Markus Jakob

3. August 2006

Flughafen-Streik – Die Inkompetenz der Inkompetenten

Je näher man das Flughafendebakel der vergangenen Woche anblickt, desto ferner blickt es zurück. Niemand in Barcelona scheint mehr begreifen zu können, wie geschehen konnte, was geschah: dass ein Teil des Bodenpersonals einer privaten Fluggesellschaft – 400 Mitarbeiter von Iberia – mit einem wilden Streik ein Chaos auszulösen vermochten, das die Reisepläne von über 100'000 Passagieren durchkreuzte, unzählige weitere in Mitleidenschaft zog und die Terminals während des ganzen Wochenendes in ein enormes Camping verwandelte. Zu schweigen von der gefährlichen Situation, Dutzende über der Stadt kreisender Flugzeuge am Landen zu hindern. («Il n'est pas donné à tout le monde d'aller à Barcelone», wie schon Picabia sagte.) Nur die Taxifahrer rieben sich die Hände – viele von ihnen brachten verzweifelte Reisende bis nach Paris (Tarif: 1100 Euro), Genf oder Madrid (700 Euro).

Jetzt scheint der Moment gekommen, ein paar Fragen zu stellen. Warum hat die Polizei die Meuterer nicht augenblicklich und notfalls gewaltsam von den Pisten vertrieben? Es wäre zu gefährlich gewesen, hiess es erst: schon wegen des kerosingetränkten Asphalts. Später wurde angeführt, es hätte an der Situation nichts geändert: der Flugbetrieb wäre durch den Streik des Handling-Personals ohnehin Buy micardis online lahmgelegt geblieben. Man kann Streikende ja nicht gut an die Arbeit zurückprügeln.

Wer war überhaupt zuständig, wer hatte die Entscheidungen zu treffen? Der schwarze Peter liegt bei der Luftfahrtbehörde AENA und bei Iberia. Dass das Verhältnis von Iberia zu Barcelona nicht das beste ist, wurde hier jüngt angedeutet. Die katalanische Regierung fordert seit Jahren die Oberhoheit über den Flughafen, der ihres Erachtens von AENA gegenüber Madrid benachteiligt wird. Doch nicht einmal das jüngst abgesegnete neue Autonomiestatut räumt ihr diese Kompetenz ein. Trotzdem hat die Opposition gestern bei einem Hearing im katalanischen Parlament die Unfähigkeit der Regierung Maragall gegeisselt – «die Inkompetenz der Kompetenzlosen», mokierte sich La Vanguardia.

Nun wird es Klagen hageln einerseits von geschädigten Passagieren, andererseits hat ein örtlicher Richter gegen die Streikenden ein Ermittlungsverfahren wegen Gefährdung der Flugsicherheit und wegen Freiheitsberaubung (die 100'000 festsitzenden Passagiere) eingeleitet.

Natürlich sorgt man sich nun allerseits um den Imageschaden, den die Stadt dadurch erlitten hat. Dabei hatte sie freilich Glück im Unglück. Seltsamerweise überging die internationale Presse – sehr im Gegensatz zur spanischen – das Chaos in Barcelona fast vollständig. Zeitungen wie Le Monde, FAZ, NZZ oder The Guardian war es nicht einmal eine Agenturmeldung wert. Was wiederum beweist, dass Barcelona eben doch eine zweitrangige Stadt ist, denn dasselbe Desaster in Mailand oder Paris hätte zweifellos ein anderes Echo gefunden.

Hier zum Trost noch ein fast ebenso chaotisch anmutendes Bild von der Baustelle des neuen Terminals, das die Kapazität des Flughafens auf über 50 Millionen Passagiere im Jahr erhöhen soll:

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29. Juli 2006

Das Hotel Arts und andere Schnäppchen

Nolvadex Online src="http://markus-jakob.net/wp-content/uploads/2010/07/mob472_1154172844.jpg" alt="" title="mob472_1154172844" width="369" height="271" class="alignleft size-full wp-image-955" />Es darf geklotzt werden. Diese Woche hat das Hotel Arts – der Stengel rechts im Bild, 1992 von Bruce Graham/Skidmore, Owings & Merrill gebaut – für 417 Millionen Euro die Hand gewechselt. Es war der bisher grösste Immobiliendeal mit einem Einzelobjekt in Spanien. Verkäufer war eine von der Deutschen Bank angeführte Gruppe spanischer Investoren, die den 155 Meter hohen Bau 2001 für 288 Millionen von der bankrott gegangenen japanischen Kette SOGO erworben hatte. Ein holländisches Konsortium ist der neue Eigentümer. Das Luxushotel – eine der von Film- und Musikstars in Barcelona bevorzugten
Adressen – wird weiterhin von der Ritz-Carlton-Kette geführt.

Nur Wochen zuvor hatte der Verkauf der scheusslichen Shopping Mall Diagonal Mar (Entwurf: Robert Stern) in der Immobilienbranche für Aufregung gesorgt. Die Investorengruppe, die dafür 300 Millionen Euro bezahlte, war in diesem Fall irisch dominiert.

Architektonisch ansehnlicher – trotz der seit der Eröffnung 1995 vorgenommenen Eingriffe – ist das von Viaplana & Piñón geplante Maremàgnum im alten Hafen.

Nachdem sein Ruf als Zentrum des Nachtlebens ruiniert war – spätestens als im Januar 2002 ein Türsteher einen ecuatorianischen Gast wellbutrin sr ins kalte Hafenwasser warf, wo er ertrank –, wurde das Angebot auf weniger konfliktträchtigen Boutiquenkommerz umgepolt. Der Crédit Suisse hat es gleichfalls diesen Juli für 122 Millionen Euro an einen holländischen Fonds verkauft.

Chaos am Flughafen oder Die Durchdrehwoche

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Die Villa La Ricarda hatte gestern einen ihrer ruhigsten Tage seit Menschengedenken. Nachdem Iberia die Konzession für die Handling Services auf dem Flughafen Barcelona entzogen worden war, traten die betroffenen Arbeiter – pünktlich zum Ferienbeginn – in einen wilden Streik und besetzten die drei Pisten (im Bildhintergrund der die Ricarda bergende Pinienwald). 544 der 942 vorgesehenen Flüge fielen aus, über 100 000 Passagiere waren betroffen. Gegen Abend Buy remeron online konnte der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden, das Chaos aber hält auch heute an. Wie in solchen Fällen üblich, drehen dann auch die genervten Fluggäste durch: Gruppen von ihnen haben zwischenzeitlich die Zufahrt zum Terminal A gesperrt.

Tausende anderer, die zum Teil seit 24 Stunden auf ihre Flüge warten, hängen zur Stunde in den Terminals herum und werden vom Flughafenpersonal mit Wasser und Sandwiches versorgt. Die Verursacher des Kollapses, der in diesem Ausmass auf europäischen Flughäfen noch selten vorgekommen sein dürfte, müssen wohl mit einem gerichtlichen Nachspiel rechnen.

Ah… fällt mir dabei ein: Sind wir denn nicht in der Semana trágica? In jener letzten Juliwoche, in der 1909 in Barcelona alles aus den Fugen geriet (vgl. auch die Bilder in diesem Eintrag)? Und in der die Nerven eigentlich jedes Jahr zum Zerreissen gespannt sind, in der in dieser Stadt immer irgend etwas Unheilvolles in der Luft zu liegen scheint – und Unheil ja auch dauernd geschieht, wie etwa am Donnerstag, als eine Gruppe Bauarbeiter im Poblenou von einer einstürzenden Stützmauer begraben wurde. Drei Ecuatorianer, ein Pakistani und ein Spanier starben; der Staatsanwalt will, da die im Bau befindliche Mauer fahrlässigerweise nicht abgestützt war, Klage wegen Totschlags erheben.

Aber bald ist sie ja überstanden, die Durchdrehwoche.

26. Juli 2006

Baufieber

Einen Eindruck hytrin davon, wie heftig die Bautätigkeit vor allem im Poblenou – dem 22@ genannten Technologiedistrikt der Stadt – zurzeit ist, vermittelt Nexium Online target="_blank">diese Site.

22. Juli 2006

lecool – le bulletin, le book

Schon lange lasse ich mir das wöchentliche Bulletin von lecool auf meinen Bildschirm flattern. lecool sieht Flagyl ER Online schön aus, hat Witz und Anmut, und wenn es auch ein vollständiger Veranstaltungskalender der Stadt weder ist noch zu sein beansprucht, so stösst man da doch immer auf Schönes und Seltenes, das in unserer Stadt gerade statthat; Buy elavil auf Orte auch, an denen man seine vom Sommer schon halb ausgelaugte Leiblichkeit vielleicht mal einen Abend lang verschnaufen lassen könnte – zum Beispiel die caseta del migdia.

Erst jetzt habe ich in einer Buchhandlung zufällig gesehen, dass lecool (offenbar erstmals 2004, nun in aktualisierter Neuauflage) auch einen Stadtführer in eleganter Buchform und in englischer Sprache herausgegeben hat.

19. Juli 2006

Ein unwahrscheinlicher Ort: La Ricarda revisited



Vor einigen Jahren habe ich diesen Text über Antonio Bonet geschrieben, den neben Sert wohl wichtigsten katalanischen Architekten jener Generation, die dem Spanien Francos den Rücken kehrten – oder kehren mussten – und einen Grossteil ihres Werks auf der andern Seite des Atlantiks bauten; in Bonets Fall in Argentinien.

Nun war wieder einmal Gelegenheit, seine Villa La Ricarda beim Flughafen Barcelona zu besuchen, anlässlich eines Projekts des belgischen Künstler Michel François, der die Villa für mehrere Wochen gemietet hat, um dort gemeinsam mit Künstlerfreunden wie Francis Alys, Dominique Gonzales Foerster und andern einen Film zu drehen.



Die Ricarda ist und bleibt eines der fabelhaftesten Häuser Barcelonas, von Bonet in vierzehnjähriger Planungs- und Bauzeit (1949-1963) bis ins kleinste Detail durchgestylt und doch in erster Linie einfach dieser weisse Akkord von Dachgewölben in einer Waldlichtung. Die Dächer sind nun übrigens restauriert worden – hier ein Bericht der ausführenden Architekten darüber. Andere Bauteile sind hingegen in bedenklichem Zustand, auch das von Bonet entworfene Mobiliar, wie in dieser Galerie zu sehen. (Ah... das Küchencockpit. Ein clin d'oeuil an die Umgebung?)


Doxycycline Online src="http://markus-jakob.net/wp-content/uploads/2010/07/mob456_1153324487.jpg" alt="" title="mob456_1153324487" width="340" height="236" class="alignleft size-full wp-image-972" />Ein unwahrscheinliches Gebäude ist die Ricarda in mancher Hinsicht, nicht zuletzt durch ihre Lage in einem Naturschutzgebiet, das bis ans nahe Meeresufer reicht, aber auch unmittelbar an den Flughafen grenzt, dessen dritte Piste nur einen Steinwurf entfernt ihren Anfang nimmt (auf Google Earth noch im Bau). Das minütliche Aufheulen der startenden Jets ist mithin der Soundtrack der Traumvilla (und vermutlich auch des Films von Michel François & Co). Die landenden Maschinen fliegen hier schon so tief, dass sie durch das zweite Dach, das der Pinienkronen, leider verdeckt werden.

Zu Bonet ist weiter zu bemerken, dass die Stadt Barcelona seine wunderbare, im Februar geschlossene Hunderennbahn Buy cardura online nun in ihr Eigentum zu bringen versucht, um sie in ein Sportzentrum für das Quartier zu verwandeln. - Googlenderweise stiess ich auf die reich bestückte Videothek der Universitat Politecnica de Catalunya, in der Bonet mit diesem Vortrag vertreten ist.