Markus Jakob
3. Februar 2006
España se proyecta
Hinzuweisen ist auf die Ausstellung über neue spanische Architektur, On hytrin Site betitelt, die am 12. Februar im Moma eröffnet wird. Terence Riley nimmt damit seinen Abschied als Architekturkurator des New Yorker Museums. Hervorgehoben werden natürlich Facts wie das Phänomen, dass in Spanien zurzeit nicht weniger als acht Pritzker-Preisträger einen oder mehrere Aufträge ausführen. Der New Yorker Kollege wird sich die Sache sicher ansehen, Cipro Online und von hier aus wird das eine oder andere Projekt früher oder später auch vorgestellt werden.
Ronda del Mig
Es war einmal eine Stadtautobahn, die liess zwischen dem auf acht Spuren dahinbrausenden Verkehr Female Viagra Online und den angrenzenden, acht- bis zwölfgeschossigen Wohnhäusern gerade noch 3 Meter Trottoir frei. Sie hiess Primer Cinturón und durchzog auf einer Länge von sechs oder acht Kilometern einige der dichtest besiedelten Quartiere der Stadt. So stellten sich Planer in den silly sixties eine moderne Stadt vor, und ich will das frohe Herzhämmern nicht verhehlen, das mich in diesem Asphaltdschungel jedesmal erfasste.
Aber die Zeiten haben sich geändert. Als Barcelona den peripheren Autobahnring aus Ronda de Dalt und Ronda Litoral fertiggebaut hatte (1992), wurde der Primer Cinturón in Ronda del Mig (der Mitte) umgetauft, und erste Massnahmen zu seiner Zähmung wurden unternommen. Zehn Jahre später waren über drei Kilometer von der Plaça Cerdá bis zur Diagonal vollkommen überdeckt – die einstige Verkehrrsschneise ist nun eine sorgsam gestaltete Rambla:

Google Earth sieht das an der Rambla de Brasil zum Beispiel so:

Unlängst ist das Projekt für den zweiten, noch zentraleren Abschnitt dieser Schnellstrasse präsentiert worden. Eine Überdeckung wäre hier technisch zu aufwendig, aber immerhin werden zwischen der Vía Augusta und der Ronda del Guinardó die Trottoirs auf je 5,7 verbreitert, die Fahrspuren auf sechs reduziert (zwei davon für den öffentlichen Verkehr) und eine Menge neuer Ampeln eingebaut, um aus der Autobahn eine Avenue zu machen. Heute sieht es an der Kreuzung Mitre/Muntaner so Buy tamiflu online aus:
Aber die Zeiten haben sich geändert. Als Barcelona den peripheren Autobahnring aus Ronda de Dalt und Ronda Litoral fertiggebaut hatte (1992), wurde der Primer Cinturón in Ronda del Mig (der Mitte) umgetauft, und erste Massnahmen zu seiner Zähmung wurden unternommen. Zehn Jahre später waren über drei Kilometer von der Plaça Cerdá bis zur Diagonal vollkommen überdeckt – die einstige Verkehrrsschneise ist nun eine sorgsam gestaltete Rambla:
Google Earth sieht das an der Rambla de Brasil zum Beispiel so:
Unlängst ist das Projekt für den zweiten, noch zentraleren Abschnitt dieser Schnellstrasse präsentiert worden. Eine Überdeckung wäre hier technisch zu aufwendig, aber immerhin werden zwischen der Vía Augusta und der Ronda del Guinardó die Trottoirs auf je 5,7 verbreitert, die Fahrspuren auf sechs reduziert (zwei davon für den öffentlichen Verkehr) und eine Menge neuer Ampeln eingebaut, um aus der Autobahn eine Avenue zu machen. Heute sieht es an der Kreuzung Mitre/Muntaner so Buy tamiflu online aus:
19. Januar 2006
Aufstrich
Hätte man Zeit, so könnte man sie an der gleichzeitig Buy Prednisone Online mit der Buy elavil Barcelona Fashion Week stattfindenden Modemesse Bread & Butter verplempern. Aber angeschmiert wäre vielleicht nur, wer sich da wirkklich hin begäbe.
17. Januar 2006
Gebäudeprüfer
Dieser Herr, heute morgen im Quartier erblickt, widmet sich laut der Aufschrift auf seinem Overall der GEBÄUDEPRÜFUNG. Bald ist es ein Jahr her, seit im Stadtteil Carmel beim Bau der Metrolinie 9 ein Tunneleinsturz die Evakuierung von über tausend Anwohnern nötig machte. Einige von ihnen konnten bis heute nicht in ihre Behausungen zurückkehren, 34 Wohnungen mussten abgerissen werden. Es war leider bei weitem nicht der einzige Einsturz des Jahres in Katalonien. Die Zeitung El País listete ihrer neulich nicht weniger als einundzwanzig auf - 21 Häuser allein im Jahr 2005 in einem Land von der Grösse der Schweiz! -, einige durch Gasexplosionen verursacht (die jüngste vor einigen Tagen forderte drei Todesopfer), öfter aber sind alte Bauten von selbst oder aufgrund von Bauarbeiten schlicht zusammengekracht. Willkommen Viagra Super Active+ Online seien daher solche Verfizierer im Barrio!
15. Januar 2006
Turbofussball
17 Siege in ununterbrochener Folge - der bisherige spanische Rekord von Real Madrid aus dem Jahr 1960 lag bei 15 Siegen. Er wurde beim 6:0 im Cupsiel gegen Zamora gebrochen, bei dem sich für einmal etliche Reservespieler des FC Barcelona in Szene setzen konnten. Das eben erzielte Buy Cialis Online 2:1 gegen Athletic Bilbao ist das knappste Ergebnis in dieser ganzen grandiosen Serie. Buy aralen online
Sittenverwilderung II
Die Strassenmädchen halten die neue Verordnung schlicht für verfassungswidrig. Den Anthropologen Manuel Delgado erinnert sie an das einstige «Gesetz gegen Herumtreiber und anderes Gesindel» (ley de vagos y maleantes). Die Stadtregierung habe, so führt er aus, die «goldene Regel begriffen, nach der sich ihre Politik zu richten hat: bedingungslose Unterwerfung unter die Mächtigen – Promoter und Multis –, äusserste Strenge hingegen gegenüber den verletzlichsten und unangepasstesten Sektoren der Gesellschaft». Auch der Politikwissenschaftler Joan Subirats hält es für bedenklich, das städtische Zusammenleben mit Vorschriften regeln zu wollen; erst recht mit solchen, die ausschliesslich Buy mobic online den nicht konventionellen Gebrauch des öffentlichen Raums einschränken bzw. unter Strafe stellen, «mit keinem Wort aber Missbräuche wie das Immobilienmobbing oder die Usurpierung des öffentlichen Raums durch den Privatverkehr erwähnen».
Was ist geschehen? Der Zwist um die barcelonesische Sittenverwilderung (s. Posting «Sittenverwilderung I» vom 20.9.2005) ist in eine neue Phase getreten. Erst wurden die bereits bestehenden, bisher sehr lasch gehandhabten gesetzlichen Bestimmungen strikter angewandt. Resultat: 22 000 Strafzettel in den letzten drei Monaten, fast die Hälfte davon wegen ambulanten Handels, aber auch 3700 wegen Alkoholkonsums auf der Strasse, 1454 wegen Urinierens daselbst, 80 wegen Musikgedröhns aus offenen Autofenstern. Diese Bussen werden freilich mehrheitlich unbezahlt bleiben. Das ändert – dank neuer behörlicher Befugnisse – die Ende Dezember vom Stadtparlament gutgeheissene Verordnung (ordenanza contra el incivismo). Ihre Durchsetzung könnte Barcelona in eine Stadt verwandeln, neben der die Strassen Oslos als die reine Anarchie erschienen. Allenfalls Singapur gibt sich noch rigoroser. Bürgermeister Clos und seine Regierung waren, als sie den hochwallenden Unmut ihrer Bürgerschaft über einige Auswüchse bei der Benützung des öffentlichen Raums gewahrten, umgehend auf den Empörungszug aufgesprungen. Das Ergebnis – in Form der bewussten ordenanza – spottet dem freiheitlichen Geist, der hier bisher wehte. Selbst auf den Boden zu spucken soll nun strafbar sein.
Angeblich sagt die neue Verordnung all jenen Verhaltensweisen den Kampf an, die das Zusammenleben stören: Zuwiderhandlungen gegen das, was als gute Sitte gilt. In Wirklichkeit nimmt sie explizit die Existenzweise ohnehin unterpreviligierter Gruppen aufs Korn. Das Wort incivismo lässt sich auf deutsch mit «Sittenlosigkeit», aber auch mit «mangelnder Bürgersinn» wiedergeben. Doch ist es wirklich nur la lumpen (wie das Lumpenproletariat in klassischem Spanisch heisst), dem es daran gebricht?
Theoretisch hätte schon bisher jeder Fussgänger, der nicht auf das Grünlicht wartet, sondern die Strasse nach eigenem Gutdünken überquert, dafür geahndet werden können. Das wären jeden Tag mehrere Millionen Strafzettel, von denen bisher meines Wissens noch keiner ausgestellt wurde. Die neue ordenanza macht indessen Ernst damit, jene dauernd wechselnden Überlebensmethoden auszurotten, mit denen die Mittellosen – Immigranten mehrheitlich – zugleich das städtische Leben bereichern. Da gibt es die Pakistani, die allnächtlich Dosenbier auf jeder einigermassen belebten Strasse feilhalten. Tiefer verwurzelt – sosehr, dass dafür der schöne Ausdruck top manta erfunden wurde – ist der ambulante Handel mit Sonnenbrillen, Raubkopien von CDs und Filmen usw., die eben auf eine manta, eine schnell zusammenzuraffende Decke ausgebreitet, seit Jahren zum Strassenbild spanischer Grossstädte gehören. Das top manta hat mitunter entnervende Ausmasse angenommen. Im vorletzten Sommer verwandelten sich die Ramblas jede Nacht in einen Bazar, der indessen auch ohne ordenanza wieder verschwunden ist.
Nie mehr gesichtet wurde auch jene (aus Bosnien oder wo immer herstammende) Bettlerin, die den Ramblas vorübergehend einen mittelalterlichen Touch verliehen hatte. Schwarz verhüllt, barfuss, karikaturesk gebückt (buchstäblich geknickt, fast mit dem Gesicht den Asphalt Buy Cialis Professional Online streifend), rückte diese zittrige Alte unendlich langsam, Schrittchen für Schrittchen zwischen den Passanten vor. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass es eine Performance war. Eines Abends jedoch, ich hatte sie eben überholt, begegnete mir kurz danach eine identische, in Gegenrichtung sich schleppende Gestalt. Früher oder später mussten sie sich kreuzen! Das war denn doch zuviel des Pestzeitalters. Ich blieb stehen und beobachtete die gichtige Greisin genauer. Alles schien echt an ihr, nur die nackten Füsse waren unzweifelhaft die einer jungen Frau. Welch eine schauspielerische Leistung und mehr noch, welche Strapaze – und dennoch nun von den Stadtbehörden unter dem Namen «organisierte Bettelei» auf die schwarze Liste gesetzt. Man könnte es natürlich auch als Kunstform – à la Marina Abramovich – ansehen.
Ihren ganz andersartigen Auftritt haben auch die Mädchen, die den Strich machen. Doch auch ihre Arbeit ist durch die neue Verordnung bedroht. Mit Geldstrafen rechnen müssen sowohl Prostituierte als auch Freier, die miteinander im öffentlichen Raum ins Geschäft kommen. Das dürfte vor allem den Strassenstrich an der zentralen Ronda San Antonio betreffen – schwerlich vorstellbar indessen, dass die Behörden so traditionelle Huren- und Transvestitenstandplätze wie das Barrio Chino oder die Umgebung des Camp Nou zu säubern gedenken.
Ihre Bewährungsprobe wird die Verordnung ohnehin erst im Sommer erleben, wenn die Horden vergnügungssüchtiger Touristen aus dem Norden einfallen. Es entbehrt nicht der Ironie, dass gerade eine linke Regierung nun Massnahmen gegen sie ergreift: Ist es denn nicht ganz in ihrem Sinn, dass sich heute der hinterste und letzte Prolet aus Blackpool einen Ausflug nach Barcelona leisten kann, und nicht nur die Mittel- und Oberschicht?
Und noch eine Ironie, die sich um die ordenanza rankt. Zufällig ereignete sich wenige Tage, bevor diese vom Stadtparlament fast einmütig gutgeheissen wurde (dagegen stimmte nur ICV, die Allianz von Postkommunisten und Grünen), das Verbrechen des Jahres in der Stadt. Es mit dem Verwahrlosungsproblem in Zusammenhang zu bringen, scheint nicht weit hergeholt. Die drei Täter aber waren wohlsituierte Jugendliche aus dem höchst bürgerlichen Stadtteil Sant Gervasi, wo sich der Mord auch abspielte. Das Opfer, eine 50jährige obdachlose Frau, hatte sich im Vorraum einer Bankfiliale zum Schlafen gelegt. In diesen rund um die Uhr zugänglichen Räumen mit ihren Geldautomaten suchen viele Stadtstreicher im Winter Zuflucht. Zwei der Buben – beide 18 Jahre alt – hatten die Frau schon am frühen Abend erst beschimpft, dann mit diversen Gegenständen beworfen und verdroschen. Als sie sich verzogen, verriegelte sie von innen die Tür, wurde aber nach Mitternacht von einem andern, 16jährigen Jungen geweckt. Sie konnte nicht ahnen, dass er mit den beiden andern unter einer Decke steckte, und entriegelte arglos die Tür. Die Überwachungskameras haben die Vorgänge minutiös festgehalten, und die freudig erregten Mienen der prügelnden Bürgersöhne haben, als TV3 Teile des Videos ausstrahlte, die katalanische Gesellschaft geschockt. Zu sehen ist, wie einer der drei einen auf einer nahen Baustelle gestohlenen, mit einem Brennstoff gefüllten Bidon herbeiträgt – kurz danach die Explosion. Die mit der Flüssigkeit übergossene Frau ist jämmerlich verbrannt.
Gegen einen solchen Grad an Verrohung helfen keine Vorschriften. Aber wahrscheinlich helfen sie ohnehin gegen gar nichts, wie etwa das Beispiel Grossbritannien zeigt, dessen Ordnungs- und Überwachungswahn bislang keine Verfeinerung der Sitten gezeitigt hat. Nach einem Besuch in London kann man nur hoffen, Barcelona werde sich nicht im gleichen Ausmass mit Kameras und den entsprechenden Schildern (CCTV in operation) sowie mit Plakaten füllen, auf denen die Obrigkeit jedem Schwarzfahrer und jedem Gebührenpreller androht: Wir werden dich erwischen.
Was ist geschehen? Der Zwist um die barcelonesische Sittenverwilderung (s. Posting «Sittenverwilderung I» vom 20.9.2005) ist in eine neue Phase getreten. Erst wurden die bereits bestehenden, bisher sehr lasch gehandhabten gesetzlichen Bestimmungen strikter angewandt. Resultat: 22 000 Strafzettel in den letzten drei Monaten, fast die Hälfte davon wegen ambulanten Handels, aber auch 3700 wegen Alkoholkonsums auf der Strasse, 1454 wegen Urinierens daselbst, 80 wegen Musikgedröhns aus offenen Autofenstern. Diese Bussen werden freilich mehrheitlich unbezahlt bleiben. Das ändert – dank neuer behörlicher Befugnisse – die Ende Dezember vom Stadtparlament gutgeheissene Verordnung (ordenanza contra el incivismo). Ihre Durchsetzung könnte Barcelona in eine Stadt verwandeln, neben der die Strassen Oslos als die reine Anarchie erschienen. Allenfalls Singapur gibt sich noch rigoroser. Bürgermeister Clos und seine Regierung waren, als sie den hochwallenden Unmut ihrer Bürgerschaft über einige Auswüchse bei der Benützung des öffentlichen Raums gewahrten, umgehend auf den Empörungszug aufgesprungen. Das Ergebnis – in Form der bewussten ordenanza – spottet dem freiheitlichen Geist, der hier bisher wehte. Selbst auf den Boden zu spucken soll nun strafbar sein.
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14. Januar 2006
Stadtwanderers Timing
Noch ein smartes Detail, das ich gerade Buy Diflucan Online auf der Webseite der Stadt entdecke: die Berechnung des Zeitaufwands, Buy rulide wenn man seine Wege in Barcelona zu Fuss zu unternehmen gedenkt.
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