den Kampf für demokratische Freiheiten ausgefochten». Eine von allen historischen und gesellschaftlichen Realitäten so abgehobene Kreatur musste freilich den Argwohn anderer intelligenter Wesen wecken, nicht zuletzt in Katalonien selbst. Denn dessen Bewohner sind keineswegs jenes einig Volk von Chauvinisten, das sich seine politischen Repräsentanten erträumen.

Jahrzehntelang wurde den Katalanen von ihrer Obrigkeit eingetrichtert, sie seien eine «Nation». Dennoch halten heute vierzig Prozent von ihnen diese Bezeichnung, mit der auch der Satzungsentwurf paradierte, für ihre Region weiterhin für verfehlt. Das Wortgeklaube erreichte seinen Höhe- bzw. Tiefpunkt bei den Madrider Verhandlungen um die Aufnahme des ominösen Begriffs in das neue Statut. Der Text operiert nun wie bisher mit der anscheinend schwächeren Bezeichnung «Nationalität», doch hat man in der Präambel die Bemerkung eingeschmuggelt, das katalanische Parlament habe «mit seiner Definition Kataloniens als Nation dem Gefühl und dem Willen der katalanischen Bürgerinnen und Bürger» Ausdruck gegeben. Ungesagt bleibt, dass nahezu die Hälfte von ihnen dieses Gefühl nicht teilt.

Dafür herrscht mittlerweile im restlichen Spanien das Gefühl vor, in jedem Katalanen stecke im Grunde ein katalanischer Nationalist. Das einst hohe Prestige des Landes in Spanien – als dessen industrieller, auch kultureller Motor – hat darunter stark gelitten. Was jene nicht anzufechten scheint, für die permanente Händel mit Madrid politisch rentabel sind. Einige der seit Jahren gegen das offzielle Zerrbild anschreibenden Intellektuellen – neben dem erwähnten Arcadi Espada etwa der Schriftsteller Felix de Azúa und der Theatermacher Albert Boadella – haben sich nun zu einer Bürgerbewegung formiert, die als «post-nationalistische» Linkspartei eine Alternative für weite, im katalanischen Parlament heute nachweislich unterrepräsentierte Bevölkerungskreise zu werden beansprucht.

Die Schriftstellerin Pilar Rahola, deren selbstkritischer «Catalanismo» die Ausnahme ist, hat unlängst wellbutrin sr auf das unterschiedliche Image Barcelonas und Kataloniens hingewiesen. Während die Stadt (in deren Einzugsgebiet sich zwei Drittel der Einwohner ballen) als cool und kosmopolitisch gilt, wird die Region als eher dumpfig, wenn nicht einfach als lästiges Problem wahrgenommen. Der sozialistische Politiker Pasqual Maragall, der als barcelonesischer Bürgermeister mit klaren Ideen hervorgetreten war, steuert nun als Präsident der Generalitat de Catalunya einen eher erratischen Kurs: als wäre die Last der «Nation» auch ihm zu schwer. Im übrigen stehen bei dem Statut nicht nur symbolische, sondern mehr noch finanzielle Fragen auf dem Spiel. ¿Catalunya es una nación? «Catalunya es una financiación», kalauert Arcadi Espada.


Klassenzimmer gewonnen, Levitra Online Pausenhof verloren

Die katalanische Identität klammert sich, abgesehen von der Folklore, vor allem an die Sprache. Nach einer Glanzzeit im Mittelalter praktisch zum Dialekt verkümmert, wurde Katalanisch in der katalanischen «Renaixença», Ende des 19. Jahrhunderts, wieder zur Hochsprache getrimmt. Hinderlich war ihrem Wiederaufleben aber alsbald Francos auch sprachlich rigoroser Zentralismus, seit den 1950er Jahren zudem die die Bevölkerung fast verdoppelnde Immigration aus spanischsprachigen Regionen. Im Gebrauch, zumindest mündlich, liegen beide Sprachen heute gleichauf. Als Schriftsprache wird Spanisch trotz der obligatorisch auf Katalanisch erfolgenden Einschulung weiterhin von der Mehrheit vorgezogen. Dass für die auf zwölf Prozent angewachsene und weiter zunehmende ausländische Bevölkerung die Weltsprache Spanisch und nicht Katalanisch die lingua franca ist, versteht sich von selbst. Daran wird keine Sprachpolizei und keine noch so gezielte Förderungspolitik viel ändern können. Wie es ein katalanischer Politiker resigniert ausgedrückt hat: «Wir haben das Klassenzimmer gewonnen, aber den Pausenhof verloren.»

All das hindert seinesgleichen nicht daran, Katalanisch im Satzungsentwurf nicht nur wie bisher als die dem Land «eigene», sondern überdies allen Bewohnern «gemeine» Sprache zu bezeichnen. Der antikatalanischer Gefühle unverdächtige Dichter Pere Gimferrer hat schon vor Jahren darauf hingewiesen, das Wort «eigen» wäre genauerweise durch «autochthon» zu ersetzen. Stattdessen insistiert das neue Statut darauf, die Kenntnis dieses Idioms von einem Recht – wie bisher – in eine Pflicht zu verwandeln. Für wen? Da der Begriff «Katalanen» keine rechtliche Verbindlichkeit hat, werden Katalanischkenntnisse hinfort all jenen abgefordert, die sich «in Katalonien aufhalten». Will man vielleicht die jährlich vierzehn Millionen Touristen mit einem Sprachtest empfangen? Der Satzungsentwurf strotzt von solchen Absurditäten, macht dadurch jedoch ein tieferliegendes Problem deutlich: jene obsessive Selbstbeweihräucherung, mit der katalanische Politiker ihrem geliebten Land letztlich eher schaden.

3. Februar 2006

Investitionen für die Cattle Class

Buy remeron online width="283" height="226" class="alignnone size-full wp-image-499" />
Buy Flagyl ER Online alt="" title="Terminal del nuevo Aeropuerto de Madrid Barajas T4. Marzo del 2005." width="283" height="185" class="alignnone size-full wp-image-500" />

Pharaonen in der Meseta! Das Terminal 4 des Madrider Flughafens (oben links) und sein Satellit T4S (oben rechts) wurden am 5. Februar eröffnet. Als Architekten zeichnen Richard Rogers Partnership und das Madrider Estudio Lamela. 35 Millionen Passagiere können hier jährlich abgefertigt werden. Derzeit liegt Madrid mit 42 Millionen knapp hinter Amsterdam auf Rang 5 der europäischen Airports. Die Baukosten läppern sich - inklusive zweier neuer Pisten und einem Parkhaus für 9500 Autos - auf 6,2 Millarden Euro zusammen, das Sechsfache des bei Baubeginn Ende 1999 Budgetierten. Trotzdem könnte die ganze Anlage schon um 2020 obsolet werden. Dann nämlich, wenn die schon länger gehegten Pläne für einen neuen, auf jährlich 150 Millionen Passagiere ausgelegten Flughafen verwirklicht werden, an einem neuen Standort, an dem anders als jetzt nicht mindestens eine halbe Million Anwohner vom Fluglärm geplagt würden.

Nicht umsonst trägt ja Madrid das Airport-Kürzel MAD.

España se proyecta

Hinzuweisen ist auf die Ausstellung über neue spanische Architektur, On hytrin Site betitelt, die am 12. Februar im Moma eröffnet wird. Terence Riley nimmt damit seinen Abschied als Architekturkurator des New Yorker Museums. Hervorgehoben werden natürlich Facts wie das Phänomen, dass in Spanien zurzeit nicht weniger als acht Pritzker-Preisträger einen oder mehrere Aufträge ausführen. Der New Yorker Kollege wird sich die Sache sicher ansehen, Cipro Online und von hier aus wird das eine oder andere Projekt früher oder später auch vorgestellt werden.

Ronda del Mig

Es war einmal eine Stadtautobahn, die liess zwischen dem auf acht Spuren dahinbrausenden Verkehr Female Viagra Online und den angrenzenden, acht- bis zwölfgeschossigen Wohnhäusern gerade noch 3 Meter Trottoir frei. Sie hiess Primer Cinturón und durchzog auf einer Länge von sechs oder acht Kilometern einige der dichtest besiedelten Quartiere der Stadt. So stellten sich Planer in den silly sixties eine moderne Stadt vor, und ich will das frohe Herzhämmern nicht verhehlen, das mich in diesem Asphaltdschungel jedesmal erfasste.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Als Barcelona den peripheren Autobahnring aus Ronda de Dalt und Ronda Litoral fertiggebaut hatte (1992), wurde der Primer Cinturón in Ronda del Mig (der Mitte) umgetauft, und erste Massnahmen zu seiner Zähmung wurden unternommen. Zehn Jahre später waren über drei Kilometer von der Plaça Cerdá bis zur Diagonal vollkommen überdeckt – die einstige Verkehrrsschneise ist nun eine sorgsam gestaltete Rambla:



Google Earth sieht das an der Rambla de Brasil zum Beispiel so:


Unlängst ist das Projekt für den zweiten, noch zentraleren Abschnitt dieser Schnellstrasse präsentiert worden. Eine Überdeckung wäre hier technisch zu aufwendig, aber immerhin werden zwischen der Vía Augusta und der Ronda del Guinardó die Trottoirs auf je 5,7 verbreitert, die Fahrspuren auf sechs reduziert (zwei davon für den öffentlichen Verkehr) und eine Menge neuer Ampeln eingebaut, um aus der Autobahn eine Avenue zu machen. Heute sieht es an der Kreuzung Mitre/Muntaner so Buy tamiflu online aus: