Markus Jakob

10. Oktober 2006

Gehrys zerzaustes Château für den Marqués de Riscal



Meine Themenliste quillt über, aber ich mach mir’s möglichst einfach und gebe hier zunächst von einer eher pompösen als aufregenden Eröffnung im Baskenland Kunde: In Elciego, Provinz Álava, die als Weinbaugebiet der denominación de origen La Rioja zugerechnet wird, hat Frank Gehry für Marqués de Riscal ein Luxushotel gebaut, das sich die Kellerei 70 Millionen Euro kosten liess. Schon vor Gehry haben Rafael Moneo (für Chivite) und Santiago Calatrava (für Ysios) Weingüter in Navarra bzw. La Rioja entworfen. Ohne das Gebäude gesehen zu haben, hat man von den Photos her den Eindruck, im Grunde handle es sich – nicht viel anders als beim nahen Guggenheim Bilbao – um einen räumlich nicht besonders inspirierten Bau, dem nur Buy Prednisone Online die hier vollends als Drapierung wirkenden zart getönten Titansegel das gewisse Etwas verleihen: eine «wunderbare Kreatur mit in alle Richtungen fliegendem Haar», Buy elavil so beschreibt sie ihr Schöpfer.

Demnächst kommt hier übrigens der Film in die Kinos, den Gehrys Freund Sidney Pollack über ihn gedreht hat, Sketches of Frank Gehry betitelt. Eva Hagberg zerreisst ihn in ihrem Blog als «another notch on the headboard of the Frank Gehry lovers, another point for the grandfatherly schlub schtick, and--sadly--a big lost opportunity to finally explain the mysteries of architecture».

6. Oktober 2006

Der Fänger im stockenden Verkehr

Hier als Nachtrag die passende Illustration zu meinem Lamento über den Taximangel in Barcelona. Der Autor, Christian Schärmer, ist mir hoffentlich nicht böse, dass ich seine Zeichnung aus dem hier auch schon erwähnten Wochenbulletin le cool gemaust habe.

5. Oktober 2006

Sittenverwilderung IV

Nach dem Gebäudeprüfer - vergleiche auch die Einträge zur Sittenverwilderung III und Buy Cialis Online target="_blank">III - habe ich eben eine weitere neue Spezies entdeckt, mit der uns die Stadt vor dem Zerfall, eben dem der Sitten, zu schützen versucht: den Promotor Cívic. Wie soll man das nun wieder übersetzen? Sittsamkeitsförderer? Manierlichkeitsassistent? Aufgabe der Dame, die sich als Argentinierin herausstellte, ist es, auf unsachgemäss entsorgtem Müll einen Kleber mit der Aufschrift ORDNUNGSWIDRIG HINTERLASSENER KREMPEL anzubringen und das so gekennzeichnete Depositum mit dem Handy im Bild festzuhalten. Was dann weiter geschieht, entzieht sich unserer Kenntnis, ebenso, wer die Uniform entworfen hat.

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2. Oktober 2006

Clickair hebt ab – auch nach Zürich

Buy mobic online alt="" width="117" height="90" />Wie in diesem Beitrag kurz berichtet, ist der Flughafen Barcelona bei Iberia trotz dem rasanten Wachstum seiner Passagierzahlen in Ungnade gefallen. Um die krasse Reduzierung der angeflogenen Destinationen zu Buy Cialis Professional Online kompensieren, versprach Iberia, künftig bis zu fünfzig Städte mit einer eigens zu gründenden Billig-Airline anzufliegen. Am 1. Oktober hat sie nun den Betrieb aufgenommen. Sie heisst nichtCatair, wie zunächst geplant, sondern Clickair. Zu den ersten Destinationen gehören Zürich und Genf.

1. Oktober 2006

[I] Enric Granados, Séneca und einige Diagonal-Schwingungen

Man muss immer das grosse Stadtfest abwarten, die Mercè am 24. September, bevor das sommerliche Siechtum für überwunden gelten kann. Vermischt mit allen möglichen weiteren Festivals (etwa der Sexmesse FICEB und dem ersten Auftritt eines gewissen George Michael nach fünfzehn Jahren) gestaltete sich die Rentrée auch diesmal so vehement, dass man ihr erst möglichst auswich. Das Stadtfest, das stets zu furchterregenden Menschenansammlungen geführt hatte, verbannte die spätnächtlichen Grooves erstmals in den Parc del Forum, der sich als neuer Stadtraum für derlei Grossveranstaltungen einmal mehr bewährte und – zusammen mit dem Regen – die innerstädtischen Schauplätze vor dem Kollaps bewahrte. Jetzt dürften jene allmählich verstummen, die die enorme Esplanade als überrissen bemäkelt hatten. Am letzten Festtag musste sie vor dem Ansturm von etwa 200’000 Schaulustigen sogar geschlossen werden. Sie nimmt maximal 160'000 Leute auf.

Tags darauf also konnte man sich in den göttlichen Herbst hinauswagen. Die Stadt schien vor Lust auf sich selbst zu platzen. Sirenen heulten, irgendein Demonstrationszug zog durch die Vía Layetana. Ich spazierte in den Eixample hinauf, schaute in einige Galerien: Bustamente bei Estrany, in der Galería Senda eine Ausstellung von Juan Navarro Baldeweg, dem Madrider Architekten, der sich auch als Maler betätigt – wobei gewisse formale Übereinstimmungen auffallen: links eine Aufnahme aus der Galerie, rechts sein noch im Bau befindliches Universitätsgebäude am Carrer Wellington (in einer Aufnahme vom August 2006).



Dann wechselte ich an die nach dem Komponisten Enric Granados benannte Strasse, deren Schild darüber informiert, dass Granados 1867 in Lleida geboren und 1916 EN MAR verstorben ist, womit nicht etwas ein Ort, sondern wirklich das Meer gemeint ist, wo sein Schiff und damit seine Lebensbahn kenterten.

Als verkehrsärmste Achse des Cerdá-Rasters war Enric Granados immer schon ein privilegierter Ort. Seit die Strasse vor einigen Jahren zur Promenade umgestaltet wurde, mit nur noch einer einzigen Fahrspur, haben sich nun auch vermehrt chice Betriebe hier angesiedelt.

In der Galerie N2 waren Photoübermalungen von Carlos Saura zu sehen (Architekten, Filmregisseure: alle scheinen mit dem Pinsel Entspannung von ihren nervigen Berufen zu suchen). Gleich gegenüber entdeckte ich einen Designerladen namens l’Appartement, der zur Zeit eine Ausstellung des hippen französischen Studios 5.5 Designers zeigt.




Ich nahm einen Kaffee in dem hier schon einmal erwähnten, überaus üppig gestylten Hotel Granados 83, in dem man zuhinterst diesen Hofgarten entdeckt. Keine Ahnung, wer der Entwerfer ist. Das Hotel soll diesen Sommer die Lounge-Mode, mit der verschiedene Hotels auch Einheimische auf ihre Dachterrassen lockten, angeführt haben.



Einige Schritte weiter erreichte ich die Diagonal und wollte mich vor soviel Modernität in der Nummer 407 in die Casa-Taller des Malers Rafael Durancamps retten, von der ich unlängst gehört habe: offenbar ein öffentlich zugängliches Relikt eines längst verblichenen bürgerlichen Lebensstils. Ich kam aber zehn Minuten zu spät und kann hier nur das immerhin soignierte Treppenhaus vorweisen.

Ich überquerte die Diagonale und an der Vía Augusta geriet mir dieses schöne Hotelschild in den Sucher, was mir den Hinweis auf ein jüngst neu afgelegtes Buch getsattet: Barcelona gráfica des Argentiniers America Sánchez, der Hunderte barcelonesischer Geschäftsschilder, Piktogramme usw. in diesem Band versammelt.

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Schon zuvor, noch an Enric Granados, Ecke Provenza, war mir diese renovierte Fassade ins Auge gestochen.

Steckte den Kopf kurz in den Ausstellungssal des CAATB, des Baumeisterverbands an der Calle Bon Pastor, wo die Schweizer Künstlerin Marieke Palocsay (Marika) unter dem Titel Efímer ihre im Barrio Chino entstandenen und inszenierten Aufnahmen von Brandmauern zeigt, jenes nach Aussen gekehrten Lebens nach Abrissen – hier und hier auf katalanisch einige Informationen zu dieser Arbeit.



Ich wunderte mich, wie lange ich nicht mehr durch die kurze Calle Séneca gekommen war, die die Vía Augusta mit Riera de San Miguel verbindet. Eine wunderbar durchmischte Strasse, an der etwa das Restaurant Roig Robí mit seinem Hofgarten liegt, an der es aber auch allerlei Werkstätten und Spelunken gibt, im Bild die Bar Ciudad. Der schwarz umrandete Eingang gehört zu irgendeinem weiteren Designerladen, und zu meinem Schrecken entdeckte ich hier auch die als Verbreiterin faschistischen Gedankenguts berüchtigte Librería Europa, die es also immer noch gibt.

Gleich gegenüber, Hausnummer 13, liegt ein Antiquariat, das in Barcelona wohl einzigartig ist. Es nennt sich Urbana, mit vollem Namen Compañía Urbana de Recuperación. Buy Diflucan Online Was da vor der Entsorgung gerettet wird, sind Gegenstände der industriellen Vergangenheit: von Balkongittern und Handläufen bis zu vielerlei






Die Eigentümer verstehen sich als eigentliche urbane Archäologen. Eines ihrer (unverkäuflichen) Prunkstücke ist übrigens eine von Cerdá unterzeichnete Kopie seines Erweiterungsplans für Barcelona. Leider scheint die Website des Ladens zur Zeit nicht zugänglich zu sein.

Zurück auf den grossen Avenuen, photographierte ich von der Diagonale aus die neue Fassade, die Carlos Ferrater dem einst als BASF-Haus bekannten Chaflán an der Ecke Paseo de Gracia/Rossellón verpasst hat. Die Fassade schreibt sich ein in Ferraters sehr ernsthaft, fast obsessiv betriebene Untersuchungen zwecks Gestaltung des Stadtbilds mit geometrischen Mitteln. Über diesen Post-Cerdiàner ein andermal mehr. Aus der Nähe sind allein schon die Spiegelungen in den grossen Schaufenstern des Erdgeschosses reizvoll.

27. September 2006

Die Elektrifizierung des Ziegels

Sag’s weiter: Die Verfassung muss umgewidmet werden, damit die Thronnachfolge als Bauzone ausgewiesen wird.

Die spanische Baubranche ist so mächtig geworden, dass sie in den letzten Tagen in das Übernahmegerangel um die spanischen Energiekonzerne eingegriffen hat. Man könnte es auch etwas unfeiner sagen: Die Bauhaie haben sich bei der Zubetonierung Spaniens, angetrieben durch Ströme von ihnen entrichteter Schmiergelder, inzwischen so dumm und dämlich verdient, dass sie mit diesem Geld nun um den Besitz der grossen Energieunternehmen des Landes mitpokern.

Gestern hat Acciona (Nummer 4 unter Spaniens Bauunternehmen) überraschend 10 Prozent der Aktien des Elektrizitäts-, Gas- und Wasserkonzerns Endesa erworben und eine Erhöung des Anteils auf 24,9 Prozent angekündigt. Eine noch grössere Tranche würde ein förmliches Übernahmeangebot erforderlich machen, wie es zuvor der katalanische Erdgaskonzern Gas Natural, später der deutsche Energieriese Eon unterbreitet hatten. Eon reagierte sofort mit einer Erhöhung seines Angebots von 25 auf 35 Euro pro Aktie, deren Börsenwert binnen Stunden annähernd in diese Höhe kletterte. Sollte Eon das Rennen machen, wird für Acciona immerhin ein satter Gewinn herausschauen.

Fast gleichzeitig stieg ein anderer spanischer Baugigant, die vom einstigen Real-Madrid-Präsidenten Florentino Pérez geleitete ACS (Nummer 1 in Spanien, Nummer 2 in Europa), beim baskischen Energieunternehmen Iberdrola ein. ACS ist bereits an der galicischen Unión Fenosa beteiligt, dem kleinsten der spanischen Energiekonzerne. Die Tageszeitung La Vanguardia hat denn auch den «elektrischen Ziegelstein» ausgerufen.

23. September 2006

Bombelli, Cadaqués und die Macba-Kapelle


Richard Hamilton 1975 in Cadaqués vor seinem Richard-Schild, Lanfranco Bombelli 2006 im Macba vor demselben Stück aus seiner Sammlung.

Wer Costa Brava sagt, muss auch Cadaqués sagen; aber nicht unbedingt Dalí. Dabei war es natürlich Dalí, der den Ort legendär gemacht hat. Nicht sosehr weil seine Bilder unter dem Einfluss dieser zugleich weichen und scharf konturierten Landschaft entstanden sind, den von der Tramontana leergefegten Gesteinsformationen am Cap de Creus. Vor allem war Cadaqués (wo Dalí schon vor dem Krieg lebte, um sich 1948 im benachbarten Port Lligat niederzulassen) Schauplatz vieler der von ihm so meisterlich inszenierten Eklats, die ihn zum ersten massenmedientauglichen Künstler überhaupt machten: der grosse Histrion, umgeben von andern Promis wie den Dichtern Lorca und Éluard, Gala natürlich und Amanda Lear.

Weniger bekannt ist, dass Cadaqués von einer ganzen Reihe anderer Künstler frequentiert wurde: Picasso und Man Ray zunächst, später John Cage, Richard Hamilton, Dieter Roth, Marcel Broodthaers und vor allem Marcel Duchamp, der seit den frühen 50er Jahren bis zu seinem Tod 1968 jedes Jahr die drei Sommermonate hier verbrachte. Er war es auch, der vermutlich die zuvor Genannten in Cadaqués einführte. Nicht zu vergessen, dass Duchamp, der sich die Zeit an der Costa Brava scheinbar nur mit Schachspielen vertrieb, hier sein letztes Hauptwerk Étant donnés austüftelte...

Kurz nach 1960 liessen sich auch zwei junge Architekten, Lanfranco Bombelli (italienisch-schweizerischer Abstammung, ETH-Absolvent) und sein Partner Peter Harnden hier nieder. Ihr Werk ist weitgehend unbeachtet geblieben. Dabei gehören die von ihnen in und um Cadaqués gebauten Villen – etwa die Casa Fasquelle gleich gegenüber Dalís Haus in Port Lligat – zum Fabelhaftesten, was es an der Küste gibt. (2002 erschien zu einer Ausstellung in Girona im Verlag des COAC Barcelona endlich eine Monographie, El Cadaqués de Peter Harnden i Lanfranco Bombelli, die ich leider nicht zur Hand habe. Im Internet findet sich praktisch keine Information. Dank meinem Freund Xavi Blanquer kann ich aber hier auf einige von ihm angefertigte 360°-Panoramen verlinken – die Casa Fasquelle (.mov), eine Attikawohnung (.mov) über Bombellis Galerie und die Villa Gloria (.mov) –, die im Netz nicht mehr zugänglich sind.) [see also Fasquelle House panorama at FieldOfView]

Bombellis Partner Harnden starb schon 1973. Noch im selben Jahr eröffnete Bombelli, der sich selbst auch als Maler versuchte – in dieser Disziplin (sein ETH-Background?) ganz der konkreten Kunst verschrieben –, die Galeria Cadaqués. Natürlich war er in dem für die Happy Few wie geschaffenen Kaff bald schon auch mit dem Duchamp-Kreis in Kontakt gekommen. So wurde die Galerie, obwohl nur stunden- bzw. saisonweise geöffnet, zu einer im damaligen Spanien einzigartigen Institution, die Hamilton und Roth ausstellte, aber auch Max Bill oder experimentierfreudige Katalanen wie Muntadas und Miralda.

Nun hat der Kurator Roland Groenenboom für das Museu d’Art Contemporani de Barcelona (Macba) unter dem Titel galería cadaqués eine Auswahl aus der Sammlung Bombelli zusammengestellt. Sie nimmt lediglich einen Saal des Museums ein; die Formate sind klein, viel Interessantes liegt in Vitrinen. Bei der Pressekonferenz wellbutrin sr wurde angedeutet, die Sammlung werde eventuell als Leihgabe ans Macba übergehen.

Sie würde bestens in dessen Bestände passen. Das zeigte die gleichzeitig eröffnete Präsentation der jüngsten Akquisitionen der Stiftung Macba. Ich habe mir flüchtig nur noch eines der beiden Geschosse angesehen, auf denen sie zusammen mit ausgewählten älteren Beständen einmal mehr aufzeigen, welche Linie das Museum unter der Leitung von Manuel Borja-Villel Nolvadex Online verfolgt. Schlüsselfiguren sind für ihn Broodthaers, Dieter Roth... und nicht nur, weil sie gern in Cadaqués sömmerten. Unter den neuen Werken stechen hervor: Eugènia Balcells, George Brecht (dessen Werküberblick im Erdgeschoss noch bis am 12. Oktober zu sehen ist), stanley brouwn (kürzlich in einer gleichfalls von Roland Groenenboom kuratierten Ausstellung im Macba zu sehen), James Coleman, und immer wieder Öyvind Fahlström. Zudem hat Cragie Horsfield vierzehn seiner 1996 im Auftrag der (damals von Borja-Villel geleiteten) Fundació Tàpies entstandenen Barceloneser Portraits als Depositum dem Macba überlassen. (Im Bild eines der Pictures For Bipeds, auf denen Roth und Hamilton sich gegenseitig porträtierten.)



An der Pressekonferenz sass der greise Bombelli neben dem Unternehmer Leopoldo Rodés, der die Stiftung Macba umsichtig leitet. In der Mitte aber, und auf ihn waren von Anfang an alle Mikrophone gerichtet, sass Kataloniens conseller de cultura, sprich Kulturminister, Ferrán Mascarell. Diese blitzblanke Figur hat mir auf einmal – ich sehe sonst nicht viele Politiker – das Wesen seines Métiers offenbart. In dem kleinen Saal wurde ohne Lautsprecherverstärkung gesprochen. Man verstand trotzdem alle einigermassen – bis auf Mascarell, der ausschliesslich in die vor ihm aufgebauten Mikrophone nuschelte und für die drei oder vier TV-Kameras geistvolle Blicke über die Tischfläche schweifen liess. Dieser Herr ist offensichtlich in einer andern Welt zu Hause: Man musste jederzeit befürchten, er löse sich gleich in Pixel auf; und dass er nach jeder seiner Interventionen sofort seinen Stuhl ein wenig nach hinten rückte, als möchte er gleich aufbrechen – nun, da seine Sendezeit vorüber war –, erschien wie ein Ausbruchsversuch in die dreidimensionale Wirklichkeit, in der man ihn sich gar nicht vorstellen kann. Ich erzähle das nur, weil ich noch nie leibhaftig ein Individuum gesehen habe, das diesen Grad an medialer Abgehobenheit erreicht hat wie der katalanische Kulturminister.

Mascarell (welch trefflicher Name: das Mäskchen?) hätte sich übrigens gar nicht ins Macba bemüht, wäre es bloss um die Sammlung Bombelli oder die Neupräsentation jener des Museums gegangen. Er weihte jedoch zugleich die erste Erweiterung des Museums ein: die Capilla dels Angels, eine schräg gegenüber dem Richard-Meier-Bau liegende Kirche. Die Architekten Clotet-Paricio haben den (schon lange nicht mehr als solchen benützten) Kirchenraum mit spärlichen Eingriffen in einen Ausstellungsraum verwandelt. Im Bild ein kleines Seitenschiff mit Helen Levitts frühem (1952) Asphalt-Documentary In the Street, East Harlem.