Markus Jakob

31. August 2006

Kaniküles Potpourri / 2

Schöne Filme gab es wie jeden Sommer unter anderem (gratis, daher leider meist furchtbar überlaufen) in bzw. bei den Gandules zu sehen, was auf spanisch soviel wie Faulpelze heisst, auf katalanisch aber auch Liegestühle. Eben solche werden im August jeweils im Patio des CCCB ausgebreitet. Hier das Programm, das heute zu Ende geht.

Unfassliches geschieht wieder in der Politik. Mir nichts dir nichts kriegen wir einen neuen Bürgermeister. Rochaden in der sozialistischen Partei, um nicht zu sagen: Postenschacher. Einst von Maragall auf den Posten gehisst, als dieser sich anschickte, die katalanische Generalitat zu erobern, übergibt nun auch der inzwischen ziemlich ausgebrannt wirkende Joan Clos sein Amt mitten in der Legislaturperiode einem Nachfolger. Der heisst ausgerechnet Hereu, Jordi Hereu, auf deutsch: der Erbe. Ein 40jähriger Apparatschik, den kaum jemand kennt. Bis zu den Lokalwahlen nächsten Frühling werden wir mit seinem pausbäckigen Gesicht zweifellos zur Genüge vertraut gemacht werden. Clos geht nach Madrid, wo er den Posten des Innenministers übernimmt, den bisher Montilla innehatte, der ja seinerseits – hier wurde erklärt, warum – zum Nachfolger Maragalls bestimmt ist.


Ich habe bereits einen Wunsch an Herrn Hereu: er möchte bitte mit diesen unsäglichen Vehikeln aufräumen, Trixis genannt, die diesen Sommer auf lebensgefährliche Weise (der Beweis auf dieser Bilderserie) Touristen durch die Stadt kutschieren.

Vor allem aber sind sie einfach eine ästhetische Beleidigung.

Schöner anzusehen sind die Camions der Firma Moritz, die auch noch nicht sehr lange zum Stadtbild gehören. Moritz ist zweifellos das Bier des Jahres. Die Traditionsbrauerei, einst von einem Elsässer gegründet, verschwand vor Jahrzehnten vom Markt und ist nun fulminant neu auferstanden. Unter anderem wurde der alte Hauptsitz an der Ronda San Antonio von Jean Nouvel renoviert, wie man auf der Webseite der Firma unter anderem erfährt.Zu ihrem Fuhrpark gehören tatsächlich auch zahlreiche alte Seiscientos, wie der Cinquecento in der Version von SEAT heisst. Im Bild die Spielzeugversion, abgelichtet auf meinem Balkon, auf dem der seinerzeit vom Ayuntamiento gespendete Samen aufgegangen ist und sich als Kletterpflanze erwiesen hat, die in den letzten Tagen sogar einige schüchterne Blüten getrieben hat.





Manchmal träume ich davon, selbst einen kleinen Lieferwagen zu besitzen, damit im Quartier herumzukurven und die Bars mit Eiswürfeln zu versorgen, so wie es auf diesen Bildern Tito und der Hielo Express tun.

30. August 2006

Kaniküles Potpourri / 1



Eiscrème-Design, das wäre doch ein schönes Sommersujet gewesen. Oder Postkarten: wichtige Dinge in einem Land, in dem es mehr Touristen als Eingeborene zu geben scheint. Die Statistik untermauert das gewissermassen: Katalonien mit seinen 7 Millionen Einwohnern wurde in den ersten sechs Monaten 2006 – also noch vor dem Juli- und August-Tourorismus – von 8,6 Millionen Ausländern besucht. Im selben Zeitraum legten in Barcelona 186 Kreuzfahrtschiffe an. Auch ein gutes Geschäft, diese Tausendschaften ausspuckenden schwimmenden Städte.

Da erscheint es, wie gesagt, ratsam, dass die Postkarten gut gestylt sind. Und sie sind es. In den letzten Jahren wurden einige Serien kreiert, die auch Leute, die andere Städte auf der Suche nach einer halbwegs präsentablen Ansichtskarte tagelang vergeblich durchstreifen, guten Gewissens verschicken können. Im Bild die wawas genannten Bijous. Im Hintergrund übrigens die Südseite von Miralles’ Mercat de la Santa Caterina. Auch dieser Markst ist mittlerweile ein Postkartensujet, und nicht nur für wawas. Die blinde, bisher unansehnliche Südseite des Marktgevierts wurde unlängst in einem weiteren gestalterischen coup de force in dieses Gebilde verwandelt:


Der monumentale Doppelbrunnen im Zentrum hält wohl niemanden vom Gang an die Strände ab, wo das Wasser diesen Sommer zeitweise fast 30 Grad erreichte, und obwohl man es dort – vermutlich eben der hohen Wassertemperaturen wegen – mit immer zahlreicheren und grösseren Quallen zu tun bekommt. Um das Design dieser schönen, aber unliebsamen Kreaturen braucht sich freilich niemand zu kümmern.

Thema Fussball. Barça hat die Bayern in einem Vorsaisonspiel 4:0 abgefertigt, dann gegen Sevilla 0:3 verloren (im Spiel des Champions-League- gegen den Uefa-Cup-Sieger), im ersten Meisterschaftsspiel in Vigo gegen Celta wieder 3:2 gewonnen. Tore von Buy Prednisone Online Eto’s, Messi und – kurz vor Schluss – der Siegestreffer des neu von Chelsea zugezogenen Isländers Gudjohnson. Hm, und in den Gruppenspielen der Champions League wurde Barça wieder Chelsea zugelost...

In den letzten Tagen sah es in den spanischen Zeitugen gar nicht nach Sauregurkenzeit aus. Eines der Hauptthemen waren die zu Tausenden in ihren Barkassen auf den Kanarischen Inseln anlandenden Immigranten. Viele dieser aus Senegal und Mauretanien unter Lebensgefahr nach Teneriffa – oder welche Insel sie immer erreichen, wenn sie denn eine erreichen – übersetzenden Schwarzafrikaner wurden mittlerweile aufs Festland überführt. Auch nach Barcelona, wo sie im jüngst eröffneten Auffanglager in der Zona Franca mit einem Sandwich und etwas Taschengeld ausgestattet und dann in die fremde Welt entlassen wurden, als Sans-Papiers und Herkunftslose (zu denen sie sich, um die unmittelbare Rückschaffung zu verhindern selbst gemacht haben).

Thema Sittenverwilderung: die Fiesta in Gracia ging praktisch ohne gewaltsame Auseinandersetzungen zu Ende, weil die Polizei anders als letzten Sommer davon absah, die Einhaltung der Sperrstunde für das Volksfest (03:30) durchzusetzen. So erwies sich zwar die neue Sittenverordnung einmal mehr als Papiertiger und die Anwohner hatten sich bis ins Morgengrauen betrommeln und ihre Strassen bepissen zu lassen, aber wenigstens wurden jene unangenehmen Schlagzeilen vermieden, Barcelonas Jugend habe (mit tatkräftiger Hilfe unzähliger guiris, wie Ortsfremde hier heissen) Strassenschlachten entfesselt, bloss um ihr Recht einzufordern, auch um fünf Uhr früh nach Belieben herumgrölen zu können.


Zu lesen war auch, dass Woody Allen nächsten Sommer nach seinen drei London-Filmen – der dritte ist eben in Arbeit – einen Barcelona-Film drehen wird. Ob er das Delirium, das der Sommer hier Buy elavil im Grunde ist, irgendwie einzufangen verstehen wird? Diese Chinesen zum Beispiel, die an den Ramblas auf der Terrasse von McDonald’s – sobald dieser gegen zwei Uhr schliesst – den Passanten Massagen anbieten?

16. August 2006

Neue Nachbarn oder Die Porxos d’en Fontseré



To make a long tale short: Ich lebe seit Jahren auf einer Baustelle. Erst war’s das Haus, in dem ich zur Miete wohne, das praktisch entkernt wurde. Meine Wohnung blieb als einzige so wie sie war: ein Museumsstück nunmehr.
Gebaut wird jetzt aber auch auf dem Nachbargrundstück. Hier entsteht - nur äusserlich zwar - ein Klon jener einheitlichen Häuserreihen, die das Geviert um den Mercat del Born charakterisieren. Am Parc de la Ciutadella entlang zieht sich, von Arkaden gesäumt, der Paseo de Picasso: die Porxos d’en Fontseré, wie sie auch genannt werden, nach jenem Architekten, Josep Fontseré, der sie geplant hat, von dem aber auch die Markthalle und der Entwurf des Parks stammen, und in diesem wiederum das wunderbare Gewächshaus (Umbracle) sowie die grosse Kaskade, an welcher der junge Gaudí als Lehrling mitarbeitete. Dieser Fontseré konnte hier anscheinend schalten und walten, wie es ihm beliebte.

Es waren die Jahre zwischen dem 1860 angenommenen Plan Cerdá und der Weltausstellung, die 1888 auf eben diesem Gelände stattfinden sollte. Cerdás Stadterweiterungsplan war jenem Fontserés vorgezogen worden. Ein Jahrzehnt später aber konnte dieser seine zwar konventionelleren, zeremonielleren, in konstruktiver Hinsicht indessen sehr modernen Vorstellungen trotzdem grossräumig verwirklichen, ohne auf Cerdás Plan Rücksicht zu nehmen, zudem auf einem für die Stadt in mehrerer Hinsicht bedeutungsvollen Gelände: dem der vormaligen, von den Bourbonen errichteten Festung (daher der Name Parc de la Ciutadella). Ihr hatte seinerseits nach der katalanischen Niederlage im Spanischen Erbfolgekrieg 1714 ein ganzes Altstadtviertel weichen müssen – ein höchst symbolträchtiger Urbanizid, auf den dieser NZZ-Artikel über den Mercat del Born etwas näher eingeht (im Bild der gegenwärtige Zustand).


Ruinen des nach 1714 zerstörten und durch die Zitadelle ersetzten Viertels sind nicht nur in der Markthalle ausgegraben worden, sondern auch, wie ich Tag für Tag von meinem Fenster aus beobachten konnte, auf meinem Nachbargrundstück. Fontserés Überbauungsplan war gerade am Parkrand, zweifellos weil den Erbauern das Geld ausgegangen war, unvollendet geblieben. Der arkadengesäumte Paseo Picasso, diese Rue de Rivoli à la barcelonaise, hatte seine Zahnlücken, die durch schäbige ein- und zweigeschossige Zweckbauten gefüllt worden waren, Ableger des 1972 geschlossenen Grossmarkts. Noch heute gibt es hier einige phantastische En-Gros-Handlungen - Konserven, Bacalao, Hülsenfrüchte in unerahnten Varietäten. Halb grandios, halb verlottert – für mich machte gerade diese Ambiguität den Charme der Strasse aus.



Stadtplaner sehen das anders, ebenso – seit sich das angrenzende Altstadtquartier zum Modeviertel und Liebkind der Immobilienbranche entwickelt hat – Investoren und Promoter. Es war die Stadt selbst, die das fragliche Grundstück (nebst zwei weiteren am Paseo) vor einigen Jahren an den Meistbietenden verkauft hat: zu einem Preis, der damals schon Wohnungen à 6000 Euro pro Quadratmeter voraussehen liess. Inzwischen dürfte ein 100-Quadratmeter-Apartment hier fast eine Million kosten.

Lange hatte sich meine Nachbarschaft aus ziemlich seltsamem Gelichter zusammengesetzt. Dann hatte ich überhaupt keine Nachbarn mehr. Nun werden lauter Bobos hier einziehen. (Heute fand ich im Treppenhaus einen Brief für einen gewissen Thierry Ququ, der schon Post erhält, bevor er seine Wohnung im Prinicipal bezogen hat. Die ersten neuen Nachbarn, die ich mit eigenen Augen sah, waren zwei homosexuelle Briten mit einem Kleinkind.)

Das wird auch im Nachbarhaus nicht anders sein, dessen Rohbau nun vollendet ist. Noch vor einem Jahr scharrten hier Scharen von Archäologen, die den Bau zwar nicht verhindern konnten, aber die Architekten doch zu einer ziemlich vertrackten Fundamentierung nötigten, um die spätmittelalterlichen Ruinen zu verschonen, welche zuletzt – ich traute meinen Augen nicht – sorgsam in weisse Planen gehüllt wurden, so dass in hundert Jahren, wenn es dann noch Altertumsforscher gibt, ein Kollege die altkatalanischen Trümmer wieder in Augenschein nehmen kann. Ruinenbegeisterung nennt man das.





Dann begann der Bau zu wachsen. Monatelang durfte ich tagein tagaus dem Zusägen der Schalbretter lauschen, und endlich erreichte das Skelett das vierte Geschoss und wurde mit einem Attiko abgeschlossen, das mir nun das Entrée, die Küche und das Bad verdunkeln wird. Meine eigene Wohnung ist fast zwanzig Meter tief, die heutige Bauordnung gestattet hingegen nur noch zwölf Meter – unglücklicherweise gerade genug, um den kleinen Lichthof zu schliessen, auf den die zentralen Teile der Wohnung gehen. – Weitere Bilder des Baufortschritts in dieser Galerie.

14. August 2006

Paseo Picasso, Baulücke

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Nicht dass es mir eigentlich gefiele, dieses neulich mit Hilfe eines Krans an meiner Strasse entstandene Mural; aber seltsam wirkt es schon. Wirklich entzückend hingegen die mit einer Schablone auf die Baubaracke gebrachte Büglerin.

7. August 2006

Der Parc de Recerca Biomèdica von Brullet und Pineda




Was ist nun das wieder für ein Gebilde, das da in der Barceloneta, zwischen dem Hotel Arts und Miralles´ Gas-Natural-Hauptsitz, emporgewachsen ist? Es handelt sich um den Biomedizinischen Forschungspark Barcelona (PRBB), mit dem die Stadt und die Region sich als einer der führenden europäischen Standorte für Biowissenschaften zu etablieren versuchen. Näheres darüber auf der Website Buy mobic online des Instituts, weitere Bilder in dieser Galerie.

Der Entwurf stammt von Manuel Brullet und dem auf Hospitäler spezialiserten Albert de Pineda. Brullet zufolge war die Absicht dabei keineswegs, das Bestiarium singulärer Gebäude um ein weiteres Spezimen zu erweitern. Vielmehr gehorche die ungewöhnliche Form funktionalen Ansprüchen und dem Willen, sich in den Kontext zu fügen. (Letzteres ist bei andern Bauten Brullets, namentlich der benachbarten Erweiterung des Hospital del Mar, leichter nachvollziehbar.)

Das ursprünglich 25'000 Quadratmeter messende Grundstück, das er mit einem pavillonartigen Ensemble überbaut hätte, schrumpfte schliesslich auf 9000 Quadratmeter zusammen, so dass ein kompakterer Bau unumgänglich war. Brullet verwarf erste Versuche mit kubischen Volumen, um schliesslich auf diesen stumpfen Kegel zu kommen, mit elliptischem Grundriss und abgeschrägtem Solarzellen-Dach. Zum Meer hin lediglich viergeschossig, erhebt sich die Rückseite zur Ronda Litoral hin neun Stockwerke hoch. In seinem Innern lässt der Kegelstumpf eine Art Kreuzgang offen.

Neben der Schaffung von Laboratorien und Büros für achtzig Forschungsequipen – es werden bis zu tausend Wissenschafter hier arbeiten – sollten möglichst zahlreiche dem Gedankenaustausch förderliche Begegnungszonen entstehen. Daher die perimetralen Terrasen, der zum Paseo Marítimo hin offene «Kreuzgang» und das «hängende» Auditorium mit seinen 250 Sitzplätzen. Zwei grosse T-förmige Pylonen, von denen die Geschosse abgehängt sind, bilden die Tragstruktur. Dies erlaubte es, das Erdgeschoss als durchlässigen urbanen Raum zu gestalten. In den beiden Untergeschossen sind ein Gym, 300 Parkplätze und ein 3'000 Quadratmeter messendes Tierlabor untergebracht. Und um den Bau mit seinen 55'000 Quadratmetern Nutzfläche von aussen weniger wuchtig erscheinen zu lassen, umhüllt eine durchgehende Jalousie aus roter kanadischer Zeder die umlaufenden Terrassen.

Vor Jahren habe ich Brullet in seinem Studio im Soussol eines der interessantesten Wohnhäuser der 1970er Jahren besucht, einem Bau von Francesc Rius an der steilen Avenida del Coll del Portell. Inzwischen hat Brullet noch exquisitere Räume an derselben Strasse bezogen: in der Casa Vilaró (1930) von Sixte Illescas, die als erstes rationalistisches Einfamilienhaus Spaniens gilt.Buy Cialis Professional Online src="http://markus-jakob.net/wp-content/uploads/2010/07/mob494_1154968993.jpg" alt="" title="mob494_1154968993" width="198" height="88" class="alignleft size-full wp-image-1103" />

4. August 2006

Sittenverwilderung III



Sass gestern friedlich im Strassencafé an Allada Vermell, als oben am Platz plötzlich eine Strassenschlacht ausbrach: offenbar zwei rivalisierende Gangs. Als kämpften sie bei rauhem Seegang auf einem Schiffsdeck, drifteten die zwanzig oder dreissig ineinander verkeilten Leiber mal nach links, mal nach rechts, um schliesslich unter anhaltendem Gebrüll in der Calle Carders zu verschwinden. Noch so ein Problem, diese Gangs lateinamerikanischer Immigrantenkids; die bekanntesten, mit New Yorker Stammbaum, sind Los Ñetas und die Latin Kings.

Ich wollte eigentlich bloss noch einmal auf die «Verordnung betreffend die gute Gesittung» zurückkommen, die Ordenanza del civismo, die bereits hier und hier zur Sprache kam: diesen Versuch der Stadt Barcelona, ihre Bewohner (und ihre Besucher) Mores zu lehren. Jetzt erst, da der Hochsommer und mithin die Hochsaison der Sittenverwilderung da ist, lässt sich ermessen, wie diese ganz schön rabiat klingenden Vorschriften in die Praxis umgesetzt werden. Wobei die eigentliche Feuerprobe, das in den letzten Jahren zur allnächtlichen Strassenschlacht degenerierte Quartierfest in Gracia in der zweiten Augusthälfte, noch bevorsteht.

Mitte Juni verlautete, die Polizei habe seit Inkrafttreten der Verordnung 17'000 Geldstrafen verhängt, darunter 1594 für öffentliches Urinieren, 3322 für Graffiti und Sprayereien i.A., 5500 für ambulanten Handel, 1320 für die trileros (die Glücksspiel-Schwindler), usw.

2030 Bussen betrafen den Strassenstrich, das umstrittenste Kapitel der Verordnung; weitere 23 wurden wegen öffentlichen Kopulierens verhängt. Letztere gehören zu den teuersten, 1500 bis 3000 Euro pro Missetat. Die Tarife sind allerdings generell sehr happig. Trotzdem wurden die reellen Einnahmen nach fünf Monaten auf gerade 76'000 Euro beziffert: die Zahlungsmoral lässt in solchen Fällen zu wünschen übrig, und im übrigen kann man auch Rekurs einlegen. Cash bezahlt haben – vermutlich um sich die schriftliche Anzeige zu ersparen – mehrheitlich nur die Freier (die sich genauso strafbar machen wie die Strassenmädchen).

Und nun ein paar die Ordenanza betreffende Buy Diflucan Online Beobachtungen aus der wirklichen Hitze der Nacht:

1.) Abends Buy rulide um neun halten vor dem Corte Inglés – das Kaufhaus schliesst um zehn – die Strassenhändler ihre Ware auf schnell zusammenzuraffenden Decken feil. Sonnenbrillen aller Marken, gefälschte Louis-Vuitton-Täschchen sonderzahl liegen noch weit Paseo-de-Gracia-aufwärts auf den (echten?) Gaudí-Fliesen aus. Das Top Manta genannte Geschäft scheint wie eh und je zu laufen – und wegzulaufen, sobald die Polizei erscheint. Wie eh und je, denn legal war es nie. Bloss die Strafen sind nun drakonischer. Auch der mannigfaltige weitere ambulante Handel blüht. Die pakistanischen Bierverkäufer benützen die allgegenwärtigen Abfallkörbe als Zwichenlager für ihre Ware. Einige dieser lateros haben jetzt vorausblickend in ohnehin verbotene Substanzen diversifiziert.

2.) Vor dem Macba brettern abends um elf die Skater scharenweise vor den auf Richard Meiers langem, menschenfreundlichen Mäuerchen wie Vögel aufgereihten Kiebitzen (die allerdings gar nicht hingucken). Gegen Mitternacht erscheint eine Patrouille und weist sie weg – freilich ohne die theoretisch bis zu 700 Euro reichenden Strafgelder einzufordern. Als Anwohner würde ich resignieren – so wie ich einst das jahrelang anhaltende Bongo-Getrommel im Park gegenüber meiner Wohnung schon als unvermeidlich hinzunehmen begonnen hatte, als die Stadtpolizei ihm eines Tages doch ein Ende setzte.

3.) An der Plaza Real: business as usual. Allerdings gibt es die nächtlichen Sit-ins nicht mehr, die noch letzten Sommer eher unangenehm auffielen, bestritten von Asphalthöcklern aus dem hohen Norden (mindestens ein paar Milanesi waren zwar auch immer dabei), denen die örtlichen Bierpreise nicht passten. Vielleicht werden diese Knauser jetzt einfach weggesprüht? Denn die Jungs von BCNeta sind mit ihren gelben Schläuchen heuer eifriger bei der Sache denn je. Keine Gasse, die nach Mitternacht nicht abgespritzt wird («Hose ´em away» , wie mein Freund Rahul jeweils sagte), und wer mit Espadrilles unterwegs ist, wird sich nach den Gängen über den nassen Asphalt alsbald in La Manual Alpargatera ein neues Paar kaufen müssen.

Kleine Nebenfrage: War nicht an der Plaza Real einst das gelegentliche Auftauchen, die Zeitlupenein- und rundfahrt eines Patrouillenwagens um den Platz herum, viel einschüchternder als jetzt die ständige Bereitschaftsstellung der neuen katalanischen Polizeitruppe, der ach so schnieken und trotzdem das Auge beleidigenden Mossos d'Esquadra, an einer der Platzflanken?

Kurz und gut: In der Praxis ist aus der präventiven Repression bisher nicht viel geworden. Die gesellschaftliche Wirklichkeit lässt sich gottseidank nicht mit ein paar Vorschriften aus der Welt schaffen. Auf den besonders absurden Versuch, dem Strassenstrich den Garaus zu machen, ist demnächst zurückzukommen.

3. August 2006

Flughafen-Streik – Die Inkompetenz der Inkompetenten

Je näher man das Flughafendebakel der vergangenen Woche anblickt, desto ferner blickt es zurück. Niemand in Barcelona scheint mehr begreifen zu können, wie geschehen konnte, was geschah: dass ein Teil des Bodenpersonals einer privaten Fluggesellschaft – 400 Mitarbeiter von Iberia – mit einem wilden Streik ein Chaos auszulösen vermochten, das die Reisepläne von über 100'000 Passagieren durchkreuzte, unzählige weitere in Mitleidenschaft zog und die Terminals während des ganzen Wochenendes in ein enormes Camping verwandelte. Zu schweigen von der gefährlichen Situation, Dutzende über der Stadt kreisender Flugzeuge am Landen zu hindern. («Il n'est pas donné à tout le monde d'aller à Barcelone», wie schon Picabia sagte.) Nur die Taxifahrer rieben sich die Hände – viele von ihnen brachten verzweifelte Reisende bis nach Paris (Tarif: 1100 Euro), Genf oder Madrid (700 Euro).

Jetzt scheint der Moment gekommen, ein paar Fragen zu stellen. Warum hat die Polizei die Meuterer nicht augenblicklich und notfalls gewaltsam von den Pisten vertrieben? Es wäre zu gefährlich gewesen, hiess es erst: schon wegen des kerosingetränkten Asphalts. Später wurde angeführt, es hätte an der Situation nichts geändert: der Flugbetrieb wäre durch den Streik des Handling-Personals ohnehin Buy micardis online lahmgelegt geblieben. Man kann Streikende ja nicht gut an die Arbeit zurückprügeln.

Wer war überhaupt zuständig, wer hatte die Entscheidungen zu treffen? Der schwarze Peter liegt bei der Luftfahrtbehörde AENA und bei Iberia. Dass das Verhältnis von Iberia zu Barcelona nicht das beste ist, wurde hier jüngt angedeutet. Die katalanische Regierung fordert seit Jahren die Oberhoheit über den Flughafen, der ihres Erachtens von AENA gegenüber Madrid benachteiligt wird. Doch nicht einmal das jüngst abgesegnete neue Autonomiestatut räumt ihr diese Kompetenz ein. Trotzdem hat die Opposition gestern bei einem Hearing im katalanischen Parlament die Unfähigkeit der Regierung Maragall gegeisselt – «die Inkompetenz der Kompetenzlosen», mokierte sich La Vanguardia.

Nun wird es Klagen hageln einerseits von geschädigten Passagieren, andererseits hat ein örtlicher Richter gegen die Streikenden ein Ermittlungsverfahren wegen Gefährdung der Flugsicherheit und wegen Freiheitsberaubung (die 100'000 festsitzenden Passagiere) eingeleitet.

Natürlich sorgt man sich nun allerseits um den Imageschaden, den die Stadt dadurch erlitten hat. Dabei hatte sie freilich Glück im Unglück. Seltsamerweise überging die internationale Presse – sehr im Gegensatz zur spanischen – das Chaos in Barcelona fast vollständig. Zeitungen wie Le Monde, FAZ, NZZ oder The Guardian war es nicht einmal eine Agenturmeldung wert. Was wiederum beweist, dass Barcelona eben doch eine zweitrangige Stadt ist, denn dasselbe Desaster in Mailand oder Paris hätte zweifellos ein anderes Echo gefunden.

Hier zum Trost noch ein fast ebenso chaotisch anmutendes Bild von der Baustelle des neuen Terminals, das die Kapazität des Flughafens auf über 50 Millionen Passagiere im Jahr erhöhen soll:

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