Markus Jakob

31. Mai 2006

Hombres eléctricos



Ich kann es nicht mehr anhören, das ewige Gejammer, dieses Viertel sei zugrundegerichtet worden: zugrunde gentrifiziert und – in noch schrecklicherem Ausmass – zuschanden kommerzialisiert. Die Rede ist von dem Altstadtquartier, in dem ich seit zwanzig Jahren lebe. Früher hiess es La Ribera, jetzt wird es – pars pro toto – gemeinhin El Born genannt. Dies nach der gleichnamigen kleinen Promenade, einst Schauplatz mittelalterlicher Turniere, und dem Mercado del Born, einer ebenso grandiosen wie eleganten Eisenstruktur von 1876, die bis 1972 als Zentralmarkt der Stadt diente und seither leer steht.

Daraus scheint mir zweierlei hervorzugehen: Dieses Viertel hat eine klare Bestimmung zu Spiel und Unterhaltung einerseits, zum Handel und zu von Waren überquellenden Regalen andererseits. Was gibt es also daran zu meckern, dass es zu dieser seiner, nach der Räumung und Verlegung des Zentralmarkts weitgehend verlorenen Bestimmung nun in neuer Buy tamiflu online Form, unter andern Vorzeichen zurückgefunden hat? Reihenweise sorgfältig gestaltete Boutiquen, eine erstaunliche Menge neuer Feinkostgeschäfte, zahlreiche teils sehr empfehlenswerte Restaurants und – wer wollte es bestreiten – auch einige abscheuliche Touristenfallen sind in die Erdgeschosse fast aller Gassen eingezogen; was selbstverständlich mit einer skandlösen Preistreiberei und Wertsteigerung einherging, die jetzt allerdings zum Stillstand gekommen ist.

Und was ging verloren? Ein paar Handwerksbetriebe, die ohnehin geschlossen hätten, ein paar schmuddlige Bars, auch ein charmanter Strickwarenladen und ein herrlich staubiges Glasgeschäft sowie eine Menge schlecht genutzer Geschäftsräume. Viele der grossartigen alteingesesssenen Fachgeschäfte haben sich hingegen gehalten und sind durch das Aufblühen der Umgebung selbst wieder neu erblüht. Darüber ein andermal mehr.

Heute sei nur ein nie genug zu rühmender Meister seines Fachs vorgestellt, der am Carrer Argenteria seit Jahrzehnten ein winziges, keine zehn Quadratmeter messendes Female Viagra Online Geschäft für Elektrozubehör führt und aus dem unbeschreiblichen Chaos überall sich stapelnder Schachteln und Schächtelchen, zwischen blinkenden Funzeln, enigmatischen Drahtspulen und Modulen, aus unvermuteten Schubladen und scheinbar der Entsorgung geweihten Kartons, unfehlbar jedes noch so seltene Glühlämpchen, Steckerchen, Schalterchen, Batteriechen binnen Sekunden hervorzaubert, und selbstverständlich ist es stets das einzig richtige, taugliche Teil, dessen korrekte Anwendung er dem Kunden hierauf mit liebenswürdiger Beredsamkeit erläutert, nicht ohne vor möglichen, immer wieder beobachteten Fehlhandhabungen zu warnen. Schliesslich noch ein bisschen Rabatt zu gewähren und alles in allem den Bewohnern des Quartiers die keineswegs selbstverständliche Gewissheit zu geben, was immer sie zur Elektrifizierung ihres Haushalts benötigen, hier jederzeit aus wiewohl staubiger, so doch lauterster Quelle und mit der Gewähr fachmännischer Beratung erstehen zu können.

Trotzdem habe ich gestern in einer Bar wieder mit anhören müssen, wie irgendein Schafskopf einer frisch zugewanderten Finnin erklärte, dieses einst so wunderbare, von Leben strotzende Barrio habe seinen Charakter vollkommen eingebüsst und sei heute so gut wie unbewohnbar.






Einen andern Elektromeister im Barrio, nicht ganz so tüchtig zwar, entdeckte ich neulich noch spät abends hinter seinen Geschäftsbüchern.

30. Mai 2006

Bofill und sein missliebiges Segel im Hafen



Die Silhouette des alten Hafens, des Port Vell, ist ein delikates Ding. Einst bestand sie lediglich aus der schlanken Kolumbussäule und den filigranen Stahltürmen der das Hafenbecken überquerenden Drahtseilbahn – und den beweglichen Umrissen der Schiffe. Welch ein Schauspiel jede Nacht, noch heute, wenn die nach den Inseln ablegenden Ferries mit Buy elavil grossem Getute ihre ungeheuren Massen manövrieren.

Dann kam auf dem Muelle de Barcelona das World Trade Center von Pei Cobb Freed & Partners hinzu: ein Bau, bei dem man schon vor der Einschiffung seekrank werden könnte, der aber die Skyline nicht wesentlich beeinträchtigt.



Vor einigen Jahren wurde der kilometerlange Hafendamm – el Rompeolas – durchbrochen, um eine neue, kürzere Einfahrt für die Yachten zu schaffen, die im Port Vell mittlerweile fast unter sich sind. Ein Sakrileg eigentlich, das schmale, von Betonquadern geschützte Betonband ins Meer hinaus so zu zerteilen. Dafür verbindet nun eine elegante Klappbrücke von Juan José Arenas das Festland mit dem Rompeolas.



An den Molen in der Umgebung der neuen Brücke legen heute die Kreuzfahrtschiffe an, und dies einstweilen fast so regelmässig wie die Balearen-Ferries: dieses Jahr werden voraussichtlich 1,4 Millionen Passagiere auf Cruising-Tour die Stadt besuchen. Europarekord natürlich.

Der noch mit dem Festland verbundene Teil des Rompeolas, am Ende der Barceloneta, wurde einstweilen durch Aufschüttungen vergrössert. Seit 1999 nervt der Architekt Ricardo Bofilll die Planungsbehörden der Stadt mit einem Projekt für dieses Neuland. Es handelt sich um ein segelförmiges Hotel, das mit seinen ursprünglich vorgesehenen 160 Metern Höhe die Buy Prednisone Online Hafensilhouette schlicht erschlagen hätte. Nicht umsonst erinnert der Entwurf ein wenig an das berühmte Hotel Burj al Arab in Dubai, das mit seinen 321 Metern aber immerhin nur eine Wüste zuschanden gerichtet hat.

Die Zeitungen berichten heute, dass Bofills so ungemein originelle architektonische Metapher nach siebenjährigem Seilziehen mit den Stadtplanern nun im Bau ist; allerdings auf praktisch die Hälfte, nämlich noch 88 Meter Höhe, reduziert. Links ein vermutlich etwas älteres Modell (im Vordergrund die Barceloneta), rechts der letztlich gutgeheissene Entwurf.

28. Mai 2006

Muji, Barcelonas neuer Hirt

Endlich muss man, wenn man nach London, Paris oder Tokyo fährt, auf der Rückreise seinen Koffer nicht mehr mit all dem Muji-Kram vollstopfen. Gar mancher Überzeugung hat man schon abschwören müssen, aber dass Muji vom Muji-Player über die Badebürste bis zur Pillendose nur die tadellosesten Waren anbietet, an diesem Glauben hält man fest. (Branding meint ja ursprünglich das Brandmal, mit dem man das Vieh auf Lebenszeit kennzeichnet. Im Fall von Muji, das sich als No-Brand Buy cardura online versteht, wird das Brenneisen direkt dem Kunden appliziert.)

Seit einigen Wochen kann man all die Herrlichkeiten endlich auch in Barcelona Viagra Super Active+ Online kaufen, an der Rambla Catalunya 81.

26. Mai 2006

Verdunkelung

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Der Brand eines Pottaschelagers im Hafen verdunkelte mit seinen Rauchwolken gestern während einiger Stunden den Himmel über Barcelona. Die Feuerpolizei detektierte keine Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung. Einige Passanten klagten indessen über einen bitteren Mundgeschmack und räusperten sich, als sei ihnen etwas in den falschen Hals geraten. Aber das tun manche ohnehin immer.

25. Mai 2006

Joan Colom – Bilder aus dem Barrio Chino



Er schoss seine Bilder aus der Hüfte: zweifellos die angemessene Höhe für seine Sujets, die Izas, rabizas y colipoterras (ungefähr: Nutten, Flittchen und Freudenmädchen), Buy Cialis Professional Online wie der wohlklingende Titel eines leider vergriffenen Buches des Nobelpreisträgers Camilo Buy mobic online José Cela lautet, das eben mit diesen Bildern von Joan Colom illustriert wurde. Der barcelonesische Photograph wird zur Zeit in der Pariser Fondation Henri Cartier-Bresson mit einer Ausstellung geehrt (ab September im Folkwang-Museum in Essen): Les gens du Raval. Die 85 Photographien entstanden zwischen 1958 und 1961, als der Stadtteil Raval gemeinhin noch Barrio Chino genannt wurde: nachgerade ein Synonym für Sünde. Demnächst hier mehr über die Entwicklung, die dieses Viertel genommen hat.

24. Mai 2006

Weitere Räubergeschichten

Grosser Aufruhr, dieser Tage, in den ländlichen Bezirken (comarcas) der Provinzen Barcelona und Tarragona. In jüngster Zeit haben sich dort die Einbrüche in Einfamilien- und Reihenhäuser alarmierend gehäuft. Angeblich sind organisierte Banden, angeführt von Ex-Polizisten aus Osteuropa, am Werk. Einige der Einbrüche verliefen für die Bewohner ziemlich brutal, was die Empörung zusätzlich geschürt hat.

In den neuen Siedlungsteppichen und unansehnlichen Dorffranseln, Ergebnis des mittelständischen Drangs ins Grüne, waren offenbar die örtlichen Polizeikorps nicht entsprechend aufgestockt worden. Die Guardia Civil hat nun einige hundert zusätzliche Beamte in die am ärgsten betroffenen Dörfer entsandt. Manche der landlustigen, aber verängstigten Bewohner sind jedoch durchaus auch bereit, Buy Diflucan Online das Faustrecht geltend zu machen oder zumindest klassische Selbstverteidigungsmassnahmen zu ergreifen, wie diese Bilder aus der heutigen Ausgabe von «La Vanguardia» zeigen. Ach, ist man versucht zu sagen, wie leicht und sorglos lebt sich's in der Stadt.

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23. Mai 2006

Tragikomödie an den Ramblas. Ein Jubiläum



Nacherzählt nach einem Bericht in «La Vanguardia»

Heute vor 25 Jahren erlebte Barcelona den spektakulärsten und närrischsten Bankraub seiner Geschichte. Genau drei Monate zuvor hatte in Madrid ein Putschversuch die junge spanische Demokratie erschüttert. Als nun am 23. Mai 1981 um neun Uhr vormittags eine bewaffnete Gruppe den Sitz des Banco Central an der Ecke Ramblas/Plaza Cataluña überfiel, dabei über 300 Geiseln nahm und die Polizei mit Schüssen empfing, verfiel die Stadt und verfiel im Lauf des Tages die halbe Welt einer kollektiven Psychose. Bei der Räuberbande handle es sich, so ging das Gerücht, in Wirklichkeit um ein aufständisches Kommando der Guardia Civil. Das Chaos, das in der Bank und um diese herum herrschte, übertrug sich auf die Einsatzleiter und erfasste schliesslich die höchsten Instanzen der Madrider Regierung. Alsbald erhielt der spanische König Anrufe von François Mitterrand und Ronald Reagan, die ihm ihre Unterstützung gegen die vermeintlichen Putschisten zusagten. In den Strassen hiess es, die VI. Flotte nehme Kurs auf Barcelona.

Die Konfusion hielt 37 Stunden an. 1400 Polizeibeamte, mehrere Militärhelikopter, 30 Ambulanzfahrzeuge waren im Einsatz. 24 Stunden nach Beginn der Geiselnahme bezog ein Tank der Polizei vor der Bank Stellung und forderte die dort Verschanzten auf, sich zu ergeben. Sie antworteten mit Hohnrufen, setzten den Kampfwagen mit einigen Schüssen ausser Gefecht und liessen immerhin zu, dass Buy Viagra Online er in einer Feuerpause Buy micardis online wieder abgeschleppt werden konnte. Obwohl die Wunschpalette der Geiselnehmer – sie verlangten unter anderem nach Heroin, Wein, Fernsehgeräten und einem Fluchtflugzeug – nicht unbedingt auf eine Gruppe von rechtsextremen Vaterlandsrettern schliessen liess, hielt sich die Verschwörungstheorie, bis es einem Mitglied des Sonderkommandos GEO gelang, einen der vermummten Banditen mit einem Kopfschuss niederzustrecken. Diesen Moment nützten die 300 Geiseln, um das Weite zu suchen; im Schusswechsel der Polizei mit den Bankräubern wurde ein Mann verletzt, ein anderer erlitt einen Herzinfarkt. Der Innenminister stellte anschliessend klar, bei den neun Verhafteten handle es sich um kommune «Anarchisten, Ganoven und Luden».

Durmibus

Unter Leitung der Architektin Beth Galí haben Studenten der Universidad Politécnica ein fahrbares Hotel ersonnen und einen in einem städtischen Bus montierten Prototyp davon präsentiert. Der Durmibus erinnert an japanische Kapselhotels. Seine Verwendungsmöglichkeiten sind laut den Entwerfern fast unbeschränkt. Ursprünglich für Obdachlose geplant, könnte er auch Rucksacktouristen aufnehmen (z.B. als Alternative zum Nächtigen auf Flughäfen), er könnte nachtaktiven Menschen bei Musikfestivals usw. als Ruhestätte dienen oder sogar in Notsituationen (Evakuierungen z.B.) zum Einsatz kommen. – Noch ein Grund, das Auto zu Hause zu lassen.

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Tráfico 2 – Es lebt der Fussgänger

Die sogenannte «grüne Zone» (vgl. Tráfico 1, 2005-10-02) umfasst mittlerweile die ganze Stadt bis zum ersten Schnellstrassenring (Ronda del Mig). Das dadurch für Nicht-Anwohner verunmöglichte oder erschwerte (und kostspielige) Parken veranlasst nach Angaben der Stadtverwaltung jetzt täglich bis zu 80 000 Automobilisten, ihr Fahrzeug zu Hause zu lassen und andere Transportmittel zu wählen.

Einige Zahlen zum Parkverhalten nennt heute die Zeitung «La Vanguardia». Wer keinen eigenen Parkplatz hat, gibt in Barcelona im Monat durchschnittlich 35 Euro für Parkgebühren aus, deutlich mehr als in andern spanischen Städten. Satte 46 Prozent sind allerdings der Ansicht, diese Ausgaben seien keinesfalls gerechtfertigt. Sie meinen, Parken müsste eigentlich gratis sein.

Tröstlich ist hingegen, dass in Barcelona lediglich 37 Cialis Online Prozent das Auto für den Arbeitsweg benützen, und sogar nur 24 Prozent fürs Einkaufen. Für Madrid lauten die entsprechenden Zahlen 55 bzw. 50 Prozent. Mit andern Worten: die Shopping-Mall-Seuche hat das vergnügte Einkaufen im Quartier und in den Buy remeron online 42 städtischen Märkten hier noch nicht zu verdrängen vermocht.

22. Mai 2006

Zaha Hadid: The Spiralling Tower

Zaha Hadid hat in Spanien zurzeit nicht weniger als acht Projekte in Arbeit, von grossen urbanistischen Plänen für Bilbao über eine Pavillon-Brücke über den Ebro in Zaragoza bis zu einer Universitätsbibliothek in Sevilla. Einer der ältesten dieser Entwürfe, die Plaza de las Artes in Barcelona – gegenüber dem Auditorium von Rafael Moneo – kommt allerdings mangels Investoren nicht vom Fleck. Das Programm sieht ein weiteres Multiplexkino vor, und der Bedarf danach ist zweifelhaft. In Barcelona und Umgebung gibt es mittlerweile an die vierzig solcher Kinozentren mit mindestens sechs, zwölf, Nexium Online teils bis zu achtzehn Sälen.

Hingegen scheint die Finanzierung für ein zweites barcelonesisches Projekt der angloiranischen Architektin gesichert. Am meerseitigen Ende der Diagonale, in unmittelbarer Nachbarschaft des Edificio Forum von Herzog & de Meuron, soll der Spiralling Tower entstehen, ein 48 Meter hohes Gebäude für den Campus Universitario del Besòs. Wie geschaffen, um sich auf einer der Terrassen die Meeresbrise um die Schläfen streichen zu lassen:



Man vergleiche im übrigen die Pagode von Fisac im Posting hytrin vom 14. Mai.

Im Variétédistrikt



Ich hatte eigens das Plakat photographiert, um dieses sicherlich sonderbare Spektakel in Barcelonas grösstem Theatersaal nicht zu verpassen. Aber gerade zu dieser Stunde ist es im Gang und mir fällt Amoxil Online bloss nachträglich auf, dass sie auf dem Plakat die Avenida Paralelo, den PARALLEL, Barcelonas alten Variétédistrikt und, was das dort sich herumtreibende seltsame Volk betrifft, immer noch auch sein Broadway, PRALIL nennen.

Die zwielichtigen Lokale Buy tamiflu online dort, demnächst wohl auch das Victoria, werden jetzt nach und nach durch Altersheime ersetzt. Es sei denn, Bollywood bringt die Rettung.

20. Mai 2006

GATCPAC – Barcelonas kurze Blüte der frühen Moderne

Sehenswerte Ausstellung, unter dem Titel «G.A.T.C.P.A.C. 1928-1939. Eine neue Architektur für eine neue Stadt», im Museum für Stadtgeschichte. Der Grup d’Arquitectes i Tècnics Catalans pel Progrés de l’Arquitectura Contemporània war 1928 als Teil des gesamtspanischen G.A.T.E.P.A.C. gegründet worden. Unter der Führung junger Architekten wie Sert, Torres Clavé, Subirana und Fàbregues führte die äusserst aktive Gruppe – ihre Zeitschrift AC (Actividad Contemporánea) brachte es auf 25 Nummern – die Moderne zielstrebig in Spanien ein. Auf Studienreisen hatten sie die Bauten Le Corbusiers kennengelernt, aber auch die Entwicklung des Wohnungsbaus in der Weimarar Republik sowie die sowjetischen Experimente jener Epoche. Diese Erfahrungen wurden durch das Erlebnis der traditionellen mediterranen, im Fall Serts namentlich der ibizenkischen Architektur gefiltert.

Die Ausstellung zeigt, wie die Gruppe durch die Ausrufung der Republik 1931 an Einfluss gewann und sich unter der Linksregierung mit grossen städtebaulichen Projekten zu befassen begann. Vom berühmten Plan Macià (1934) für Barcelona, an dem Le Corbusier beteiligt war, ist das grosse Diorama mit den drei vor die teils demolierte Altstadt gesetzten Monumentalbauten zu sehen.




Auf einer Skizze Le Corbusiers (oben) ist zu erkennen, dass die Gruppe zugleich den wunderbaren Pinienhain am Strand von Castelldefels, 20 Kilometer südwestlich von Barcelona, als idealen Standort für eine Ferienstadt (Ciutat del Repòs) erkannt hatte, jenseits des damals schon im Llobregat-Delta eröffneten Flughafens. Dieses Ferienparadies für die Arbeiterklasse, das Castelldefels dann in den sechziger Jahren tatsächlich wurde, wiewohl nicht nach den Vorstellungen des G.A.T.C.P.A.C., ist inzwischen zunehmend zur «Goldküste» mutiert, an der etwa die Fussballstars des FC Barcelona mit Vorliebe Wohnsitz nehmen. Messi – vgl. den vorherigen Eintrag – meinte wohl eine Villa dort, und die sähe zweifellos nicht so aus wie die Vivienda mínima, welche die G.A.T.C.P.A.C.-Architekten damals für ihre Erholungsstadt entwarfen.



Der Ausbruch des Bürgerkriegs 1936 verhinderte die Realisierung zahlreicher Projekte, die in der bis am 8. Oktober dauernden Ausstellung gleichfalls dokumentiert werden (freilich mit relativ wenig Originaldokumenten). Als bemerkenswertestes Wohnenesemble jener brutal endenden Aufbruchsphase bleibt heute im Viertel Sant Andreu die Casa Bloc von Sert:

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Messi und der Immobilienboom

Postskriptum zum Champions-League-Final

Lionel Messi, der das Pariser Endspiel wegen seiner langwierigen Verletzung von der Tribüne aus verfolgen musste, gab sich auf dem Rückflug als wahrhaft gut assimilierter Einwanderer zu erkennen (er kam ja auch schon als 13-jähriger Knirps aus Argentinien nach Barcelona). In der Boeing 747 soll der notorisch schüchterne 18-Jährige das Mikrophon ergriffen und folgende Ansprache an den (noch nicht zugestiegenen) Vereinspräsidenten Laporta gehalten haben: Doxycycline Online «Präsi, steigen Sie ein, wir müssen das mit den Prämien besprechen. Bittesehr, wir warten auf Sie. Wir haben es satt mit Uhren und noch mehr Uhren. Ich meine es ernst, Präsi. Wir wollen jeder von uns mindestens eine Wohnung. Das Buy cardura online ist die Prämie, für die wir auf dem Spielfeld gerackert haben. Die Captains werden das mit Ihnen aushandeln. Ich wiederhole: Keine Uhren mehr! Eine Wohnung für jeden Spieler!»

Allgemeines Gelächter. Aber als Symptom des spanischen Wohnungs- bzw Eigentumswahns doch auch ein wenig widerlich.

Heute weiter in den Zeitungen zu dem Thema: Barças Champions-League-Titel soll der Stadt weltweit Gratispublizität im Wert von 975 Millionen Euro eingebracht haben. Eine etwas gewagte Rechnung, da sie offenbar Fussball-Übertragungszeiten direkt in Werbezeit umwandelt. Immerhin: der Tourismus ist von Januar bis März erneut um 18 Prozent gewachsen: Europarekord – und eine grauenerregende Aussicht für jenen Teil der ansässigen Bevölkerung, die sich damit nicht die Taschen füllt.

Nach den schweren Ausschreitungen in der Nacht der Nächte – Plünderungen, Brandschautzungen, 55 Verhaftungen, über hundert Verletzte – ist Bürgermeister Clos der Ansicht, in Zukunft sollte das Stadtzentrum nach solchen Siegen vielleicht besser gesperrt werden.

Heute abend geht die Fussballsaison mit dem Spiel Athletic Bilbao-Barça zu Ende. Jedenfalls für wirkliche Fussballfreunde, die sich das wüste Gekicke und vaterländische Geblök an der WM lieber ersparen.

Hasta la próxima Liga!

19. Mai 2006

Barça – It’s Done

Es ist vollbracht. Die Helden von Saint-Denis paradierten gestern auf dem rollenden Sambodrom vom Hafen ins Camp Nou. Heute kam die schlechte Meldung: laut The Sun ist Henry entschlossen, bei Arsenal zu bleiben. Die culés hatten seit Monaten damit gerechnet, er werde nächste Saison bei Barça spielen. Ausserdem wurde bekannt, dass FIFA-Boss Blatter den norwegischen Schiedsrichter wegen seiner Nichtanerkennung des Tores von Giuly in der 18. Minute kritisiert hat. Hauge selbst hat sich gestern wegen dieses Fehlentscheids Asche aufs Haupt gestreut.

Hier noch die persönliche Note. Eine Stunde nach dem Endspiel – überallhin, nur nicht zu den Krawallos an Canaletas, hiess die Devise – kam mir Manolo aus einer Bar entgegen: der Jefe de la Estación de Francia, von dem schon in einem Eintrag vom 18.12.05 die Rede war. Und dann – ich weiss nicht, wie mir geschah, was in mich fuhr – fiel ich diesem Schrank von einem Menschen um den Hals. Sprang ihn buchstäblich an und klammerte mich wie ein Affe an den kolossalen Brustkasten unseres train chief. Er aber brummte bloss: «Lass gut sein. Ich bin ein Arsenal-Fan.»

Danke den compadres in Bern, die den Barça-Triumph dem unlängst im hohen Alter von 14 Jahren verblichenen Tío Pepe gewidmet haben. Hier das letzte Portrait des Haudegens, der seine Krallen an so manchem Besucher gewetzt hat:

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14. Mai 2006

Miguel Fisac (1913-2006), Kultarchitekt

Nach längerer Pause, bedingt durch ein unfreiwilliges Offline-Dasein, melde ich mich zurück, bitte um Nachsicht und fange mit einem Nachruf an. Miguel Fisac, einer der souveränsten spanischen Architekten des 20. Jahrhunderts, ist am 12. Mai in Madrid gestorben. Näheres zu Fisac in diesem 1997 in der NZZ erschienenen Buy mobic online Artikel (.pdf).

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Fisacs Ruhm erreichte seinen Höhepunkt 1999 durch den barbarischen Abriss eines seiner besten Bauten. Die «Pagode» – Teil eines Ensembles für ein Chemiewerk – fiel jedem Reisenden auf dem Weg vom Flughafen Barajas ins Madrider Stadtzentrum auf: ein Piktogramm der sechziger Jahre, gebautes Zeichen des spanischen Aufbruchs jener Zeit, der sich Extravaganzen nicht nur leisten konnte, sondern ihrer dringend bedurfte. Dass die Madrider Behörden nicht imstande waren, dieses Kleinod vor der Unersättlichkeit der Baulöwen zu retten, ist leider symptomatisch für ihre derbe, ranzige und korrupte Planungspolitik.

Der damals 86-jährige Fisac war über den Verlust natürlich tief betroffen. Ein anderes, enormeres Beispiel für die gnadenlose Banalität der Madrider Stadtentwicklung sollte sich in den folgenden Jahren direkt vor seinen Augen abspielen. Der Architekt hatte 1956 sein feinknochiges eigenes Haus auf dem Cerro del Aire, einem Hügel im seinerzeit noch weitgehend unversehrten Norden der Stadt, gebaut. Heute blickt man von dort auf eine Sanchinarro genannte Monsterüberbauung, zwischen Autobahntentakeln und Einkaufszentren, an der das ganze Elend der spekulativen Bauwut in der Madrider Peripherie deutlich wird.

Zwischen 1955 (das Dominikanerkloster San Pedro Mártir) und 1974 (Editorial Dólar) waren in derselben Umgebung eine ganze Reihe von Fisac-Bauten entstanden: der «Lufthügel» war eigentliches Fisac-Land, und es mit dem so eleganten wie liebenswürdigen Caballero zu durchstreifen, ein herrliches Vergnügen.




Mitte der fünfziger Jahre erfolgte sein Bruch mit dem Opus Dei und namentlich mit dessen Gründer, dem inzwischen vom Vatikan heiliggesprochenen San Escrivá de Balaguer, mit dem er bislang enge persönliche und berufliche Beziehungen gepflegt hatte. Fisacs Laufbahn nahm dadurch eine vollkommen neue Wende: von dem durch eine mächtige Organisation gestützten Architekten zum Einzelkämpfer, zum Erforscher insbesondere der dem Beton innewohnenden konstruktiven und formalen Möglichkeiten. Als Hauptrepräsentant seiner revolutionären Dachkonstruktionen dürfte das Centro de Estudios Hidrográficos (1960) gelten. Später experimentierte er mit Beton als einem «weichen Material» – liess ihn in nie gesehene Formen giessen, die etwa die Casa del Sr. de Juan (1973) wie ein im Garten liegendes Polsterkissen erscheinen lassen: sehr adäquat für das in der Anflugschneise des Flughafens liegende Einfamilienhaus.





Die poppige, aber wohldurchdachte Eigenwilligkeit solcher «Häute» wurde erst in den neunziger Jahren wirklich wahrgenommen, und Fisac avancierte denn auch zum Kultarchitekten einer jüngeren Architektengeneration. 2003 wurde er endlich mit Spaniens nationalem Architekturpreis ausgezeichnet. – Es gilt Abschied zu nehmen von einer unwiederholbaren Figur.

8. Mai 2006

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