Hier ein filmischer Nachtrag zur Baustelle des Monats August:
Markus Jakob
30. Januar 2007
Anisakis, qualmfrei
Das Madrider Gesundheitsministerium scheint sich darauf zu kaprizieren, Spaniens Gastwirte zu schikanieren. Vor einem Jahr setzte es ein Anti-Raucher-Gesetz in Kraft, das sich weitgehend als Farce erwies – ausser an den nunmehr strikt rauchfreien Arbeitsplätzen. Wird denn aber, kann man sich fragen, in Bars nicht auch gearbeitet?
Denn da Eigner und Gérants von maximal 100 Quadratmeter grossen Lokalen selbst entscheiden durften, ob sie lieber ihre rauchende oder ihre nichtrauchende Kundschaft verprellen, wird in den weitaus meisten Bars wie und je gepafft. Erstaunlich übrigens, wie viele Lokale offenbar exakt 99 Quadatmeter messen! (Vgl. dazu diesen nicht mehr ganz taufrischen Text, der auf einem Gespräch mit der uruguayischen Dichterin und Ex-Raucherin Cristina Peri Rossi beruht.) Grösseren Etablissements wurde eine bauliche Unterteilung (mit separater Entlüftung des Raucherbereichs) vorgeschrieben, deren Kosten die meisten Wirte schon deshalb scheuten, weil eher früher als später ja doch das totale Rauchverbot folgen wird. Derzeitiger Stand der Dinge: an Spaniens Theken ist alles beim Alten, hingegen sind viele Restaurants jetzt qualmfrei, während die grossen Nachtschuppen teils eine gewisse gesetzeswidrige Toleranz walten lassen.
Die Raucher vor die Tür zu setzen, würde zwar ungleich idealere Anbandelsituationen schaffen, als sie sich im Getöse und Geflicker im Inneren je bieten, daneben aber auch dem Nachtlärm auf den Gassen Vorschub leisten. Was im Grunde wiederum das Gesundheitsministerium auf den Plan rufen müsste. Interessanterweise hat sich jedoch dieses, gerade was die den Spaniern zugemutete Lärmbelastung betrifft, bisher taub gestellt. Dabei sind die Belästigungen durch Nachtschwärmer bloss Bagatellen im Vergleich zum Bau- und Verkehrsgetöse, das Millionen fast zum Wahnsinn treibt.
Stattdessen hat die Gesundheitsministerin ihre Aufmerksamkeit nun einem kleinen Wurm zugewandt, Anisakis genannt, dessen Larven ursprünglich den Exkrementen von Meeressäugern (Walen, Delphinen) entstammen, und der auf etlichen Umwegen mitunter in den Verdauungstrakt menschlicher Konsumenten gelangt, insbesondere die Mägen von Liebhabern roh genossener Speisefische. Um die Verbreitung der schmerzhaften, in Extremfällen sogar lebensgefährlichen sogenannten Anisakiasis einzudämmen, schreibt ein ministerieller Erlass nun vor, zum rohen Genuss bestimmter oder bei unter 60º gegarter Fisch habe zuvor auf mindestens -20º tiefgekühlt zu werden – dies die Grenzwerte, die der Parasit nachweislich nicht überlebt. Wissenswertes über den Anisakis teilt weiter die U.S. Food and Drug Administration mit; und wer es gern anschaulich hat, kann sich das Video einer Endoskopie ansehen, bei der das Würmchen im Magen eines Betroffenen aufgespürt wird.
95% aller Anisakiasis-Fälle wurden bisher, sashimi oblige, in Japan registriert. In weitem Abstand folgen Holland, das seine Heringe, und Spanien, das seine boquerones gleichfalls roh zu verzehren beliebt. Hätten nun jedoch, kann man sich fragen, die nachgerade epidemische Verbreitung japanischer Restaurants in Spanien, zudem die von der Haute Cuisine gepflegten sanften Garmethoden, die zunehmend auch am heimischen Herd als gute Sitte gelten, nicht zu einer ebenso epidemischen Zunahme der Anisakiasis führen müssen? Dies umso mehr, als heute angeblich bis zu 40% der Fänge aus dem Nordatlantik (für das Mittelmeer werden Zahlen zwischen 5% und 15% genannt) von dem Parasiten infiziert sind. Die Zahl der durch ihn Erkrankten steht dazu jedoch in keinem Verhältnis.
Als Hauptursache für das Grassieren des Anisakis wird die Unsitte der Hochsee-Fangflotten vermutet, die Innereien ihres Fangguts, bevor dieses tiefgekühlt wird, ins Meer zurückzuwerfen; was auch erklären würde, warum der Nordatlantik weit stärker betroffen ist als das ohnehin schon fast leergefischte Mittelmeer. Leidtragende sind zunächst jene letzten Mohikaner des mediterranen Fischereigewerbes, die weiterhin tagtäglich frische, wiewohl teils von dem Schädling verdorbene (oder allein durch den Verdacht entwertete) Ware anlanden. Von ihrer Seite ist in Sachen Anisakis indessen kein Wort an die Öffentlichkeit gedrungen.
Die den ministeriellen Erlass, der es ihnen hinfort untersagt, frischen Fisch roh oder unter 60º gegart zu servieren, umgehend als Attentat auf ihre Kunst bezichtigten, waren Spaniens Spitzenköche und Gastro-Gurus. Einer von ihnen hat die Massnahme mit dem Eingriff eines Chirurgen verglichen, der wegen einer kleinen Fingerblessur gleich den ganzen Arm amputiert. Die Kenner der Materie zu konsultieren, hielt das Ministerium offenbar für überflüssig. Auch welche Fischsorten – ob alle gleichermassen, ob einige vielleicht gar nicht – vom Anisakis betroffen sind, schien der Behörde nicht mitteilenswert. Wie steht es diesbezüglich etwa mit den Fischzuchten entstammenden Daurades, Wolfsbarschen und Turbots, die heute auch auf den Märkten am Mittelmeer weit häufiger als ihre «wilden» Artgenossen angeboten werden? Mehr noch als für michelingestirnte Köche wären solche Informationen für den Normalverbraucher relevant. Oder soll dieser vielleicht künftig mit dem Stichthermometer am heimischen Herd stehen?
Der ministerielle Erlass nimmt ausschliesslich die Profiköche in die Verantwortung, während sich der private Konsument weiterhin nach eigenem Gutdünken verköstigen oder vergiften kann. Fischliebhaber pflegen einen Fischhändler ihres Vertrauens zu haben, ich etwa «meine» Enriqueta in der Santa Caterina. Und eine solche Marktfrau und Künstlerin der Fischzerlegung wirkt nun einmal glaubwürdiger als eine Gesundheitsministerin, die vielleicht seit der Anatomiestunde nie mehr einen Fisch ausgenommen hat und es nun dennoch als ihre Mission betrachtet, das ahnungslose Volk vor den Gefahren des Anisakis zu bewahren. Dieser aber befällt das Fleisch eines Fisches erst, wenn dieser nicht mehr frisch ist bzw. die Innereien nicht rechtzeitig entfernt wurden.
Meine bloss flüchtigen Recherchen haben ergeben, dass ähnliche Vorschriften, wie sie nun in Spanien gelten, in den USA (denen man in Sachen Esskultur nicht unbedingt nacheifern möchte) schon länger in Kraft sind. Des weitern aber auch, dass sogar die japanische Alltagskost, genauer der zu Sushi und Sashimi zu verarbeitende Fisch, zuvor mehrheitlich flash frozen wurde – eine Gefriermethode, die den Geschmack nur unwesentlich beeinträchtigt. Über die entsprechenden nitrogengekühlten Apparate verfügen auch Spaniens Grosshändler, für die Einzelkämpfer im Gastgewerbe sind sie jedoch kaum erschwinglich. Über solche Details hat sich das Ministerium, das frischen Fisch auf Spaniens Tellern nur noch durchgebraten (in schwammigem Amtsspanisch: «correctamente cocinado») dulden will, offenbar keine Gedanken gemacht. Sein Erlass ist ein Pfusch, wenn nicht, glücklichenfalls – wie schon das Anti-Raucher-Gesetz – schlicht eine Farce.
Denn da Eigner und Gérants von maximal 100 Quadratmeter grossen Lokalen selbst entscheiden durften, ob sie lieber ihre rauchende oder ihre nichtrauchende Kundschaft verprellen, wird in den weitaus meisten Bars wie und je gepafft. Erstaunlich übrigens, wie viele Lokale offenbar exakt 99 Quadatmeter messen! (Vgl. dazu diesen nicht mehr ganz taufrischen Text, der auf einem Gespräch mit der uruguayischen Dichterin und Ex-Raucherin Cristina Peri Rossi beruht.) Grösseren Etablissements wurde eine bauliche Unterteilung (mit separater Entlüftung des Raucherbereichs) vorgeschrieben, deren Kosten die meisten Wirte schon deshalb scheuten, weil eher früher als später ja doch das totale Rauchverbot folgen wird. Derzeitiger Stand der Dinge: an Spaniens Theken ist alles beim Alten, hingegen sind viele Restaurants jetzt qualmfrei, während die grossen Nachtschuppen teils eine gewisse gesetzeswidrige Toleranz walten lassen.
Die Raucher vor die Tür zu setzen, würde zwar ungleich idealere Anbandelsituationen schaffen, als sie sich im Getöse und Geflicker im Inneren je bieten, daneben aber auch dem Nachtlärm auf den Gassen Vorschub leisten. Was im Grunde wiederum das Gesundheitsministerium auf den Plan rufen müsste. Interessanterweise hat sich jedoch dieses, gerade was die den Spaniern zugemutete Lärmbelastung betrifft, bisher taub gestellt. Dabei sind die Belästigungen durch Nachtschwärmer bloss Bagatellen im Vergleich zum Bau- und Verkehrsgetöse, das Millionen fast zum Wahnsinn treibt.
Stattdessen hat die Gesundheitsministerin ihre Aufmerksamkeit nun einem kleinen Wurm zugewandt, Anisakis genannt, dessen Larven ursprünglich den Exkrementen von Meeressäugern (Walen, Delphinen) entstammen, und der auf etlichen Umwegen mitunter in den Verdauungstrakt menschlicher Konsumenten gelangt, insbesondere die Mägen von Liebhabern roh genossener Speisefische. Um die Verbreitung der schmerzhaften, in Extremfällen sogar lebensgefährlichen sogenannten Anisakiasis einzudämmen, schreibt ein ministerieller Erlass nun vor, zum rohen Genuss bestimmter oder bei unter 60º gegarter Fisch habe zuvor auf mindestens -20º tiefgekühlt zu werden – dies die Grenzwerte, die der Parasit nachweislich nicht überlebt. Wissenswertes über den Anisakis teilt weiter die U.S. Food and Drug Administration mit; und wer es gern anschaulich hat, kann sich das Video einer Endoskopie ansehen, bei der das Würmchen im Magen eines Betroffenen aufgespürt wird.
95% aller Anisakiasis-Fälle wurden bisher, sashimi oblige, in Japan registriert. In weitem Abstand folgen Holland, das seine Heringe, und Spanien, das seine boquerones gleichfalls roh zu verzehren beliebt. Hätten nun jedoch, kann man sich fragen, die nachgerade epidemische Verbreitung japanischer Restaurants in Spanien, zudem die von der Haute Cuisine gepflegten sanften Garmethoden, die zunehmend auch am heimischen Herd als gute Sitte gelten, nicht zu einer ebenso epidemischen Zunahme der Anisakiasis führen müssen? Dies umso mehr, als heute angeblich bis zu 40% der Fänge aus dem Nordatlantik (für das Mittelmeer werden Zahlen zwischen 5% und 15% genannt) von dem Parasiten infiziert sind. Die Zahl der durch ihn Erkrankten steht dazu jedoch in keinem Verhältnis.
Als Hauptursache für das Grassieren des Anisakis wird die Unsitte der Hochsee-Fangflotten vermutet, die Innereien ihres Fangguts, bevor dieses tiefgekühlt wird, ins Meer zurückzuwerfen; was auch erklären würde, warum der Nordatlantik weit stärker betroffen ist als das ohnehin schon fast leergefischte Mittelmeer. Leidtragende sind zunächst jene letzten Mohikaner des mediterranen Fischereigewerbes, die weiterhin tagtäglich frische, wiewohl teils von dem Schädling verdorbene (oder allein durch den Verdacht entwertete) Ware anlanden. Von ihrer Seite ist in Sachen Anisakis indessen kein Wort an die Öffentlichkeit gedrungen.
Die den ministeriellen Erlass, der es ihnen hinfort untersagt, frischen Fisch roh oder unter 60º gegart zu servieren, umgehend als Attentat auf ihre Kunst bezichtigten, waren Spaniens Spitzenköche und Gastro-Gurus. Einer von ihnen hat die Massnahme mit dem Eingriff eines Chirurgen verglichen, der wegen einer kleinen Fingerblessur gleich den ganzen Arm amputiert. Die Kenner der Materie zu konsultieren, hielt das Ministerium offenbar für überflüssig. Auch welche Fischsorten – ob alle gleichermassen, ob einige vielleicht gar nicht – vom Anisakis betroffen sind, schien der Behörde nicht mitteilenswert. Wie steht es diesbezüglich etwa mit den Fischzuchten entstammenden Daurades, Wolfsbarschen und Turbots, die heute auch auf den Märkten am Mittelmeer weit häufiger als ihre «wilden» Artgenossen angeboten werden? Mehr noch als für michelingestirnte Köche wären solche Informationen für den Normalverbraucher relevant. Oder soll dieser vielleicht künftig mit dem Stichthermometer am heimischen Herd stehen?
Der ministerielle Erlass nimmt ausschliesslich die Profiköche in die Verantwortung, während sich der private Konsument weiterhin nach eigenem Gutdünken verköstigen oder vergiften kann. Fischliebhaber pflegen einen Fischhändler ihres Vertrauens zu haben, ich etwa «meine» Enriqueta in der Santa Caterina. Und eine solche Marktfrau und Künstlerin der Fischzerlegung wirkt nun einmal glaubwürdiger als eine Gesundheitsministerin, die vielleicht seit der Anatomiestunde nie mehr einen Fisch ausgenommen hat und es nun dennoch als ihre Mission betrachtet, das ahnungslose Volk vor den Gefahren des Anisakis zu bewahren. Dieser aber befällt das Fleisch eines Fisches erst, wenn dieser nicht mehr frisch ist bzw. die Innereien nicht rechtzeitig entfernt wurden.
Meine bloss flüchtigen Recherchen haben ergeben, dass ähnliche Vorschriften, wie sie nun in Spanien gelten, in den USA (denen man in Sachen Esskultur nicht unbedingt nacheifern möchte) schon länger in Kraft sind. Des weitern aber auch, dass sogar die japanische Alltagskost, genauer der zu Sushi und Sashimi zu verarbeitende Fisch, zuvor mehrheitlich flash frozen wurde – eine Gefriermethode, die den Geschmack nur unwesentlich beeinträchtigt. Über die entsprechenden nitrogengekühlten Apparate verfügen auch Spaniens Grosshändler, für die Einzelkämpfer im Gastgewerbe sind sie jedoch kaum erschwinglich. Über solche Details hat sich das Ministerium, das frischen Fisch auf Spaniens Tellern nur noch durchgebraten (in schwammigem Amtsspanisch: «correctamente cocinado») dulden will, offenbar keine Gedanken gemacht. Sein Erlass ist ein Pfusch, wenn nicht, glücklichenfalls – wie schon das Anti-Raucher-Gesetz – schlicht eine Farce.
28. Januar 2007
Terminal B – neue Database der Kreativen
Wer sich als Angehöriger der barcelonesischen Designszene fühlt, dem steht neuerdings das Terminal B zur Verfügung, um sich und seine Arbeit zu präsentieren. Eine internationale Gesellschaft, versteht sich. So haben sich bereits 61 argentinische und 25 mexikanische Kreative hier eingetragen, hingegen erst 7 Schweizer.
25. Januar 2007
Pelli in Sevilla
21. Januar 2007
Die Gaben der Verwaltung
20. Januar 2007
Bread & Butter schmiert Barcelonas
An die 800 Aussteller, über 70'000 Besucher in drei Tagen, es war anscheinend (über Geschäftsabschlüsse wissen wir nichts) ein Erfolg. Bread & Butter ist ja eigentlich die Messe, die Berlin zur Modehauptstadt befördern sollte. Sie wird weiterhin von Deutschland aus organisiert, nun aber zur Hauptsache in Barcelona abgehalten: weil man die Leute (Aussteller wie Kunden) leichter hierher kriegt. Ausserdem sind die Hallen im Gegensatz zu Berlin gross genug, obwohl man sich vorläufig auf die alte Fira (Montjuïc 1) beschränkt; die teils schon bestehenden Hallen von Montjuïc 2 werden nicht gebraucht.
Ich bin ja nun nicht gerade ein gewohnheitsmässiger Messgänger (wenn, dann eher nach katholischen Ritus). Selbst Kunstmessen – gerade Kunstmessen! – scheue ich wie die Pest. Das mag der Grund sein, weshalb ich dem Ausstellungsgut, nämlich den Klamotten, hier überhaupt keine Beachtung schenkte, sondern zunächst mal feststellte: Diese alten Messehallen, die ich bisher fast nur als Flankierung der pathetischen Achse Plaza de España-Palacio Nacional kannte (Weltausstellung 1929), sind im Innern eigentlich sehr ansehnliche Bauten.
Nun könnte man sich des Langen und Breiten über die Ausstellungsarchitekturen auslassen. Nur soviel: mir schien, die selbstbewussten Firmen, die sich (was natürlich auch kostspieliger ist, daher betrifft es vor allem grosse Marken wie G-Star, Custo usw.) vollkommen abschotten und einen eigenen Zirkus aufbauen, in den man wie in ein Theater eintritt, seien verglichen mit den gegenüber den Zirkulationswegen hin offenen Ständen ungleich erfolgreicher. Alles drängt da rein, während man an den offenen, von einsamen Schönheiten bewachten Auslagen bloss schüchtern vorbeiwandelt.
Es könnte sein – ich bin nicht vom Fach –, dass Bread & Butter den drohenden Untergang Barcelonas als Modestadt abwendet. Die mittlerweile ziemlich potente, aber weiterhin unter Profilierungsnot leidende spanische Modeindustrie rangelt seit langem darum, ob nun Madrid oder Barcelona als ihre Hauptstadt gelten dürfe, und obwohl sowohl geschichtlich wie vom derzeitigen Image her alles für die katalanische Kapitale («katalanische Kapitale»: das zweite Kakanien?) spricht, schien Madrid das Rennen zu machen.
Die Überreste der barcelonsischen Fashion Week fanden gleichfalls diese Woche statt und wurden durch die der Messe wegen in der Stadt anwesenden Massen von Modemenschen natürlich aufgewertet. Die Headlines eroberte wieder einmal der Doyen der lokalen Szene, Antonio Miró, indem er in den alten Werfthallen eine Reihe schwarzafrikanischer Sans-Papiers auf den Laufsteg schickte. Im Publikum anwesend war auch Barças lange verletzter kamerunesischer Stürmerstar Eto’o, über den demnächst hoffentlich wieder in der Rubrik Barça! Barça!! Barça!!! zu berichten ist.
Hier aber noch einige weitere an Bread & Butter geschossene Bilder:
17. Januar 2007
7th Avenue über den Dächern
16. Januar 2007
Erweiterung des Hospital Sant Pau durch Bonell
Tant pis. Oben ein Rendering des (inzwischen vermutlich modifizierten) Projekts. Wie auf Google Earth zu sehen (oder zu erahnen), ist jetzt oberhalb des Krankenhauskomplexes die Metrostation der künftigen Linie 9 im Bau, und neben dem staubigen Fussballplatz bereits ein Sportzentrum für das Quartier entstanden. Hier ein Blick auf das alte Ensemble von Domènech i Montaner:
Das neun Cerdá-Blöcke umfassende Krankenhaus (1902-1930) ist zweifellos nicht nur als ornamentaler Coup de force, sondern mit seinen unterirdisch verbundenen Pavillons auch in organisatorischer Hinsicht ziemlich einzigartig.
A propos Biblioteca de Catalunya: dieser Tage wurde bekannt, dass sie (nebst einigen andern barcelonesischen Bibliotheken sowie der Madrider Complutense) ihre Bestände von Google digitalisieren und ins Netz stellen lässt, als eine der ersten ausserhalb des englischen Sprachraums.
12. Januar 2007
Fuses-Viader gewinnen den Wettbewerb für den Palais de Justice in Paris
10. Januar 2007
Velázquez Lava Super
Diesem dauernden Gemecker, am Born gebe es bloss noch lauter blitzsaubere Designläden für putzmuntere Modeaffen, muss doch mal widersprochen werden. Man sehe sich zum Beispiel diesen Waschsalonan der Calle Mirallers an. – Dabei erinnere ich mich an einen andern Gewerbetreibenden im Viertel, der seine Werkstatt gleichfalls mit Velázquez’ Venus im Spiegel dekoriert hatte, freilich mit einer von ihm eigenhändig gemalten Kopie. Malen war sein Hobby. Es war der Pneuhändler an der Calle Comercio, der sein Geschäft leider vor einigen Jahren geschlossen hat.
Post-Weihnachts-Post (Sittenverwilderung V)
In Spanien ist Murphys Gesetz – ungefähr: «Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen» – längst in die Alltagssprache eingegangen: «Es la ley de Murphy» (sprich Murfi), murmelt achselzuckend so ziemlich jeder Spanier, wenn mal wieder der schlimmstmögliche Fall eintritt. Auch mir kam das Wort über die Lippen, als Hochparterre International mit unfehlbarer Präzision kurz vor Weihnachten durch ein Serverproblem ausser Gefecht gesetzt wurde, so dass wir Blogeure Ihnen bis am 8. Januar forbidden blieben. Entschuldigung und Prosit Neujahr, gleichwohl.
Schlimmer, als es nun gekommen ist, hätte es übrigens auch für La Paloma nicht kommen können: die behördliche Drohung, den fabelhaften Ballsaal wegen Lärmbelästigung zu schliessen, wurde nach der Silvesterparty (im Bild) wahr gemacht. Das muss man sich mal vorstellen: 103 Jahre lang haben sich hier Barcelonas Nachtschwärmer vergnügt, und nun reichte das Gebelfer einiger (teils wohl neu zugezogener) Nachbarn, um ihnen den Garaus zu machen. Ist nicht vielleicht, kann man sich fragen, solch intolerantes Genörgel die wahre Sittenverwilderung?
Es sei allerdings nicht verschwiegen, dass La Paloma sich in den letzten fünfzehn Jahren stark gewandelt hat. Zwar spielt am frühen Abend (das heisst bis circa um halb zwei) weiterhin eine klassische Tanzkapelle für ein gemischtes und vorwiegend älteres Publikum auf: mehr oder weniger stilsichere Galans, mitgerissene Damen. Anschliessend aber übernehmen die DJs das Kommando, und dann kann es im Innern der Riesenmuschel, erst recht aber draussen in der schmalen Calle del Tigre, schon ein bisschen lärmiger, auch ungesitteter als früher zugehen.
Im Grunde geht es bei der ganzen Affäre wohl nur darum, wieviel die Stadt zur Schalldämmung des Saals beisteuert (obwohl der Strassenlärm sicher mehr Anwohner in Mitleidenschaft zieht). Was ich mir nicht – und was sich in Barcelona eigentlich niemand – vorstellen kann, ist, dass La Paloma auf immer geschlossen bleibt. Jede Wette, in einigen Wochen oder Monaten schiebt man nachts um drei wieder den winzigen Samtvorhang beiseite, der sich im Entrée auf diese Halluzination von einem Saal öffnet.
* * *
Der Paseo de Gracia, die Prachtstrasse par excellence, blieb dieses Jahr ohne Weihnachtsbeleuchtung. Niemand scheint sich darüber aufgehalten zu haben. Während Madrid nun sogar Weihnachtsfeuerwerke veranstaltet, reduziert Barcelona seit zehn Jahren kontinuierlich seinen öffentlichen Weihnachtsschmuck. In Zahlen: der dafür aufgewendete Stromkonsum wurde von 185'000 Euro (1996) auf 47'000 Euro (2006) gesenkt. Die schönen, an den Ramblas baumelnden gelben Ballons; blau leuchtende Schnüre über einigen Einkaufsstrassen sowie einige Überreste traditioneller Motive – das war’s schon. Am Heiligen Abend waren einige der gelben Ballonlampen geplatzt und hingen wie schrumplige Präservative über der Promenade. Es ist also doch noch Hoffnung für diese Stadt. Wenigstens beim Weihnachtsschmuck hat sie den Weg der Vernunft eingeschlagen.
* * *
Jahrelang war die Weihnachtskrippe an der Plaça Sant Jaume eine Spielwiese der Designer. Sah man Ende November den Aufbau in Gang kommen, war man jeweils gespannt, was sie sich wohl wieder hatten einfallen lassen. Oft waren es begehbare kleine Kunstlandschaften. Ob ein Christkind aus Plexiglas oder die Photosilhouetten pakistanischer Butangas-Austräger als Hirten: sosehr hatte man sich daran gewöhnt, hier ein modernes, oft auch gärtnerisch interessantes Belén anzutreffen, dass man diesmal richtig geschockt war. Den erstmals seit wohl zwanzig Jahren war die Installation dem «offiziellen» Krippenverein anvertraut worden, und der stellte denn auch ein furchtbar konventionelles, todlangweiliges Gebilde auf den Platz. Skandal! Über die Installationen der Designer konnte man immerhin geteilter Meinung sein. Hätte der Krippenverein, frage ich mich, nicht die Chance gehabt, deren Kaprizen durch eine wirklich schöne konventionelle Darstellung ad absurdum zu führen? Er hat sie nicht genutzt.
* * *
99 Prozent der Spanier verbringen den Jahreswechsel vor dem Fernseher, um zu jedem der zwölf von der Puerta del Sol in Madrid übertragenen Glockenschläge eine (angeblich Glück und Segen bringende) Weintraube in sich hineinzustopfen. So will es die furchtbare Tradition. Barcelona bot diesen Silvester eine wunderbare Alternative. Wir sahen uns die Première, ohne an Weintrauben zu ersticken, von unserer - ehem - Terrasse aus an:
Es sei allerdings nicht verschwiegen, dass La Paloma sich in den letzten fünfzehn Jahren stark gewandelt hat. Zwar spielt am frühen Abend (das heisst bis circa um halb zwei) weiterhin eine klassische Tanzkapelle für ein gemischtes und vorwiegend älteres Publikum auf: mehr oder weniger stilsichere Galans, mitgerissene Damen. Anschliessend aber übernehmen die DJs das Kommando, und dann kann es im Innern der Riesenmuschel, erst recht aber draussen in der schmalen Calle del Tigre, schon ein bisschen lärmiger, auch ungesitteter als früher zugehen.
Im Grunde geht es bei der ganzen Affäre wohl nur darum, wieviel die Stadt zur Schalldämmung des Saals beisteuert (obwohl der Strassenlärm sicher mehr Anwohner in Mitleidenschaft zieht). Was ich mir nicht – und was sich in Barcelona eigentlich niemand – vorstellen kann, ist, dass La Paloma auf immer geschlossen bleibt. Jede Wette, in einigen Wochen oder Monaten schiebt man nachts um drei wieder den winzigen Samtvorhang beiseite, der sich im Entrée auf diese Halluzination von einem Saal öffnet.
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Der Paseo de Gracia, die Prachtstrasse par excellence, blieb dieses Jahr ohne Weihnachtsbeleuchtung. Niemand scheint sich darüber aufgehalten zu haben. Während Madrid nun sogar Weihnachtsfeuerwerke veranstaltet, reduziert Barcelona seit zehn Jahren kontinuierlich seinen öffentlichen Weihnachtsschmuck. In Zahlen: der dafür aufgewendete Stromkonsum wurde von 185'000 Euro (1996) auf 47'000 Euro (2006) gesenkt. Die schönen, an den Ramblas baumelnden gelben Ballons; blau leuchtende Schnüre über einigen Einkaufsstrassen sowie einige Überreste traditioneller Motive – das war’s schon. Am Heiligen Abend waren einige der gelben Ballonlampen geplatzt und hingen wie schrumplige Präservative über der Promenade. Es ist also doch noch Hoffnung für diese Stadt. Wenigstens beim Weihnachtsschmuck hat sie den Weg der Vernunft eingeschlagen.
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Jahrelang war die Weihnachtskrippe an der Plaça Sant Jaume eine Spielwiese der Designer. Sah man Ende November den Aufbau in Gang kommen, war man jeweils gespannt, was sie sich wohl wieder hatten einfallen lassen. Oft waren es begehbare kleine Kunstlandschaften. Ob ein Christkind aus Plexiglas oder die Photosilhouetten pakistanischer Butangas-Austräger als Hirten: sosehr hatte man sich daran gewöhnt, hier ein modernes, oft auch gärtnerisch interessantes Belén anzutreffen, dass man diesmal richtig geschockt war. Den erstmals seit wohl zwanzig Jahren war die Installation dem «offiziellen» Krippenverein anvertraut worden, und der stellte denn auch ein furchtbar konventionelles, todlangweiliges Gebilde auf den Platz. Skandal! Über die Installationen der Designer konnte man immerhin geteilter Meinung sein. Hätte der Krippenverein, frage ich mich, nicht die Chance gehabt, deren Kaprizen durch eine wirklich schöne konventionelle Darstellung ad absurdum zu führen? Er hat sie nicht genutzt.
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99 Prozent der Spanier verbringen den Jahreswechsel vor dem Fernseher, um zu jedem der zwölf von der Puerta del Sol in Madrid übertragenen Glockenschläge eine (angeblich Glück und Segen bringende) Weintraube in sich hineinzustopfen. So will es die furchtbare Tradition. Barcelona bot diesen Silvester eine wunderbare Alternative. Wir sahen uns die Première, ohne an Weintrauben zu ersticken, von unserer - ehem - Terrasse aus an:
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