Markus Jakob
21. Januar 2007
Die Gaben der Verwaltung
20. Januar 2007
Bread & Butter schmiert Barcelonas
An die 800 Aussteller, über 70'000 Besucher in drei Tagen, es war anscheinend (über Geschäftsabschlüsse wissen wir nichts) ein Erfolg. Bread & Butter ist ja eigentlich die Messe, die Berlin zur Modehauptstadt befördern sollte. Sie wird weiterhin von Deutschland aus organisiert, nun aber zur Hauptsache in Barcelona abgehalten: weil man die Leute (Aussteller wie Kunden) leichter hierher kriegt. Ausserdem sind die Hallen im Gegensatz zu Berlin gross genug, obwohl man sich vorläufig auf die alte Fira (Montjuïc 1) beschränkt; die teils schon bestehenden Hallen von Montjuïc 2 werden nicht gebraucht.
Ich bin ja nun nicht gerade ein gewohnheitsmässiger Messgänger (wenn, dann eher nach katholischen Ritus). Selbst Kunstmessen – gerade Kunstmessen! – scheue ich wie die Pest. Das mag der Grund sein, weshalb ich dem Ausstellungsgut, nämlich den Klamotten, hier überhaupt keine Beachtung schenkte, sondern zunächst mal feststellte: Diese alten Messehallen, die ich bisher fast nur als Flankierung der pathetischen Achse Plaza de España-Palacio Nacional kannte (Weltausstellung 1929), sind im Innern eigentlich sehr ansehnliche Bauten.
Nun könnte man sich des Langen und Breiten über die Ausstellungsarchitekturen auslassen. Nur soviel: mir schien, die selbstbewussten Firmen, die sich (was natürlich auch kostspieliger ist, daher betrifft es vor allem grosse Marken wie G-Star, Custo usw.) vollkommen abschotten und einen eigenen Zirkus aufbauen, in den man wie in ein Theater eintritt, seien verglichen mit den gegenüber den Zirkulationswegen hin offenen Ständen ungleich erfolgreicher. Alles drängt da rein, während man an den offenen, von einsamen Schönheiten bewachten Auslagen bloss schüchtern vorbeiwandelt.
Es könnte sein – ich bin nicht vom Fach –, dass Bread & Butter den drohenden Untergang Barcelonas als Modestadt abwendet. Die mittlerweile ziemlich potente, aber weiterhin unter Profilierungsnot leidende spanische Modeindustrie rangelt seit langem darum, ob nun Madrid oder Barcelona als ihre Hauptstadt gelten dürfe, und obwohl sowohl geschichtlich wie vom derzeitigen Image her alles für die katalanische Kapitale («katalanische Kapitale»: das zweite Kakanien?) spricht, schien Madrid das Rennen zu machen.
Die Überreste der barcelonsischen Fashion Week fanden gleichfalls diese Woche statt und wurden durch die der Messe wegen in der Stadt anwesenden Massen von Modemenschen natürlich aufgewertet. Die Headlines eroberte wieder einmal der Doyen der lokalen Szene, Antonio Miró, indem er in den alten Werfthallen eine Reihe schwarzafrikanischer Sans-Papiers auf den Laufsteg schickte. Im Publikum anwesend war auch Barças lange verletzter kamerunesischer Stürmerstar Eto’o, über den demnächst hoffentlich wieder in der Rubrik Barça! Barça!! Barça!!! zu berichten ist.
Hier aber noch einige weitere an Bread & Butter geschossene Bilder:
17. Januar 2007
7th Avenue über den Dächern
16. Januar 2007
Erweiterung des Hospital Sant Pau durch Bonell
Tant pis. Oben ein Rendering des (inzwischen vermutlich modifizierten) Projekts. Wie auf Google Earth zu sehen (oder zu erahnen), ist jetzt oberhalb des Krankenhauskomplexes die Metrostation der künftigen Linie 9 im Bau, und neben dem staubigen Fussballplatz bereits ein Sportzentrum für das Quartier entstanden. Hier ein Blick auf das alte Ensemble von Domènech i Montaner:
Das neun Cerdá-Blöcke umfassende Krankenhaus (1902-1930) ist zweifellos nicht nur als ornamentaler Coup de force, sondern mit seinen unterirdisch verbundenen Pavillons auch in organisatorischer Hinsicht ziemlich einzigartig.
A propos Biblioteca de Catalunya: dieser Tage wurde bekannt, dass sie (nebst einigen andern barcelonesischen Bibliotheken sowie der Madrider Complutense) ihre Bestände von Google digitalisieren und ins Netz stellen lässt, als eine der ersten ausserhalb des englischen Sprachraums.
12. Januar 2007
Fuses-Viader gewinnen den Wettbewerb für den Palais de Justice in Paris
10. Januar 2007
Velázquez Lava Super
Diesem dauernden Gemecker, am Born gebe es bloss noch lauter blitzsaubere Designläden für putzmuntere Modeaffen, muss doch mal widersprochen werden. Man sehe sich zum Beispiel diesen Waschsalonan der Calle Mirallers an. – Dabei erinnere ich mich an einen andern Gewerbetreibenden im Viertel, der seine Werkstatt gleichfalls mit Velázquez’ Venus im Spiegel dekoriert hatte, freilich mit einer von ihm eigenhändig gemalten Kopie. Malen war sein Hobby. Es war der Pneuhändler an der Calle Comercio, der sein Geschäft leider vor einigen Jahren geschlossen hat.
Post-Weihnachts-Post (Sittenverwilderung V)
In Spanien ist Murphys Gesetz – ungefähr: «Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen» – längst in die Alltagssprache eingegangen: «Es la ley de Murphy» (sprich Murfi), murmelt achselzuckend so ziemlich jeder Spanier, wenn mal wieder der schlimmstmögliche Fall eintritt. Auch mir kam das Wort über die Lippen, als Hochparterre International mit unfehlbarer Präzision kurz vor Weihnachten durch ein Serverproblem ausser Gefecht gesetzt wurde, so dass wir Blogeure Ihnen bis am 8. Januar forbidden blieben. Entschuldigung und Prosit Neujahr, gleichwohl.
Schlimmer, als es nun gekommen ist, hätte es übrigens auch für La Paloma nicht kommen können: die behördliche Drohung, den fabelhaften Ballsaal wegen Lärmbelästigung zu schliessen, wurde nach der Silvesterparty (im Bild) wahr gemacht. Das muss man sich mal vorstellen: 103 Jahre lang haben sich hier Barcelonas Nachtschwärmer vergnügt, und nun reichte das Gebelfer einiger (teils wohl neu zugezogener) Nachbarn, um ihnen den Garaus zu machen. Ist nicht vielleicht, kann man sich fragen, solch intolerantes Genörgel die wahre Sittenverwilderung?
Es sei allerdings nicht verschwiegen, dass La Paloma sich in den letzten fünfzehn Jahren stark gewandelt hat. Zwar spielt am frühen Abend (das heisst bis circa um halb zwei) weiterhin eine klassische Tanzkapelle für ein gemischtes und vorwiegend älteres Publikum auf: mehr oder weniger stilsichere Galans, mitgerissene Damen. Anschliessend aber übernehmen die DJs das Kommando, und dann kann es im Innern der Riesenmuschel, erst recht aber draussen in der schmalen Calle del Tigre, schon ein bisschen lärmiger, auch ungesitteter als früher zugehen.
Im Grunde geht es bei der ganzen Affäre wohl nur darum, wieviel die Stadt zur Schalldämmung des Saals beisteuert (obwohl der Strassenlärm sicher mehr Anwohner in Mitleidenschaft zieht). Was ich mir nicht – und was sich in Barcelona eigentlich niemand – vorstellen kann, ist, dass La Paloma auf immer geschlossen bleibt. Jede Wette, in einigen Wochen oder Monaten schiebt man nachts um drei wieder den winzigen Samtvorhang beiseite, der sich im Entrée auf diese Halluzination von einem Saal öffnet.
* * *
Der Paseo de Gracia, die Prachtstrasse par excellence, blieb dieses Jahr ohne Weihnachtsbeleuchtung. Niemand scheint sich darüber aufgehalten zu haben. Während Madrid nun sogar Weihnachtsfeuerwerke veranstaltet, reduziert Barcelona seit zehn Jahren kontinuierlich seinen öffentlichen Weihnachtsschmuck. In Zahlen: der dafür aufgewendete Stromkonsum wurde von 185'000 Euro (1996) auf 47'000 Euro (2006) gesenkt. Die schönen, an den Ramblas baumelnden gelben Ballons; blau leuchtende Schnüre über einigen Einkaufsstrassen sowie einige Überreste traditioneller Motive – das war’s schon. Am Heiligen Abend waren einige der gelben Ballonlampen geplatzt und hingen wie schrumplige Präservative über der Promenade. Es ist also doch noch Hoffnung für diese Stadt. Wenigstens beim Weihnachtsschmuck hat sie den Weg der Vernunft eingeschlagen.
* * *
Jahrelang war die Weihnachtskrippe an der Plaça Sant Jaume eine Spielwiese der Designer. Sah man Ende November den Aufbau in Gang kommen, war man jeweils gespannt, was sie sich wohl wieder hatten einfallen lassen. Oft waren es begehbare kleine Kunstlandschaften. Ob ein Christkind aus Plexiglas oder die Photosilhouetten pakistanischer Butangas-Austräger als Hirten: sosehr hatte man sich daran gewöhnt, hier ein modernes, oft auch gärtnerisch interessantes Belén anzutreffen, dass man diesmal richtig geschockt war. Den erstmals seit wohl zwanzig Jahren war die Installation dem «offiziellen» Krippenverein anvertraut worden, und der stellte denn auch ein furchtbar konventionelles, todlangweiliges Gebilde auf den Platz. Skandal! Über die Installationen der Designer konnte man immerhin geteilter Meinung sein. Hätte der Krippenverein, frage ich mich, nicht die Chance gehabt, deren Kaprizen durch eine wirklich schöne konventionelle Darstellung ad absurdum zu führen? Er hat sie nicht genutzt.
* * *
99 Prozent der Spanier verbringen den Jahreswechsel vor dem Fernseher, um zu jedem der zwölf von der Puerta del Sol in Madrid übertragenen Glockenschläge eine (angeblich Glück und Segen bringende) Weintraube in sich hineinzustopfen. So will es die furchtbare Tradition. Barcelona bot diesen Silvester eine wunderbare Alternative. Wir sahen uns die Première, ohne an Weintrauben zu ersticken, von unserer - ehem - Terrasse aus an:
Es sei allerdings nicht verschwiegen, dass La Paloma sich in den letzten fünfzehn Jahren stark gewandelt hat. Zwar spielt am frühen Abend (das heisst bis circa um halb zwei) weiterhin eine klassische Tanzkapelle für ein gemischtes und vorwiegend älteres Publikum auf: mehr oder weniger stilsichere Galans, mitgerissene Damen. Anschliessend aber übernehmen die DJs das Kommando, und dann kann es im Innern der Riesenmuschel, erst recht aber draussen in der schmalen Calle del Tigre, schon ein bisschen lärmiger, auch ungesitteter als früher zugehen.
Im Grunde geht es bei der ganzen Affäre wohl nur darum, wieviel die Stadt zur Schalldämmung des Saals beisteuert (obwohl der Strassenlärm sicher mehr Anwohner in Mitleidenschaft zieht). Was ich mir nicht – und was sich in Barcelona eigentlich niemand – vorstellen kann, ist, dass La Paloma auf immer geschlossen bleibt. Jede Wette, in einigen Wochen oder Monaten schiebt man nachts um drei wieder den winzigen Samtvorhang beiseite, der sich im Entrée auf diese Halluzination von einem Saal öffnet.
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Der Paseo de Gracia, die Prachtstrasse par excellence, blieb dieses Jahr ohne Weihnachtsbeleuchtung. Niemand scheint sich darüber aufgehalten zu haben. Während Madrid nun sogar Weihnachtsfeuerwerke veranstaltet, reduziert Barcelona seit zehn Jahren kontinuierlich seinen öffentlichen Weihnachtsschmuck. In Zahlen: der dafür aufgewendete Stromkonsum wurde von 185'000 Euro (1996) auf 47'000 Euro (2006) gesenkt. Die schönen, an den Ramblas baumelnden gelben Ballons; blau leuchtende Schnüre über einigen Einkaufsstrassen sowie einige Überreste traditioneller Motive – das war’s schon. Am Heiligen Abend waren einige der gelben Ballonlampen geplatzt und hingen wie schrumplige Präservative über der Promenade. Es ist also doch noch Hoffnung für diese Stadt. Wenigstens beim Weihnachtsschmuck hat sie den Weg der Vernunft eingeschlagen.
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Jahrelang war die Weihnachtskrippe an der Plaça Sant Jaume eine Spielwiese der Designer. Sah man Ende November den Aufbau in Gang kommen, war man jeweils gespannt, was sie sich wohl wieder hatten einfallen lassen. Oft waren es begehbare kleine Kunstlandschaften. Ob ein Christkind aus Plexiglas oder die Photosilhouetten pakistanischer Butangas-Austräger als Hirten: sosehr hatte man sich daran gewöhnt, hier ein modernes, oft auch gärtnerisch interessantes Belén anzutreffen, dass man diesmal richtig geschockt war. Den erstmals seit wohl zwanzig Jahren war die Installation dem «offiziellen» Krippenverein anvertraut worden, und der stellte denn auch ein furchtbar konventionelles, todlangweiliges Gebilde auf den Platz. Skandal! Über die Installationen der Designer konnte man immerhin geteilter Meinung sein. Hätte der Krippenverein, frage ich mich, nicht die Chance gehabt, deren Kaprizen durch eine wirklich schöne konventionelle Darstellung ad absurdum zu führen? Er hat sie nicht genutzt.
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99 Prozent der Spanier verbringen den Jahreswechsel vor dem Fernseher, um zu jedem der zwölf von der Puerta del Sol in Madrid übertragenen Glockenschläge eine (angeblich Glück und Segen bringende) Weintraube in sich hineinzustopfen. So will es die furchtbare Tradition. Barcelona bot diesen Silvester eine wunderbare Alternative. Wir sahen uns die Première, ohne an Weintrauben zu ersticken, von unserer - ehem - Terrasse aus an:
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