Markus Jakob

20. Dezember 2006

Can Ricart, die Okupa-Bewegung und der neue Alcalde



Anders als es dieser Eintrag vorhersehen liess, ist in Can Ricart keine Ruhe eingekehrt. Ende November wurde das grosse alte Fabrikgeviert von einer Zirkusartistengruppe namens La Makabra besetzt, die kurz zuvor aus einem andern Industriebau im Pueblo Nuevo vertrieben worden war. Die für den Totalerhalt von Can Ricart kämpfenden Gruppen geben trotz der erreichten Kompromisslösung nicht auf, und es fehlt ihnen nicht an Argumenten. Denn zweifellos ist das Ensemble als Ganzes ein Industriedenkmal ersten Ranges und als solches schützenswert. Trotzdem hat die Stadtregierung bereits wieder die (friedlich verlaufene) Räumung angeordnet, und es sieht danach aus, als stünden erste Abrisse nun kurz bevor.

Der neue Bürgermeister Jordi Hereu – seine unvermittelt erfolgte Ernennung wurde in diesem Posting erwähnt – hat sich dabei trotz seinem pummeligen Schmunzelgesicht als Hardliner geoutet. Als vom Himmel gefallener Stadtvater muss er sich vor der Bürgerschaft ja erstmal profilieren, bevor er sich nächsten Frühling den Wahlen stellt. Heute lag dieser Prospekt, mit dem die Sozialisten seinen schwachen Bekanntheitsgrad zu erhöhen versuchen, in sämtlichen Briefkästen der Stadt.




Vor einer Woche, kurz nach der Ausbootung der Squatter aus Can Ricart, präsentierte Hereu im Mercat del Born seine «Kulturstrategie» (Plan Estratégico de Cultura) für Barcelona. Als der Opern- und Theaterregisseur Calixto Bieito (Bildmitte) - weiteres hier (.pdf)- das Wort ergriff, stürmten vier splitternackte Mitglieder von La Makabra die Bühne; für den skandalerprobten Regisseur nicht gerade ein ungewohnter Anblick, doch konnte er seine Ausführungen nicht beenden, während sich der Bürgermeister, wie oben zu sehen, mit einem blöden Grinsen aus der Affäre zog, an das wir uns nun wohl zu gewöhnen haben. Über Barcelonas «strategischen Kulturplan», der doch eigentlich im Zentrum des Anlasses stand, war aus der Presse so gut wie nichts zu erfahren.

Die von den Medien aufmerksam verfolgten Vorgänge um Can Ricart haben die Besetzerszene, hier Okupas genannt, generell wieder ins Rampenlicht gerückt. So wurde publik, dass es in Barcelona dieses Jahr zu nicht weniger als 150 Räumungen besetzter Häuser kam, mehrheitlich ohne Anteilnahme der Öffentlichkeit. Da die Okupas aber nach dem Motto handeln, für jedes geräumte Haus sei ein neues zu besetzen, wird deren Zahl nach wie vor auf etwa 200 geschätzt, 300 gar, wenn man die Vorstädte dazurechnet. Diesen Zahlen steht freilich ein Leerwohnungsbestand von 70'000 (laut dem Einwohnerregister) oder doch mindestens 20'000 (gemäss urbanan Feldforschungen) gegenüber. Gracia und Sants sind die bevorzugten Distrikte der Okupa-Bewegung.

Die Bilder zu diesem Beitrag sind schon einige Jahre alt; sie entstanden im Park Güell.

Bei anderer Gelegenheit ist auf das Wohnungsproblem in einem erweiterten Kontext zurückzukommen – unter anderem auf das Paradox des hohen Leerwohnungsbestands und den im untenstehenden Eintrag angedeuteten Rekorden der spanischen Bauindustrie, die dieses Jahr erneut über 800'000 neue Wohnungen zu immer horrenderen Preisen auf den Markt geworfen hat.

Der Bauunternehmer als Erzganove

Spaniens Bösewicht der Woche war für einmal weder ein mit Schmiergeldern um sich werfender Bauunternehmer noch ein korrupter Bürgermeister, sondern der Chef der Luftfahrtgesellschaft Air Madrid, die wie hier gemeldet Mitte Dezember ihren Betrieb eingestellt hat, kurz bevor ihr ohnehin die Lizenz entzogen wurde. Als Grund für letzteres wurden vom zuständigen Ministerium nicht nur die chronischen Verspätungen, sondern auch schwere Sicherheitsmängel genannt. Geprellt sahen sich 300’000 Kunden, die ihre Tickets bereits gebucht hatten: mehrheitlich in Spanien lebende Lateinamerikaner, die über die Feiertage nach Hause reisen wollten, denn Air Madrid bediente vor allem die Südatlantikrouten. Die Zahl der Passagiere, die ihren Hinflug mit Air Madrid noch absolvieren konnten, nun aber selber sehen müssen, wie sie wieder nach Hause kommen, wurde auf 130'000 nach oben korrigiert. Die entsprechenden Bilder von in den Terminals von Madrid und Barcelona, vermutlich auch Quito, Buenos Aires usw. campierenden Menschen füllen dieser Tage die Zeitungen.

Inzwischen wurde bekannt, dass es sich beim Gründer und Direktor dieser Airline, José Luis Carrillo, um einen Selfmademan handelt, der sein Geld zuvor in der Hotellerie und Bauwirtschaft gemacht hat. Also doch wieder so ein Musterknabe der Immobilienbranche, die in Spanien zum Inbegriff der Geldgier und Verderbtheit schlechthin geworden ist. Im Jahr 2006 ist kein Tag vergangen, ohne dass die Presse mindestens einen der Korruptionsfälle ins Licht rückte, die die beispiellose Zubetonierung des Landes (namentlich der Mittelmeerküste und der Umgebung von Madrid) möglich gemacht haben. Zu deren Veranschaulichung sollen zwei Zahlen genügen: Spaniens Zementverbrauch ist annähernd so hoch wie der der siebenmal bevölkerungsreicheren USA, und in Spanien werden jährlich mehr Wohnungen gebaut als in Deutschland, Frankreich und Grossbritannien zusammen.

Das Zauberwort lautet recalificación: Umwidmung oder, helvetisch, Umzonung. Das spanische Bodengesetz von 1998 gab – indem es alle graduellen urbanistischen Bewertungen und die entsprechenden Befugnisse schlicht abschaffte, um als einziges Kriterium den Marktwert des Bodens zu anerkennen – bis auf einige Schutzgebiete praktisch das ganze Land zur Überbauung frei. Ausgeheckt wurde es natürlich vom Kabinett Aznar, der von 1996 bis 2003 herrschenden, im NZZ-Jargon «konservativ» genannten Rechtsregierung des Partido Popular. Wobei das Wort konservativ in diesem Fall doch ein wenig höhnisch klingt.

Zuständig für Umwidmungen sind die lokalen Behörden: was erst die Schmiergelder, dann den Beton in Strömen fliessen liess. Die jähen Wertsteigerungen – genannt pelotazo oder auf deutsch, im Drogenjargon: Kick – hatten vielenorts Methode. Der archetypische Fall ist Marbella; mehr darüber in dieser Reportage. Näheres zur Madrider Bauwut (aus der noch argloseren Sichtweise des Jahres 2003) hier (.pdf).

Den Ehrentitel als Schurke der Woche macht dem Chef von Air Madrid denn auch ein Lokalpolitiker streitig: Eugenio Hidalgo, der Bürgermeister von Andratx, einem schicken Vorort von Palma de Mallorca, der Mitte Monat wie vor ihm schon etliche seiner Amtskollegen im Knast landete. Er hatte, wie es das Los spanischer Lokalpolitiker zu sein scheint, für Umwidmungen und Baubewilligungen von Promotern und Bauunternehmern Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Euro kassiert (die stets bar entrichteten Bestechungsgelder erklären den auffällig hohen Anteil Spaniens an 500-Euro-Scheinen).

Pikant an dem Fall ist, dass Hidalgo, wie vom Untersuchungsrichter abgehörte Telephongespräche beweisen, kurz vor seiner Verhaftung von seinen Parteikollegen gewarnt wurde und belastendes Material noch vernichten konnte. Er gehört wie die Mehrzahl der inkriminierten Politiker dem Partido Popular an; was freilich keineswegs heisst, dass Sozialisten und Angehörige regionaler Parteien von Sünde frei sind.

Das Finanzministerium will herausfinden, warum
jeder vierte 500-Euro-Schein in Spanien kursiert.

19. Dezember 2006

Gego und Centelles

wellbutrin sr class="alignleft size-full wp-image-1577" title="mob884_1166553936" src="http://markus-jakob.net/wp-content/uploads/2010/08/mob884_1166553936.jpg" alt="" width="341" height="276" />Kurz noch zwei Hinweise auf Ausstellungen: Das Macba zeigt neben der Retrospektive von Palazuelo (die ich noch nicht gesehen habe) die diesem formal nicht unverwandte, 1912 in Hamburg geborene, aber nach ihrer Emigration nach Venezuela 1939 zu einer der wichtigsten Künstlerinnen Südamerikas gewordene Gego. Näheres auf der Website des Museums.



Und die Virreina macht auf selten eindrückliche Art das Drama des Spanischen Bürgerkriegs mit dem Werk des Photographen Agustí Centelles (1909-1985) lebendig. Centelles rettete 1939 Tausende von Negativen über die Grenze nach Frankreich. Sie kamen erst 1975 wieder zum Vorschein. Die Ausstellung dokumentiert erstmals Centelles’ Werdegang, von den Photoreportagen der Vorkriegsjahre über sein Exil bis zur Werbephotographie (Chupa-Chups zum Beispiel) seiner Spätzeit. Im Mittelpunkt stehen indessen die Kriegsjahre 1936-39.

Strandidyll

Und da wir gerade bei Baustellen sind, hie ein Bild aus der Gegend des Barceloneser Forums, gemalt von Martin Fivian, der zur Zeit in der Berner Galerie Krebs ausstellt. Auf seiner Website finden sich übrigens noch weitere barcelonesische Sujets.

Chipperfields einschüchternde Ciudad de la Justicia



Im Modell sieht sie ja beinahe niedlich aus, die etwa eine Milliarde Euro teure Ciudad de la Justicia von David Chipperfield, die an derselben Achse wie die zuvor erwähnten Projekte liegt, etwas weiter stadteinwärts, nahe der Plaza Cerdá. Wie auf Chipperfields Website nachzulesen – weiteres bei seinem barcelonesischen Partner Fermín Vázquez unter Projekt 05 – steckt dahinter die Idee, die bisher über die ganze Stadt verstreuten Dienststellen der Rechtssprechung zu zentralisieren: Richter, Anwälte, Täter, Opfer, Schöffen und Zeugen, sie alle werden sich künftig an der Stadtgrenze zwischen Barcelona und L’Hospitalet wiederfinden, in einer der acht Baulichkeiten, die die Justizstadt bilden.

Nähert man sich der Klötzchenlandschaft Chipperfields an, vergehen einem allerdings umgehend alle Diminutive. Nicht sosehr die bis zu 17 Geschosse aufragenden Volumen sind es, die klaustrophobische Gefühle wecken, sondern die massive und – ja: klobige – Wirklichkeit dessen, was im Modell noch so verspielt anmutete. Die obsessiv
vertikalen Fensterreihen gemahnen unweigerlich an Gefängnisgitter – dabei lautete der Auftrag doch nicht, die Angeklagten im Zweifelsfall schon mal hinter selbige zu bringen. Auch die Anwohner, selbst in nicht unbedingt hypersensibel gestylten Wohnkasernen zu Hause, scheinen sich über den Tross neuer Nachbarn schon erschreckt zu haben, trotz deren pastellfarbenen Betongewändern.
P.S. - Anmerkung meines Freundes Jakob Timpe: Ein wenig sehe das Ganze ja auch wie die frisch arrangierten Trümmer des World Trade Centers aus.



Plaza de Europa: Die Bauwüste lebt

Die unten erwähnte Plaza de Europa, halbwegs zwischen dem Flughafen und dem Stadtzentrum gelegen, ist vorläufig lediglich eine Kranlandschaft: im Bild mit einer jener tausendfach über Spanien verbreiteten Tankstellen, die Norman Foster vor etwa zehn Jahren für den Ölkonzern mit dem hässlichen Namen Repsol entworfen hat.

Für die Baulöwen ist die ganze Gegend umso mehr ein gefundenes Fressen, als unweit von hier auch die Trasse für die Hochgeschwindig-
keitsbahn (AVE) Richtung Bahnhof Sants angelegt wird und im Umkreis weniger Kilometer eine ganze Reihe weiterer Grossüberbauungen im Gang sind: von Bofills neuem Flughafenterminal über Chipperfields Ciudad de la Justicia, Jean Nouvels City Metropolitana, den Office Park von Foreign Office Architects bis zu einem ganzen neuen Wohnviertel am Ende der Avenida de la Zona Franca.

An der Plaza de Europa ist als erstes der Stonehenge-artig angeordneten Hochhäuser das niedrigste davon – ein Entwurf von Oscar Tusquets, der sich als umgekehrte Pyramide ausgibt – im Rohbau fertig. Bereits für den Verkehr wiedereröffnet wurde die nunmehr teilüberdachte Autobahn, übrigens die älteste Spaniens, einst als Autovía de Castelldefels bekannt.

18. Dezember 2006

Stonehenge in L’Hospitalet

Nachtrag zur letzten Baustelle des Monats: In einer noch bis am 22. Dezember in einer weissen Zelthalbkugel auf der Plaza de Cataluña eingerichteten Ausstellung, grossspurigMetròpolis Barcelonabetitelt, sind neben allerlei Videofirlefanz auch einige Modelle von Grossprojekten zu sehen, darunter das der Fira 2 von Toyo Ito. Blau die Rambla, die das ganze Messegelände durchzieht, dahinter die wie ein Stonehenge die künftige Plaza de Europa umstehenden Hochhäuser. Unten links dasselbe Modell in der Perspektive der nun teilüberdeckten Gran Vía, daneben zum Vergleich ein Gegenschuss aus dem Jahr 1865: als der Bau der Gran Vía als Teil des Cerdà-Plans aufgenommen wurde.

Auf dem Weg zu den Gated Communities

Noch ein bisschen weiter in den Zeitungen er letzten Wochen geblättert. Dieser Tage erhitzte ein Verbrechen die Gemüter, das manche gar nicht als solches erachten. Der barcelonesische Juwelier Tous – dessen Schmuck sich in über dreissig Ländern verkauft – hat es, wie es in der Natur seines Geschäfts liegt, schon oft mit Räubern zu tun bekommen. Neuerdings nun auch in seiner mit unzähligen Kameras gespickten Privatvilla. Anscheinend war gerade niemand von der Familie anwesend. Für die Überwachung des Hauses ist eine Firma verantwortlich, die vom Freund einer seiner Töchter geleitet wird. Als dieser via CCTV das Eindringen der Missetäter bemerkte, machte er sich umgehend persönlich in die Villa auf. Wenig später lag einer der beiden aus Kosovo stammenden Einbrecher mit einem Kopfschuss tot auf dem Asphalt vor dem Haus. Die ballistischen Untersuchungen ergaben eine Feuerdistanz von maximal einem Meter. Das Opfer wie sein Kumpan waren unbewaffnet.

Natürlich wurde der Scharfschütze und Juweliersschwiegersohn in spe festgenommen, nur schon weil das Delikt ausserhalb des Gevierts stattgefunden hatte, dessen Überwachung ihm oblag. Er wird sich vor Gericht zu verantworten haben. Freilich gibt es Leute – Meinungsumfragen zufolge eine Minderheit –, die dies für eine Ungerechtigkeit halten. Das Unwesen der gewöhnlich osteuropäischen Einbrecherbanden, die ihre Freveltaten in den abgelegenen Siedlungen der Reichen begehen, hatte ja schon vor einigen Monaten eine kleine Hysterie ausgelöst. Trotzdem hat sich die entsprechende andere Seuche – die der gated communities nämlich – in Barcelona im Gegensatz zu Madrid noch kaum verbreitet. Was sich indessen allmählich ändern dürfte, zumal inzwischen bereits bei zwei weiteren Einbrüchen ein Kleinkind entführt und ein Hausbesitzer krankenhausreif geschlagen wurden.

15. Dezember 2006

Monumentale Groundings: für Air Madrid und für Stierkämpfe in Barcelona

Heute nachmittag hat die Billigairline Air Madrid sämtliche Flüge eingestellt. Laut ihrem eigenen Communiqué müssen 120’000 Passagiere nun selbst sehen, wie sie wieder nach Hause kommen – die meisten von ihnen über den Südatlantik, hatte Air Madrid sich doch auf diese Routen spezialisiert. Bereits in den nächsten Stunden will das zuständige Ministerium «aus rein humanitären Gründen» mit zwei gecharterten Jumbos, die von Madrid und Barcelona aus Buenos Aires anfliegen, zunächst etwa 1300 Passagieren aus der Patsche helfen. Ironischerweise schiebt die Airline die Schuld für ihr (als noch nicht definitiv bezeichnetes) Grounding eben diesem Ministerium in die Schuhe. Sie hatte durch ihren miserbalen Service – stunden-, teils auch tagelange Verspätungen als Normalfall – für soviel Ärger gesorgt, dass die Regierung ihr öffentlich mit dem Entzug der Lizenz drohte. Nun wirft Air Madrid dem Luftfahrtminister vor, ihr Image vorsätzlich zerstört und sie dadurch in diese Krise manövriert zu haben.



Heute ist ausserdem bekannt geworden, dass die nächste Stierkampfsaison in Barcelona voraussichtlich die letzte sein wird. Zwar hat die Stadtregierung schon im Frühling 2004 die Stadt als «antitaurina» definiert, ohne Stierkämpfe jedoch zu verbieten. Nun haben die Impressarios der Plaza de Toros Monumental bekanntgegeben, die vom April bis in den Herbst dauernde Saison sei für sie schon länger ein Verlustgeschäft, weshalb sie es auf die Saison 2008 hin aufzugeben gedächten.

2. Dezember 2006

Die Campana Brothers – von Sâo Paulo nach Istanbul



Über Design ist hier kaum je die Rede, aus dem einfachen Grund, weil diese Stadt davon überquillt. Wo anfangen? So schweife ich zwischendurch in die Ferne, zu Entwerfern aus São Paulo und Istanbul, die auch weiterhin von dort aus arbeiten. Vor einigen Tagen hielten die Campana Brothers aus Brasilien im FAD einen Vortrag. Zugegen war auch Massimo Morozzi, Chef von edra, ihrem italienischen Fabrikanten. Präsentiert wurden – im Gegensatz zu den Katalogbildern freilich in jugendfreier Manier – einige neue, an der Dschungelfauna inspirierte und wahrlich bequeme Sofas oder Liegelandschaften.



Sensationell ist auch die Website der brasilianischen Brüder. Sie haben ihre Karriere von Anfang an auf der «Local/global»-Schaukel aufgebaut, die sie umgehend an die mollge Spitze der Designerszene katapultiert hat.

Schon ihr angeblich erster Entwurf, der Vermelha Chair (links), wurde in die Sammlung des New Yorker MoMA aufgenommen. Morozzi erläuterte recht charmant den Unterschied zwischen ihrem (auch seinem) Vorgehen und dem «einer Firma wie, sagen wir, Sony, die dreitausend Designer beschäftigt». Bei den Campana Brothers sei zuerst eine Idee da, deren Ausführung vielleicht eine Menge Probleme stelle. Mit ein bisschen Kopfzerbrechen finde man jedoch immer eine Lösung – «na, fast immer». Bei den Japanern hingegen seien a priori eine Menge Lösungen da; die Probleme stellten sich dann später ein.

Ideen hat sicherlich auch Derin Sariyer in Istanbul, um stilistisch gleichwohl zu ziemlich andern Ergebnissen als die Campana Brothers zu gelangen. Unlängst hat die Firma recdi8 hier im Barrio, in der Gasse mit dem schönen Namen Flor del Lliri, einen Showroom mit Derins Entwürfen eröffnet. So etwa dem Sofa Mass, das indessen eher auf die Sinnlichkeit eines Airports zugeschnitten scheint.