Markus Jakob
19. Oktober 2006
Chelsea-FC Barcelona 1:0
Ich habe nur die letzte halbe Stunde des Spiels gesehen, bei dem Mazedonier um die Ecke, dem mit der schwummrigen Grossleinwand. Ein bisschen niedrig aufgelöst sah auch Barça aus. Ronaldinhos Abend war es jedenfalls nicht. Wir vermissen natürlich den verletzten Eto’o, der frühestens im Februar wieder fit sein wird. Solange ist Gudjohnson die nominelle Sturmspitze. Einen Isländer im Team zu haben, ist zweifellos chic; aber wohl doch eher auf der Ersatzbank. Da fällt mir ein, dass es jetzt eine isländische Bäckerei geben soll, an der Calle Doctor Dou: muss ich unbedingt mal ausprobieren. Obwohl man in Barcelona längst auch anderswo gutes Brot Doxycycline Online kriegen kann, sehr im Unterschied zu früher. Auch Barça wird sicher weiterhin seine Buy cardura online Brötchen backen. In der Liga liegt’s ja schon wieder vorn, und wenn nächsten Sonntag in Madrid nichts schiefgeht, könnte der Abstand zu den Capellanen auf neun Punkte anwachsen.
17. Oktober 2006
Sonntagsspaziergang zu Jujol
Es handelt sich um Privathäuser, meist einstige Sommerresidenzen reicher Barcelonesen, aber auch Jujols eigenes Atelierhaus. Sie sind daher nicht zugänglich, mit Ausnahme von Can Negre, einer von Jujol spektakulär umgebauten Masía, die von der Stadt als Kulturzentrum genutzt wird. Geschlossen war leider die von Jujol ornamentierte Kirche Sant Joan Baptista. Schön ist es trotzdem, durch Sant Joan Despí zu spazieren und für die Rückfahrt die neue Strassenbahn zu nehmen, Trambaix genannt, die die Diagonale bis zur Plaza Francesc Macià nimmt.
16. Oktober 2006
El forat de la vergonya – ein Aperçu zur Altstadtsanierung
Die Schande, die gemeint ist, ist die der Stadtplaner, die vor zehn Jahren im Altstadtviertel jenseits des Mercat de la Santa Caterina nachgerade tabula rasa zu machen gewillt schienen. Als der Widerstand wuchs, beauftragten sie den im Viertel wohnhaften Enric Miralles mit dem Masterplan. Winkelreiche und fast zu schmucke neue Wohnhäuser verschiedener Architekten säumen inzwischen die Achse bis zum nach wie vor klaffendenforat. Links Ansichten aus dem Jahr 2003, rechts der heutige Zustand:
Blick zurück (links) und voraus zum unteren Buy rulide Ende des forat de la vergonya, wo die Immigrantenkids Basketball spielen, vor einem neuen Wohnbau von Garcés & Soria:
Muss das Spielfeld nun verschwinden, bloss weil der Hauseingang recht elegant geraten ist?
Die Lokalpresse hat über die Hintergründe einmal mehr auffällig dürftig informiert. Schlagzeilen machten bloss die Ausschreitungen jener Krawallmacher, denen ohnehin jeder Anlass willkommen ist, um sich in Szene zu setzen. Ihre Zahl wird auf 250 beziffert, und zu ihrem Arsenal gehören mittlerweile selbstgebastelte Raketenwerfer. Der Aufruhr ging einher mit Demonstrationen gegen die trotz oder wegen des Immobilienbooms immer akutere Wohnungsnot junger Spanier – Näheres zu dieser Agitation hier. Dieses freilich nicht zufällige Aufflackern von Widerstand gegen die ungehemmte Spekulation veranlasste das spanische Innenministerium, das für das vergangene Wochenende in Barcelona einberufene Gipfeltreffen der EU-Wohnbau-Minister abzusagen bzw. zu verschieben – entgegen der Ansicht des neuen Bürgermeisters Hereu.
Eine sehr merkwürdige Entscheidung: als wäre Barcelona nicht imstande, die Sicherheit der Konferenzteilnehmer gegen eine Schar Möchtegern-Stadtguerrilleros zu garantieren. Als erkläre sich der Staat selbst zum hilflosen Opfer einer Erpressung durch ein paar Lümmel – und dabei hatten die noch nicht einmal angekündigt, wieder Stunk machen zu wollen! So wird das fundamentale demokratische Recht auf Protest präventiv unterlaufen, und zugleich weicht man der Debatte um die Wohnungsfrage einmal mehr aus. Oder hatten die Wohnbau-Minister sich gar nichts zu sagen, weil die Baulobby als Wirtschaftsmotor nun einmal tabu ist, fragte ein Leserbriefschreiber? (Vgl. auch den vorhergehenden Eintrag. Irgend einmal wird Grundsätzlicheres zu diesem Thema folgen. Hier schon mal der unredigierte Text meiner im Sommer in der NZZ erschienenen Reportage über den Fall Marbella sowie drei Bilder aus der Gegend, die die Briten schlicht the Costa nennen.)
Ergänzung zum Elektroziegel
Der neueste Witz zum spanischen Bauboom: Welch ein Anachronismus, dass einige Truppeneinheiten immer noch grün-bräunliche Tarnuniformen tragen. Um mit der Landschaft verwechselt zu werden, müssten sie ziegelrot ins Feld ziehen.
Und jetzt im Ernst. Ich fasse die Argumente eines Anfang Oktober in El País erschienenen Kommentars von Enrique Gil Calvo zusammen. Es geht um das hier bereits angeschnittene Thema der spanischen Bauunternehmen, die nun um die Energiekonzerne des Landes mitpokern. Gil Calvo hebt erst einmal mahnend den Zeigefinger gegen jene, die jubelnd Buy micardis online die Börsen-Höhenflüge der werbenden wie der umworbenen Unternehmen beobachten. Reine Spekulationswirtschaft: durch die Immobilienblase reich gewordenen Bauunternehmen buhlen um Energiekonzerne, die ihrerseits praktisch nichts produzieren, sondern bloss Gas und Strom importieren. Spaniens Energieabhängigkeit gehört zu den höchsten Europas.
Und dann der schreckliche Verdacht: Warum gerade jetzt? Vielleicht deshalb, weil die Immobilienblase kurz vor dem Platzen steht? Und man sich nun beeilt, das sinkende Schiff zu verlassen, um die fetten Profite im Energiesektor unterzubringen? Nicht der Ziegel wird demnach elektrifiziert, sondern eine neue Spekulationsspirale in Gang Buy Propecia Online gesetzt, die noch irrere Gewinne verspricht. «Rette sich, wer kann», schliesst Gil Calvo seinen Text, da der Staat offenbar nicht in der Lage sei, die spekulativen Geldströme zu steuern, die ungehemmt das Land verheeren.
Und jetzt im Ernst. Ich fasse die Argumente eines Anfang Oktober in El País erschienenen Kommentars von Enrique Gil Calvo zusammen. Es geht um das hier bereits angeschnittene Thema der spanischen Bauunternehmen, die nun um die Energiekonzerne des Landes mitpokern. Gil Calvo hebt erst einmal mahnend den Zeigefinger gegen jene, die jubelnd Buy micardis online die Börsen-Höhenflüge der werbenden wie der umworbenen Unternehmen beobachten. Reine Spekulationswirtschaft: durch die Immobilienblase reich gewordenen Bauunternehmen buhlen um Energiekonzerne, die ihrerseits praktisch nichts produzieren, sondern bloss Gas und Strom importieren. Spaniens Energieabhängigkeit gehört zu den höchsten Europas.
Und dann der schreckliche Verdacht: Warum gerade jetzt? Vielleicht deshalb, weil die Immobilienblase kurz vor dem Platzen steht? Und man sich nun beeilt, das sinkende Schiff zu verlassen, um die fetten Profite im Energiesektor unterzubringen? Nicht der Ziegel wird demnach elektrifiziert, sondern eine neue Spekulationsspirale in Gang Buy Propecia Online gesetzt, die noch irrere Gewinne verspricht. «Rette sich, wer kann», schliesst Gil Calvo seinen Text, da der Staat offenbar nicht in der Lage sei, die spekulativen Geldströme zu steuern, die ungehemmt das Land verheeren.
Sitges, Salt, Sonar
Ergänzung zur Notiz über den herbstlichen Festivalreigen: Bereits gelaufen ist das Filmfestival Sitges. Der deutsche Film Requiem holte den ersten Preis dieser auf den phantastischen Film spezialisierten Festspiele.
Gleichfalls off Barcelona läuft die Temporada Alta, nämlich in Girona und der gironesischen Vorstadt Salt. Ein charmanter Ort, auf dessen Strassen man praktisch nur noch Schwarze, Levitra Online Araber und Osteuropäer sieht. Das Programm ist hervorragend, sowohl was die Musik und mehr noch was das Theater betrifft, mit Namen wie Matthew Herbert, Pascal Comelade, Agnès Jaoui, Peter Brook, Mark Ravenhill, Calixto Bieito, Ubu Compagnie de Création, Jan Fabre, Krystian Lupa wellbutrin sr usw.
Das schon klassische, jeweils im Juni stattfindende Sonar seinerseits expandiert mit seiner Marke immer weiter. Nach Buenos Aires, São Paulo, London und Hamburg haben jetzt auch Tokio und Seoul ihr Sonar.
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13. Oktober 2006
Carme Pinós – Cutie’s Cube
Ich kenne auch ihr Büro, Ecke Vía Augusta/Diagonal. Eine hochherrschaftlichere Adresse kann man sich schwerlich denken. Ein Wahnsinnsapartment in einem Gründerzeitbau, die Korridore so breit wie anderswo die Zimmer. Ihre Wohnung hat sie auf demselben Geschoss – ich habe sie natürlich nicht zu Gesicht bekommen.
Carme Pinós war Enric Miralles’ erste Partnerin (wie konnte er sie nur verlassen? Ah... vielleicht war’s ja sie) und projektierte mit ihm von 1982 bis 1991 einige seiner fabelhaftesten Bauten. Namentlich bei der Escuela Hogar in Morella, aber auch beim Friedhof Igualada (wo Miralles begraben liegt) steht ihr Einfluss ausser Zweifel. Dann startete sie allein eine neue Karriere. Das ging lange eher harzig (Passerellen in der Wüste), aber unlängst gewann sie gegen zwanzig Rivalen den Wettbewerb für die Neugestaltung der Plaça de la Gardunya (hinter der Boquería, inbegriffen ein Neubau für die Kunstschule La Massana), ein Projekt, auf das hier bei höherem Kenntnisstand zurückzukommen ist. Derzeit Buy Flagyl ER Online ist auch ihre Website gerade im Umbau.
Letztes Jahr konnte Carme Pinós in Guadalajara (Mexiko) ihr bisher wichtigstes Einzelprojekt vollenden, die 13-geschossige Torre Cube. Schon fast ein Wahrzeichen der 4-Millionen-Stadt. Es entwickelt sich um drei Erschliessungskerne aus Stahlbeton, die zugleich die tragende Struktur bilden, von der die Geschosse auskragen. Durch die Lücken der fehlenden Geschossflügel fällt Licht in das leere, offene Zentrum des Gebäudes, zugleich kommen sie seiner natürlichen Belüftung zustatten – eines der Anliegen der Architektin.
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